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Coronamaßnahme
Maskenpflicht: Am Dienstag tagen die Minister
Die Maskenpflicht im ÖPNV hat für viele Bürger im Kreis Erlangen-Höchstadt ihre Berechtigung verloren. Immer mehr Menschen ignorieren sie.
Die Maskenpflicht im ÖPNV hat für viele Bürger im Kreis Erlangen-Höchstadt ihre Berechtigung verloren. Immer mehr Menschen ignorieren sie. // Andrea Beck
LKR Erlangen-Höchstadt – Die Debatte um die Maskenpflicht im ÖPNV nimmt Fahrt auf. Am Dienstag diskutieren die Länder über ein vorzeitige Ende der Maßnahme. Was halten die lokalen Pendler und Unternehmer von der Pflicht?

Wer mit dem Zug von Bamberg nach Erlangen fährt oder in einem Bus nach Herzogenaurach sitzt, kann es sehen: Schätzungsweise ein Viertel der Pendler trägt trotz Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) keine Maske.

Und anders als im vergangenen Winter beschweren sich ihre Maske tragenden Mitfahrer nicht darüber. Sie nehmen einfach keine Notiz mehr.

Szenen wie diese zeigen, dass die öffentliche Akzeptanz für eine der wenigen noch geltenden Coronamaßnahmen gesunken ist.

Pendler rechnen mit baldigem Ende der Pflicht

„Es ist schwer zu verstehen, warum die Maskenpflicht in Bus und Bahn noch gilt, während sie im Flugzeug aufgehoben ist“, sagt Eduard Böhm. Der 24-Jährige studiert an der FAU und pendelt fast jeden Tag mit dem Zug von Nürnberg nach Erlangen.

Er trägt den Mundschutz, „aber ich bin froh, dass die medizinische Maske in Bayern ausreicht.“ Böhm schätzt, dass die Maskenpflicht im ÖPNV bald fällt. Er wird die Maske dann nicht mehr im Zug tragen.

Anders als Eike Söhnlein. Die 65-Jährige ist jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Metropolregion Nürnberg unterwegs und trägt freiwillig die FFP2-Maske. „Ich bin froh die Maske zu haben, auch wenn es nicht besonders angenehm ist, sie zu tragen. Sie schützt mich nicht nur vor Corona sondern auch vor einer Erkältung.“

Söhnlein geht wie Eduard Böhm davon aus, dass die Maskenpflicht in Kürze zur Maskenempfehlung wird. Dann könne jeder selbst wählen. „Wenn der Zug voll ist, werde ich weiter eine Maske tragen.“

Bayern will die Freiwilligkeit

Dass der Maskenartikel im Infektionsschutzgesetz – der nicht mehr in Fußballstadien, Kinos, Flugzeugen und auch nicht in Schulbussen gilt – sich schlechter verkauft, als zu Hochzeiten der Corona-Pandemie ist in den Reihen der Politik inzwischen angekommen.

Während Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf die FFP2-Maske in Fernzügen wie ICE und IC bis April 2023 besteht, hadern immer mehr Länder, in deren Hand die Maßnahmen im ÖPNV liegen, mit der Pflicht.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vor einigen Tagen eine Lockerung der Maskenpflicht im bayerischen ÖPNV ins Spiel gebracht. Demnach überlege man in der Staatskanzlei, in München ab Dezember aus der Pflicht eine Empfehlung zu machen.

Am Dienstag könnte eine Entscheidung fallen

Ähnliches plant Schleswig-Holstein. Hessen hingegen hat sich jüngst erst gegen das Aufweichen der Maskenpflicht ausgesprochen.

Möglicherweise werden sich die Verkehrsminister der Länder bereits in dieser Woche auf eine gemeinsame Linie einigen. Denn die aktuelle Vorsitzende der Ministerrunde, Bremens Senatorin Maike Schaefer, will ein einheitliches Ende der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr.

Für eine Sonderkonferenz der Verkehrsminister am Dienstag hat Bremen deshalb den Antrag eingereicht, die Maskenpflicht im ÖPNV bundesweit abzuschaffen – und zwar zum vorgesehenen Start des 49-Euro-Tickets Anfang März. Voraussetzung sei, dass es die Pandemielage zulasse, so Schaefer.

Noch hängen die Maskenhinweise an den Zugtüren. Das würde sich schon im Dezember ändern, wenn es nach der CSU ginge.
Noch hängen die Maskenhinweise an den Zugtüren. Das würde sich schon im Dezember ändern, wenn es nach der CSU ginge. // Andrea Beck

Anbieter sehen den Stimmungswandel

Die Unternehmer, die im Landkreis Erlangen-Höchstadt die Busse und Bahnen stellen, hätten gegen das Ende der Maskenpflicht nichts einzuwenden.

Einen Teil des Busverkehrs im Kreis sowie einen Großteil des Bahnangebots in der Region steuert der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Dort halte man sich an die gesetzlichen Vorgaben des Landes, heißt es auf FT-Anfrage.

Aber: „Nachdem in anderen Bereichen des Lebens die Maskenpflicht bereits gefallen ist, merken wir, dass die Akzeptanz bei unseren Fahrgästen langsam schwindet“, sagt VGN-Sprecher Manfred Rupp. Vermehrt habe es deswegen Beschwerden und Konflikte gegeben.

Diskussionen, Streits und Schläge

Diese Konflikte erlebt Werner Vogel, Chef des gleichnamigen Busunternehmens aus Höchstadt, täglich. „Unsere Fahrer werden von Kunden, die keine Maske tragen wollen, beleidigt, angeschrien und im schlimmsten Fall sogar geschlagen. Ein Kollege wurde angespuckt. Deswegen weist auch fast kein Fahrer mehr auf die Pflicht hin“, sagt Vogel.

„Falls doch, sieht er im Rückspiegel, wie die Fahrgäste den Mundschutz gleich wieder abnehmen.“

Vogel hofft, dass die Länder die Maskenpflicht so bald wie möglich abschaffen. Dann hätten die täglichen Diskussionen mit Kunden ein Ende.

„Es wird Zeit für die freiwillige Entscheidung“

Sein Kollege, Prokurist Damian Breuer, stimmt ihm zu: „Endlich müssten die Fahrer nicht mehr mit Müttern darüber diskutieren, dass das Nachbarskind ohne Maske im Bus sitzt“, sagt Breuer.

Darüber hinaus kann Breuer die – friedfertigen – Verweigerer verstehen. „Es wird Zeit, dass das Maske tragen zur freiwilligen Entscheidung wird. Zu Beginn der Pandemie war die Pflicht sinnvoll, aber jetzt haben wir überall Lüftungssysteme in Bussen und Zügen und viele Menschen sind geimpft. Wir müssen lernen, mit dem zu Virus leben.“

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