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Politik in Erlangen
„Schweinerei“: Einzelhändler kritisieren höhere Parkgebühren
Tarik Ali, Friseur aus Erlangen, bezeichnet die neuen Parkgebühren als „Wahnsinn“.
Tarik Ali, Friseur aus Erlangen, bezeichnet die neuen Parkgebühren als „Wahnsinn“. // Nikolas Pelke
Erlangen – Nachdem Erlangen jetzt 2,60 Euro für eine Stunde oder 16 Euro für ein Tagesticket verlangt, sorgen sich Geschäftsleute um Kundschaft. Im Rathaus hatte man von der Entscheidung abgeraten. Nun sammeln sie Unterschriften.

Parkgebühren bezahlt wahrscheinlich niemand gerne. Aber nachdem die Stadt Erlangen die Gebühren für die Stellplätze im Stadtgebiet teilweise drastisch erhöht hat, gehen viele Geschäftsleute auf die Barrikaden. „Ich renne seit gestern durch die Stadt und sammle überall Unterschriften gegen diese Abzocke“, sagt Antje Kunth vom „Hotel Central“ in der Erlanger Altstadt. „Wirklich fast alle Geschäftsleute klagen über die neuen Parkgebühren.  2,60 Euro für eine Stunde oder 16 Euro für ein Tagesticket sind einfach viel zu viel“, findet die Inhaberin des Hotels in der Westlichen Stadtmauerstraße beim Bahnhof.

„Das ist Wahnsinn. Wer bezahlt schon so viel Geld zum Parken?“, ärgert sich auch Tarik Ali von „Hair Art Schlenkrich“ und zeigt auf den Parkautomaten vor dem Frisörladen in der Hauptstraße. „Diese drastische Erhöhung von vier auf 16 Euro für das Tagesticket ist schon eine Schweinerei“, findet der Frisörmeister und Geschäftsführer des bekannten Haarstylisten.

Parkgebühren: Einzelhändler in Erlangen fühlen sich im Stich gelassen

Als „Frechheit“ empfindet Ali auch den Zeitpunkt der Preiserhöhung. Während der Großparkplatz beispielsweise teilweise einer Großbaustelle gleicht, drehe das Rathaus kräftig an der Gebührenschraube. Generell scheinen sich die Einzelhändler von der Politik generell im Stich gelassen zu fühlen. Während die Geschäftsleute um die zahlungskräftige Kundschaft aus dem Umland fürchtet, hätte der Stadtrat nur die Wähler rund um das Rathaus im Blick, die weniger häufig auf das Auto angewiesen seien. Tatsächlich hatte selbst die eigene Verwaltung vor der gewaltigen Erhöhung der Parkgebühren gewarnt.

Parkmöglichkeiten gibt es, aber sie sind jetzt zu teuer.
Parkmöglichkeiten gibt es, aber sie sind jetzt zu teuer. // Nikolas Pelke

Aus dem Wirtschaftsreferat von Konrad Beugel (CSU) ist beispielsweise im Vorfeld eindrücklich darauf hingewiesen worden, dass negative Folgen für die Innenstadt durch die neue Gebührenordnung nicht auszuschließen seien. Neben weniger Kundschaft fürchtete das Wirtschaftsreferat auch über Probleme mit dem Personal. Laut einer offiziellen Stellung könnte sogar der Fachkräftemangel durch die erhöhten Parkgebühren verschärft werden, hatte Beugel gewarnt und explizit einen Parkrabatt für Beschäftigte in der Innenstadt vorgeschlagen. Statt 80 Euro für ein Monatsticket sollten Angestellte die Möglichkeit haben, für nur 45 Euro das Auto abzustellen. Die saftige Preisgestaltung der städtischen Parkgebühren sollte laut Wirtschaftsreferat nicht dazu führen, dass gerade Beschäftigte aus dem unteren und mittleren Lohnsegment die Lust am Arbeiten in der Innenstadt verlieren.

Handyparken in Erlangen möglich

Diese Warnungen hat die Mehrheit im Erlanger Rathaus mit Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) an der Spitze allerdings in den Wind geschlagen und kräftige Gebührenerhöhung mit dem Ziel begründet, die Parkplatzsucher aus der Innenstadt vertreiben und auf Parkhäuser und Großparkplatz umlenken zu können. „Damit wollen wir erreichen, dass die Innenstadt nur noch von denjenigen befahren werden, die zwingend in die Innenstadt müssen. Durch die kürzeren Parkverweilzeiten profitiert vor allem auch der zentrumsnahe Einzelhandel“, hatte sich Janik über die Erhöhung der Parkgebühren gefreut.

Das kräftige Drehen an der Gebührenschraube bringt der Stadt selbstverständlich auch finanzielle Vorteile. Oberbürgermeister Janik erwartet Mehreinnahmen in Höhe von rund einer Million Euro. Laut Verwaltung bestehe sogar die Hoffnung, dass die städtischen Parkeinnahmen in Höhe von rund drei Millionen Euro pro Jahr um 30 bis 50 Prozent steigen. Damit die Autofahrer keinen klirrenden Beutel mit Münzgeld mitnehmen müssen, bietet Erlangen immerhin bargeldloses Handyparken an. Für Geschäftsleute wie Antje Kuth oder Tarik Ali ist dieser Service allerdings wohl nur ein schwacher Trost.

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