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Armenien
Ehepaar aus Höchstadt hilft Kriegsopfern
Margarete und Georg Walcher erinnern sich gerne an die Taufe ihrer armenischen Patenkinder in Höchstadt.
Margarete und Georg Walcher erinnern sich gerne an die Taufe ihrer armenischen Patenkinder in Höchstadt. // Britta Schnake
Signet des Fränkischen Tags von Britta Schnake
Höchstadt a. d. Aisch – Georg und Margarete Walcher setzen sich für Menschen im vom Krieg gezeichneten Armenien ein. Die Flucht aus Bergkarabach stellt das Ehepaar vor neue Herausforderungen.

„Huis!“ Das heißt Hoffnung auf Armenisch. Hoffnung, welche die Bevölkerung in Armenien nicht aufgibt, Hoffnung, die durch Menschen wie Georg und Margarete Walcher gegeben wird. Die beiden Höchstadter haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, dafür Sorge zu tragen, dass zumindest ein Teil derer, die durch das schwere Erdbeben am 7. Dezember 1988 alles verloren haben oder traumatisiert sind durch den seit Jahrzehnten andauernden Konflikt um Berg-Karabach, die Hoffnung nicht verlieren.

Los ging alles mit einer Frau namens Anaida Ter-Gasparian. Sie sollte 1994 das Leben der Familie Walcher in ganz neue Bahnen lenken.

Der erste Kontakt entstand bei einem Pfarrfest, bei dem die Asylbewerberin und Mutter zweier Kinder Margarete Walcher beim Spülen des Geschirrs unterstützte. Es folgte eine Einladung zum Frauenfrühstück, der die Anaida gerne nachkam, im Schlepptau ihre elfjährige Tochter Maja als Dolmetscherin.

Die Familie wusste damals schon, dass sie wieder zurück musste nach Vanadzor, einem 60.000 Einwohner zählenden Ort im Norden Armeniens. Dort hatten sie durch das schwere Beben, das circa 30.000 Todesopfer und eine Million Obdachlose forderte, alles verloren.

Zurück nach Vanadzor

Vater Viktor Avetisijan war arbeitslos, die Firmen, die Arbeit hätten geben können, lagen in Schutt und Asche. Im November 1995 kam das dritte Kind, die kleine Viktoria zur Welt.

Die Walchers wurden Taufpaten für alle drei Kinder, während permanent die Abschiebung drohte. „Wie kann ich ein Baby aufziehen ohne Energie, ohne Wasser, mit zu wenig zu essen?“, fragte Margarete Walcher.

Wohnen in den Slums von Vanadsor
Wohnen in den Slums von Vanadsor // Familie Walcher

Der damalige Landrat Franz Krug erlaubte die Anwesenheit der Familie bis Ende Mai 1996, dann aber war Schluss in Deutschland. Zwei Jahre hielten die Walchers telefonischen Kontakt, gründeten die Armenienhilfe, mittlerweile Hajastan-Armenienhilfe, und sammelten mit Unterstützung von Pfarrer Kemmer, der noch immer an ihrer Seite steht, Geldspenden.

Jedes Jahr im Februar erfolgt seitdem eine Sammlung, heuer kamen so 4000 Euro zusammen. Im Juni 1998 luden sie Viktor zu sich nach Hause ein, die Familie durfte nicht mit.

Als Viktor nach drei Monaten wieder nach Vanadzor zurückkehrte, hatte er die Walchers mit im Gepäck. „Es gab keine Straßenbeleuchtung“, erinnert sich Margarete Walcher, „keine Kanaldeckel. Die waren verkauft worden als Altmetall. Die Menschen wohnten in Holz- und Wellblechhütten, Wasser gab es nur jeden zweiten Tag, das Wasser wurde in Wannen gesammelt. Der Zusammenhalt im Volk ist groß, sonst wären viele verhungert. Ich stelle mir das schrecklich vor, wenn man nichts zu essen hat für seine Kinder.“

Mit den Spenden aus der Sammlung finanzierten sie einem jungen Mann die Ausbildung zum Sportlehrer mit 300 Euro pro Jahr. „Heute ist das viel teurer“, erläutert Walcher, die extra die armenische Sprache gelernt hat und das noch immer tut, „das kostet jetzt 1000 Euro.“

Zwischen Russland und Europa

Zwischen drei und sechs Auszubildende werden so pro Jahr unterstützt, zuletzt ein paar Ärzte und Ärztinnen. „Mithilfe von ,Sternstunden’ haben wir in einem Krankenhaus eine Küche gebaut“, berichtet sie.

In einem Kindergarten hätten sie Toiletten finanziert, in einem anderen Herd und Küche. 40 Mal waren sie schon vor Ort.

„Vor zwei Jahren hat sich Armenien zwischen Russland und Europa entscheiden müssen“, erzählt die 76-jährige weiter. Russland machte das Rennen.

„ Hrair Baghramjan, unser armenischer Reiseleiter sagte: Wenn wir angegriffen werden, kommen aus Europa Protestnoten.“ „Armenien hat sich immer auf Russland verlassen und war verlassen“, sagt sie.

Armenische Flüchtlinge sitzen in einer vom „Haus der Hoffnung“ angemieteten Wohnung.
Armenische Flüchtlinge sitzen in einer vom Haus der Hoffnung angemieteten Wohnung. // Familie Walcher

„Die Unruhen jetzt im September haben sich darauf bezogen, dass Armenien zugestimmt hat, sich entwaffnen zu lassen. Die größte Angst der Armenier ist, zwischen der Türkei und Aserbeidschan zerquetscht zu werden.“

Das neueste Projekt der Walchers liegt im „Haus der Hoffnung“ in Eriwan. Dort werden durch den Krieg traumatisierte Kinder psychologisch betreut, erhalten Essen und Kleidung.

„Die Menschen können nichts dafür, dass sie so ein schweres Leben haben.“ Auch wenn es ihr Wunsch wäre, dass die Armenier ihre Hilfe nicht mehr bräuchten, sagt sie: „Wir können mit der Hilfe nicht aufhören, besonders jetzt nicht, wo die Flüchtlinge nach Eriwan kommen. 15.000 sind schon da.“

Es scheint, als wäre diese Hilfe ein Tropfen auf den heißen Stein, aber: „Viktors Familie kann leben. Die Familien, wo wir die Ausbildung bezahlt haben, können leben.“

Spenden für Hajastan-Armenienhilf

Die Walchers wollen mit Hilfe ihres Vereins und Freunden den gebeutelten Menschen weiter „Huis“, also Hoffnung geben. Denn die stirbt bekanntlich zuletzt.

Spenden sind willkommen unter: Hajastan-Armenienhilfe, Erlangen-Höchstadt e.V, VR-Bank Metropolregion Nürnberg eG, IBAN: DE16 7606 9559 0000 8406 10, BIC: GENODEF1NEA

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