Wer im Vorfeld der Bauernproteste herausfinden wollte, wo am Montag überall Straßen blockiert sind, konnte schnell den Überblick verlieren. Neben verschiedenen Demo-Zügen in Erlangen und rund um Forchheim waren etliche Blockaden von Straßen und Autobahnzufahrten angekündigt. Wir wollten herausfinden: Wie stark ist der Verkehr tatsächlich von den Blockaden beeinflusst und wie ist die Stimmung bei den protestierenden Landwirten?
Auf der Strecke von Forchheim in Richtung Höchstadt an der Aisch steht die erste Blockade an der B470 auf Höhe der Abzweigung Zeckern. Mehrere Traktoren mit Plakaten und Deutschlandfahne stehen auf der Fahrbahn und verhinderten so ein Abbiegen von der Bundesstraße. Während der Verkehr auf der B470 theoretisch frei fließen kann, blockieren einige Lkws zeitweise die Straße und vor allem die Abbiegespur, da sie aufgrund der Sperrung nicht ihre geplante Route fortführen können.
Bei frostigen -2 Grad stehen mehrere Landwirte zwischen den Fahrzeugen. Mit ihren neonfarbenen Arbeitsklamotten sind sie gegen die grauen Januarwolken gut zu sehen. Es ist ruhig. Etwas abseits steht ein Holzofen, der ein paar Wärmehungrige angelockt hat. Seit kurz vor sechs seien sie vor Ort, erzählen die Landwirte. Trotz der Kälte wollen sie noch den restlichen Tag ausharren.
Nicht weit entfernt ist die Abzweigung Richtung Hausen und Heroldsbach ebenfalls blockiert. Auch hier sind die Traktoren schon von weitem auf der Straße erkennbar.
Mit gelben Warnwesten stehen die Landwirte, die laut eigener Aussage aus den direkten Nachbarorten stammen, an Feuerschalen zusammen. Einzelne Autofahrer hätten im Laufe des Morgens genervt gewendet, erzählen sie. Ein Lkw sei bis unmittelbar vor die Blockade herangefahren und habe sich sehr aufgeregt. Bisher sei sonst aber alles ruhig gewesen. Schulbusse oder medizinisches Personal würde man selbstverständlich durchlassen, betonen die Landwirte.
Wir treffen Andreas Kupfer, der die beiden Blockaden koordiniert und beim Landratsamt angemeldet hat. Er erzählt, es gehe ihm bei dem Protest um mehr als die Steuerbegünstigung beim Agrardiesel. Er spricht von steigenden Energiekosten und Mautkosten, die weit über die Herausforderungen in der Landwirtschaft hinausgingen. Der allgemeine Unmut gegen die Regierung zeigt sich auch auf vielen Plakaten: Die Ampel solle weg, das bringen hier viele zum Ausdruck.
Blockade auf der B470 bei Adelsdorf
Ein gutes Stück weiter Richtung Höchstadt staut sich der Verkehr auf der B470. Aufgrund mehrerer Lkw ist zunächst unklar, ob es an der Ampel liegt oder ob auch hier ein Protest den Verkehr stoppt. Einige Fahrer drehen um, einer fühlt sich aufgrund des Staus zu einem gewagten Überholmanöver auf der Gegenfahrbahn inspiriert. Nach einer Weile stellt sich heraus: Geradeaus ist auf der Bundesstraße kein Durchkommen mehr.
Hinter der Absperrung ist die Stimmung gut. Musik spielt über einen Lautsprecher, Kaffee wird angeboten. Seit 5 Uhr stehen die Landwirte hier, erzählen sie. Viele aus der Bevölkerung würden hier vorbeikommen und Getränke und Essen vorbeibringen. Die Landwirte erfahren auch hier mehr Rückhalt und Verständnis als Ärgernis über den blockierten Fahrweg. Nach dem kurzen Zwischenstopp fahren wir über Medbach weiter in Richtung Autobahnauffahrt Höchstadt Ost. Denn auch dort ist eine Blockade angekündigt.
Autobahnauffahrt Höchstadt Ost ist dicht
Organisator Ralf Geyer verteilt gerade Nussecken an die anwesenden Landwirte, als wir ankommen. Inzwischen scheint die Sonne, auch hier ist die Stimmung entspannt.
Seit sechs Uhr sei die Gruppe vor Ort, berichtet Geyer. In Absprache mit dem Landratsamt dürfe man bis 15 Uhr stehenbleiben. Ursprünglich sei sogar 21 Uhr geplant gewesen. Rund 100 Leute seien an Aktionen beteiligt - und das zusätzlich zu der Demonstration des Bauernverbandes in Erlangen. Von letzterer hält Geyer nicht allzu viel. Von den Blockaden verspricht sich Geyer mehr Erfolg.
Ralf Geyer über die Blockade an der Auffahrt Höchstadt Ost
Das Fass sei jetzt einfach voll gewesen, erklärt Geyer den Protest. Trotz allem Frust ist ihm jedoch wichtig, dass alle Aktionen in geordneten Bahnen laufen. Er habe aber von unangemeldeten Blockaden in anderen Orten gehört und halte das für den falschen Weg. Auch Geyer betont, dass man Busse und Ärzte selbstverständlich durchlasse. Und merkt schmunzelnd an, dass heute schon erstaunlich viele „Ärzte“ durchgefahren seien.
Auf den Plakaten wird viel auf die Ampelregierung geschimpft ( „Die Ampel ruiniert Deutschland“) und die Bauern als systemrelevant gelobt („Stirbt der Bauer, stirbt das Land“). Deutschlandfähnchen sieht man überall, einige Teilnehmer haben gigantische Deutschlandfahnen an ihren Fahrzeugen befestigt. Demokratiefeindliche Sprüche oder rechtsextreme Logos sehen wir nicht.
Nicht alle Teilnehmer seien damit zufrieden, einfach nur an der Blockade zu stehen, erzählt Geyer. Kurz darauf machen sich einige Teilnehmer mit ihren Traktoren zu einer kurzen Rundfahrt durch Höchstadt auf. Wie die Proteste die Woche über weitergehen, sei noch nicht final geklärt. Weitere Demonstrationen in Nürnberg und Berlin sind angekündigt, aber auch "spontane" Aktionen seien möglich.
Polizei zieht positive Bilanz
Die Polizei Mittelfranken zeigt sich von den Protestaktionen positiv überrascht. „In Mittelfranken waren es 6500 Teilnehmer und 6000 Fahrzeuge. Wenn bei der Menge nichts Gravierendes passiert, ist das positiv“, sagt Robert Sandmann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken.
Auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt habe es keine Probleme oder Unfälle gegeben. Bei der An- und Abfahrt der Traktoren sei es zwar vorübergehend zu Behinderungen gekommen, der Fahrverkehr auf der Autobahn sei aber beispielsweise ungestört verlaufen. Die Teilnehmer hätten sich außerdem zum größten Teil an die angemeldeten Versammlungen gehalten. „Wenn doch mal jemand kurz woanders stehen geblieben ist, konnte die Polizei vor Ort mit den Leuten sprechen und die Teilnehmer haben direkt reagiert und sind weitergefahren“, sagt Sandmann. „Es lief alles in einem vernünftigen, kooperativen Rahmen ab.“
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