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30 Minuten reichen
Training gegen Folgen von Lockdown und Homeoffice
Postdoktorand Dr. Dejan Reljic konnte zusammen mit anderen Forschern der FAU nachweisen, wie sich Homeoffice und Lockdown auf die Gesundheit auswirkt.
Postdoktorand Dr. Dejan Reljic konnte zusammen mit anderen Forschern der FAU nachweisen, wie sich Homeoffice und Lockdown auf die Gesundheit auswirken. // Pascale Ferry
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Erlangen – Eine Studie stellt fest: Homeoffice und Lockdown schadeten der Gesundheit der Probanden. Das Erlanger Hector-Center empfiehlt ein spezielles Intervalltraining.

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) haben in einer am Mittwoch im „International Journal of Environmental Research and Public Health“ veröffentlichten Studie die Auswirkungen von Homeoffice und Lockdown auf Gesundheit und Lebensqualität untersucht. Eines der Ergebnisse: Die Gesundheit der Probanden litt unter diesen Corona-Folgen.

Wir haben das Intervalltraining nicht erfunden“, sagt Postdoktorand Dr. Dejan Reljic, der den Bereich Sportwissenschaft und Leistungsphysiologie am Hector-Center des Universitätsklinikums Erlangen leitet. „Aber wir wenden die Low-Hiit-Variante an, ein von uns entwickeltes, sehr zeiteffizientes, intensives Intervalltraining: 30 Minuten pro Woche reichen.“

Dieses hat nachweislich einen sehr positiven Effekt, selbst bei Schwerstkranken wie Krebspatienten. Reljic: „Es gibt kein Medikament, das Fatigue – also die Erschöpfung, die sich bei vielen Krebspatienten durch die Krankheit und Therapienebenwirkungen einstellt – so gut lindert wie Bewegung.“

114 Angestellte folgten dem Aufruf

„In unseren zahlreichen Studien mit bereits mehr als 1000 Teilnehmern haben wir beobachtet, dass die maximale Sauerstoffaufnahme im Körper verbessert wird, die ein Indikator für ein langes, gesundes Leben ist, der Blutdruck, Langzeit-Blutzucker und die Entzündungswerte reduziert und die Lebensqualität gesteigert werden“, führt Reljic aus. Durchgeführt wird das Training mit Ergometern nach einer Eingangsuntersuchung – wichtig, um kardiologische Kontraindikationen auszuschließen und um die individuellen Pulsbereiche für das Training zu bestimmen. Denkbar wäre auch jede andere Art von Bewegung, wie Treppensteigen, zügig walken, rudern.

Vor Aufnahme des Intervallstrainings wird die Belastbarkeit der Lunge und des Herzkreislaufsystems der Probanden untersucht. Außerdem erfolgt eine Blutabnahme und die Messung der Körperzusammensetzung.
Vor Aufnahme des Intervalltrainings wird die Belastbarkeit der Lunge und des Herzkreislaufsystems der Probanden untersucht. Außerdem erfolgt eine Blutabnahme und die Messung der Körperzusammensetzung. // Stephan Grassmann

Ab Sommer 2019 sollten die positiven Effekte von Low Hiit an Siemens-Mitarbeitern ein Jahr lang untersucht werden. 114 Angestellte mit einer überwiegend sitzenden Tätigkeit oder Dienstreisen-Tätigkeit folgten dem Studienaufruf. Als häufigste Gründe für Bewegungsmangel wurden Zeitmangel (67 Prozent) und Mangel an Motivation (56 Prozent) angegeben. Die Probanden trainierten im Unternehmen auf Ergometern. Bei einer Zwischenuntersuchung nach sechs Monaten konnten die genannten positiven Effekte bereits verzeichnet werden sowie eine gesteigerte subjektive Lebensqualität. „Aber dann kam die Pandemie, und die Studienteilnehmer wurden im März 2020 ins Homeoffice geschickt“, so Reljic.

Ein halbes Jahr später wurden die Teilnehmer erneut untersucht. Einige hatten daheim auf einem eigenen Ergometer trainiert – sie verbesserten ihre Blutdruckwerte weiter. Andere stellten auf Joggen, Walken oder Yoga um, wobei aber kein intensiver Trainingspuls erreicht wurde. Lebensqualität und Blutdruck bei dieser Gruppe blieben gleich, jedoch die maximale Sauerstoffaufnahme verschlechterte sich wieder. Eine Gruppe ging gar keiner Bewegung mehr nach.

Ihre Werte waren schlechter als vor Beginn der Studie, obwohl eine Grundfitness durch das zuvor durchgeführte, sechsmonatige Training vorlag. Homeoffice und Lockdown, wodurch zum Beispiel Fitnessstudios schließen mussten, hatte also nachweislich negative Folgen auf die Gesundheit dieser Probanden.

: Das vom Hector-Center entwickelte intensive Intervalltraining an Ergometern hat nachweislich sehr positive Effekte auf die Gesundheit.
: Das vom Hector-Center entwickelte intensive Intervalltraining an Ergometern hat nachweislich sehr positive Effekte auf die Gesundheit. // Hector-Center für Ernährung, Bewegung und Sport

Reljic: „Durch die zunehmende Technisierung unseres Alltags – Fahrstühle, Rolltreppen, Roller, Autos … – ist die Bewegungsrate über alle Kontinente hinweg zu gering.“ Empfohlen sind 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensiveres Training pro Woche sowie zweimal wöchentlich muskelkräftigende Übungen. „Um die Motivation langfristig aufrechtzuerhalten, sollte eine Bewegungsart gewählt werden, die Spaß macht“, sagt Reljic. Wichtig sei es auch, dass untrainierte Personen ab 35 Jahren sich zunächst ärztlich untersuchen lassen, insbesondere wenn zum Beispiel familiäre Vorerkrankungen im Herz-Kreislaufbereich vorliegen.

Am Samstag ist der Lauf gegen Krebs

Eine Gelegenheit, sportlich aktiv zu werden, bietet sich am 8. Oktober beim Benefizlauf „Lauf gegen Krebs“ im Erlanger Schlossgarten, der vom Verein „Ernährungsmedizin und Bewegung & Sport bei Krebs“ in Kooperation mit dem Hector-Center der Medizinischen Klinik 1 des Uniklinikums Erlangen und dem Comprehensive Cancer Center Erlangen organisiert wird (Anmeldung unter numeas.de).

 

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