Seit vorvergangener Woche wehen vor der Mensa der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) am Langemarckplatz in Erlangen Palästina-Flaggen. Aktivisten von „Students 4 Palestine FAU“ haben dort ein Protestcamp errichtet, wie sie aktuell vor vielen deutschen Hochschulen stehen. Die Gruppe „Students 4 Palestine FAU“ ist ein Zusammenschluss einzelner Personen aus lokalen so genannten pro-palästinensischen Gruppen, wie dem „Olivemovement Erlangen“ oder der „Intifada Nürnberg“. Auch einige dem traditionslinken Milieu entspringenden Gruppen wie der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) unterstützen das Camp.
Zentrale Forderung der Aktivisten ist die Beendigung von Beziehungen der FAU zu israelischen Universitäten sowie Unternehmen, wie zum Beispiel Siemens, die Geschäftsbeziehungen nach Israel unterhalten. Zu Beginn des Camps äußerten sich einige Stimmen besorgt, denn vor allem in Berlin sorgten die Palästina-Proteste an den Universitäten wegen antisemitischer Vorfälle und Ausschreitungen für Schlagzeilen. In Erlangen ist die Situation hingegen bislang ruhig geblieben; die Stadt Erlangen vermeldet, keine Verstöße gegen Auflagen festgestellt zu haben. Nicht verboten ist die umstrittene und von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) als antisemitisch eingestufte Parole „from the river to the sea“ sowie entsprechende Darstellungen. Und man muss auf dem Camp nicht lange suchen, um auf eine Grafik zu stoßen, die eine Landkarte zeigt, die das gesamte israelische Staatsgebiet sowie den Gazastreifen und das Westjordanland umfasst.
Antisemitismus bei Students 4 Paletine FAU
RIAS Bayern erklärt dazu, dass durch die Darstellung mit der Karte mit Kefiye und der Verwendung des Begriffs „Palestine“ für das gesamte Gebiet Israels Existenzrecht geleugnet und das Ende des Staates Israel herbeigewünscht werde. Dabei würde die Forderung nach dem Ende Israels mindestens bedeuten, die jüdische Mehrheitsbevölkerung dem Antisemitismus, der auf ihre Vernichtung hinausläuft, ungeschützt ausgesetzt sehen zu wollen. Auch in der Vergangenheit sind Aktivisten von „Students 4 Palestine FAU“ mit Äußerungen aufgefallen, die von RIAS Bayern als antisemitische Vorfälle eingestuft wurden. So tauchte immer wieder das an die Ritualmordlegende angelehnte Element des „Kindermörder Israel“ auf.
Auch sind antisemitische Gewalt- und Terrorakte beispielsweise durch „Intifada“-Parolen verherrlicht worden. „Students 4 Palestine FAU“ verteidigen sich damit, dass sie ihre Äußerungen nicht als antisemitisch empfinden; die von RIAS verwendete Antisemitismusdefinition der International Holocaust Rememberance Alliance (IHRA) lehnen sie ab. Argumentiert wird auch mit einer der pseudowissenschaftlichen Rassenlehre entlehnten semantischen Behauptung, Palästinenser „seien selbst Semiten“ und könnten deshalb nicht antisemitisch sein.
Kritik von jüdischen Studenten in Erlangen
Dabei fand der Begriff der „Semiten“ für Juden Verwendung, um der Judenfeindlichkeit einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Einige jüdische Studierende der FAU äußern sich indes kritisch gegenüber den Protesten von „Students 4 Palestine“, teils sehen sie darin den eliminatorischen Hass auf Israel und auf Juden, den die Hamas verbreitet. Unmittelbar beeinträchtigt würden sie sich durch das Camp zwar nicht fühlen, jedoch würden einige beim Vorbeilaufen lieber keine sichtbaren religiösen Symbole tragen wollen oder die Proteste insgesamt lieber meiden.
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