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Medikamente wiederverwerten
Wie Forscher der FAU einen ganz neuen Wertstoff erschließen
FAU-Projekt zum Medikamenten RecyclingFAU-Projekt zum Medikamenten Recycling
Ein Mitarbeiter des Wertstoffhofs mit einer Tonne voll alter Tabletten. // Andreas Kraft
Erlangen – Abgelaufen Tabletten und Hustensäfte gehören eigentlich in den Restmüll. Dabei stecken in den alten Arzneimitteln durchaus noch Wirkstoffe. Die Uni Erlangen entwickelt gerade zahllose Verfahren, um die zu recyceln.

Doch eins gleich vorweg: Die Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg Erlangen (FAU) holt zwar aus alten Arzneimittel die Wirkstoffe heraus, aber daraus werden keine neuen Tabletten hergestellt. Zumindest noch nicht. Doch irgendwann könnte es tatsächlich möglich werden, Medikamente wirklich zu recyceln, sagt Proffesor Markus Heinrich: „Damit könnte man etwa Lieferengpässe überbrücken, das wäre schon toll.“ Aber bis es so weit ist, ist es noch ein langer Weg.

Denn gemessen an den Zeiträumen, die wirkliche Innovationen brauchen, steckt das Forschungsprojekt des Professors für Pharmazeutische Chemie noch in den Kinderschuhen - auch wenn er schon acht Jahre lang am Medikamenten-Recycling arbeitet. Damals 2016 brauchten er und seine Kollegen für die Forschung einen seltenen Wirkstoff, ein Gramm davon koste 1000 Euro. Um Geld zu sparen, habe man stattdessen lieber Tabletten besorgt und den Wirkstoff extrahiert. 

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Eine Tonne mit alten Tabletten. // Andreas Kraft

Dabei sei die Idee entstanden, das auch mal systematisch zu versuchen. Zunächst sammeln er und seine Studenten bei Erlanger Apotheken, wo aus den Regalen auch immer wieder mal Medikamente entsorgt werden müssen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Die Apotheker fangen schließlich auch damit an, ihren Kunden anzubieten, ihre alte Arznei vorbeizubringen. Inzwischen kommen so schon ziemlich viele Tabletten zusammen, die die Apotheken dann beim pharmazeutischen Institut abgeben. 2022 waren es 4000 Kilogramm.

Gut zwei Tonnen Tabletten recycelt Professor Heinrich von der FAU schon jedes Jahr

„Gut die Hälfte davon, konnten wir tatsächlich verwerten“, sagt Heinrich nicht ohne Stolz. Für mehr als 200 Chemikalien haben er und sein Team schon Verfahren entwickelt, um die Wirkstoffe von den Hilfsstoffen zu trennen. Die Hilfsstoffe dienen etwa dazu, der Tablette ihre Form zu geben oder auch den Wirkstoff verzögert oder langsam ans Blut abzugeben. An den Wirkstoff heranzukommen, ist dabei nicht immer ganz einfach. 

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Professor Markus Heinrich mit Tonnen voll alter Medikamente. // Andreas Kraft

Nach jahrelanger Grundlagenforschung gelingt es manchmal schon an einem Tag, ein entsprechendes Verfahren zu entwickeln, manchmal dauert es auch zwei Wochen. Vorhersagen lässt sich das schlecht und im Labor müssen Studierende und Doktoranden auch immer mal verschiedene Wege ausprobieren, um schließlich ans Ziel zu gelangen.

Als nächstes Ziel will Professor Heinrich seine Mengen erhöhen, auch um die Verfahren kostengünstiger zu machen. Dafür braucht er aber auch mehr Medikamente. Deshalb startet er jetzt auch eine Kooperation mit dem Abfallzweckverband von Stadt Erlangen und Landkreis Erlangen-Höchstadt. Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD), der gleichzeitig auch Vorsitzender des Zweckverbands ist, findet das eine gute Sache.  „Die Wiederverwertung von Wertstoffen liegt uns als Stadt schon lange am Herzen“, sagt er. Da sei man auch gerne Vorreiter. „Bei unserer Altfettsammlung wurden wir anfangs belächelt“, erinnert er sich. Inzwischen ist das in vielen Kommunen Standard. 

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Erlangens OB Florian Janik auf dem Wertstoffhof. // Andreas Kraft

Zudem man bei Medikamenten ein ähnliches Problem habe wie bei dem Fett: Wenn der Müll im Klo landet, muss die Stadt den im Klärwerk mühsam aus dem Wasser holen. Bei Arzneimitteln ist das oft unmöglich, weshalb die Wirkstoffe dann im Grundwasser landen. Mit der Sammlung am Wertstoffhof mache man auch noch mal deutlich, dass Tabletten nicht ins Klo gehören. 

Medikamente sind stark reguliert - damit die Patienten auch sicher sind

Laut den Vorgaben des Bundes müssen Arzneimittel nämlich eigentlich vollständig dem Kreislauf entzogen werden, konkret bedeutet das, dass die als Restmüll vollständig verbrannt werden müssen. So haben auch die Forscher der FAU die Auflage, dafür zu sorgen, dass die Medikamente, die sie nicht recyclen in der Müllverbrennung landen.

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Hier kann man alte Tabletten abgeben. // Andreas Kraft

Als weitere Auflage gilt aktuell auch, dass aus den recyclten Wirkstoffen keine neue Arznei gemacht werden darf. Die Uni kann sie aber als Forschungschemikalien verwenden. Etwa, um an der Entwicklung neuer Medikamente zu arbeiten. Zudem gibt die FAU die so gewonnen Chemikalien inzwischen an andere Universitäten in Deutschland weiter. Das Angebot möchte Heinrich gerne ausweiten - auf ganz Europa. 

Doch auch mit der Industrie gibt es schon erste Kontakte. Die entwickelten Verfahren stoßen, so Heinrich, schon auf erste Interessenten. Die müssen die Chemikalien dann in einem entsprechend zertifizierten Labor extrahieren. Die Auflagen sind natürlich hoch, Medikamente für die Sicherheit der Patiententen streng reguliert. Bis ein wirkliches Medikamenten-Recycling gelingt, müssen auch die entsprechenden Gesetze geändert werden. Heinrich und sein Team, zeigen aber schon jetzt, dass es zumindest technisch möglich ist. 

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