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Rekordhaushalt in ERH
200 Millionen Euro: Landkreis braucht so viel Geld wie noch nie
Für die Erweiterung des Gymnasiums in Höchstadt sind heuer zehn Millionen Euro veranschlagt. Er ist Investitionsschwerpunkt des Haushalts. Dienstag wird Richtfest gefeiert.
Für die Erweiterung des Gymnasiums in Höchstadt sind heuer zehn Millionen Euro veranschlagt. Er ist Investitionsschwerpunkt des Haushalts. Dienstag wird Richtfest gefeiert. // Andreas Dorsch
Höchstadt a. d. Aisch – Der Landkreis Erlangen-Höchstadt braucht heuer mehr als 200 Millionen Euro, um alle Ausgaben zu decken. Die Fraktionen des Kreistages akzeptieren den Finanzplan. Ein Bereich beschert Landrat Tritthart jedoch Sorgen.

Der Landkreis Erlangen-Höchstadt zählt zu den finanzstärksten und investitionsfreudigsten Kreisen in Bayern. Aber auch hier wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Bürger müssen sich darauf einstellen, dass der Kreis nicht mehr alles so locker finanzieren kann wie in den vergangenen Jahren. Das machte Landrat Alexander Tritthart (CSU) deutlich, als er in der Kreisausschusssitzung am Freitag den Etatentwurf für 2024 vorstellte. Mit 218 Millionen Euro handelt es sich dabei zwar um einen neuen Rekordhaushalt, allerdings sei „die Aufstellung sehr schwierig und anspruchsvoll“ gewesen, sagte der Landrat.

In allen Bereichen waren Einschnitte und Einsparungen nötig, um einen ausgeglichenen Haushalt aufstellen zu können. Oberstes Ziel war es dabei, die Kreisumlage der 25 Städte und Gemeinden nicht anheben zu müssen. So will Erlangen-Höchstadt seinen inzwischen über 141.000 Einwohnern „ein attraktives Lebensumfeld bieten und den Betrieben eine hohe Standortqualität garantieren“, wie es Tritthart formulierte. Im Kreisausschuss stieß der Etatentwurf 2024 bei den Vertretern aller Fraktionen auf einhellige Zustimmung. Die endgültige Genehmigung ist in der nächsten Kreistagssitzung nur noch Formsache.

Landkreis ERH braucht Geld für Schulen

Das meiste Geld ist für den Sozialbereich, Schulen und öffentliche Einrichtungen eingeplant. Größter Ausgabeposten ist jedoch mit 57 Millionen Euro die Bezirksumlage, die der Landkreis an den Bezirk Mittelfranken abführen muss. Vorangebracht werden soll der Neubau der Dienststelle Höchstadt des Landratsamtes. Tritthart rechnet damit, die Planungen fertigstellen zu können. 2,1 Millionen Euro stehen dafür bereit.

Zur Unterstützung der Feuerwehren im Kreis sind 2,5 Millionen vorgesehen. Für 14 Schulen mit über 8200 Schülern hat der Landkreis die Trägerschaft. Das fünfte Gymnasium ist im Westen des Landkreises geplant. Die bisher größte Baumaßnahme des Kreises wird mit knapp 60 Millionen Euro die Erneuerung des Gymnasiums Spardorf. Heuer sind dafür 8,5 Millionen eingeplant. Unterdessen steht am Erweiterungsbau des Gymnasiums Höchstadt das Richtfest an.

„Wir waren wieder kurz davor, Turnhallen zu nutzen“

21,3 Millionen soll der Bau kosten, mit zehn Millionen bildet er 2024 den Investitionsschwerpunkt des Haushalts. Der „Bauchschmerzen-Bereich“ ist für Landrat Tritthart der Sozialetat. Für Sozialhilfe, Jugendhilfe, Asylbewerber und Grundsicherung müssen 52,5 Millionen aufgewendet werden. Davon erstattet der Staat allerdings 23 Millionen. Für die Jugendhilfe hat sich der Finanzbedarf mit 17,4 Millionen Euro innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Tritthart: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es hier in den nächsten Jahren weitergehen soll.“ Bei den Flüchtlingen sei die Lage dramatischer als von manchen Kreisräten gesehen. Vor Weihnachten habe man 20 bis 50 Zuweisungen pro Woche bekommen. „Wir waren wieder kurz davor, Turnhallen zu nutzen“, schilderte der Landrat. Der Kreis steht zum Krankenhaus in Höchstadt.

92 Millionen Euro: Landkreis ERH nimmt Kredite auf

Tritthart sieht jedoch erhebliche Anstrengungen, um zu modernisieren. Der heuer erwartete Fehlbetrag von 2,4 Millionen ist für den Landrat kein Grund zur Sorge: „Damit können wir froh sein, wenn man sich in der Krankenhauslandschaft umschaut. Andere haben zweistellige Millionen minus.“ Um etwa die Investitionen beim Ausbau der A3 und in den ÖPNV (sechs Millionen Euro Zuschuss) finanzieren zu können, ist eine Kreditaufnahme von elf Millionen Euro vorgesehen.

Dazu kommen Restkreditermächtigungen von acht Millionen. Tritthart rechnet damit, dass sich vor dem Hintergrund der großen Vorhaben die Verschuldung in den nächsten Jahren weiter erhöhen wird. Für ihn sind es allerdings „gute Kredite“ - man habe keine Luftschlösser vor. Für den Zeitraum 2025 bis 2027 stehen knapp 92 Millionen Euro in der Finanzplanung. Und da ist das gewünschte fünfte Gymnasium noch nicht dabei.

Bürgermeister German Hacker stimmt Haushalt zu

In der Kämmerei wird bereits am Haushalt 2025 gebastelt. „Dafür sehen wir große Hürden“, kündigt der Landrat an. Grünen-Sprecher Wolfgang Hirschmann signalisierte die Zustimmung seiner Fraktion. Sie trage auch die starke Steigerung in der Jugendhilfe mit, sei doch die Welt in den Familien nicht mehr so heil wie es wünschenswert wäre. Eine „sehr vernünftige Planung auch mit der Kreditaufnahme“ sieht SPD-Sprecher und Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker im Etatentwurf 2024.

Hacker möchte es auch 2025 ohne Erhöhung der Kreisumlage schaffen, machen die Städte derzeit doch ganz harte Phasen durch. Hacker: „Der Rückgang der Gewerbesteuer ist brutal.“ Hervorragende Arbeit bescheinigte CSU-Sprecher Walter Nussel der Verwaltung. Die CSU stehe hinter dem Haushalt. Ziel sei es, die Grundversorgung der Bevölkerung zu stemmen.

Höhere Kreisumlage wirkt sich auf Adelsdorf aus 

Nico Kauper stimmte für die Junge Union zu und meinte zur Kreisumlage: Ein Punkt Erhöhung würde etwa für Adelsdorf über 100.000 Euro mehr Abgaben bedeuten. Daher war Michael Schölkopf (FW) begeistert, dass die Kreisumlage gehalten wird.

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