Im März letzten Jahres soll ein 23-jähriger Schüler aus Erlangen seinen Vater mit beiden Händen am Hals gewürgt haben. Ein Streit innerhalb der Familie ist offensichtlich der Grund der gewalttätigen Auseinandersetzung gewesen. Ein Bekannter des Angeklagten hat nun vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth ausgesagt. Wohl aus Frust wegen der verkorksten Kindheit sind Sohn und Vater aus Erlangen im letzten Jahr ziemlich heftig aneinandergeraten.
„Ich bring’ euch beide um“, soll der Angeklagte dem Vater und der Stiefmutter gedroht haben. Tatsächlich soll der 23-Jährige dem Papa nicht nur an die Gurgel gegangen sein, sondern auch das Motorrad des Erzeugers malträtiert haben, um seinem Ärger Luft zu machen. Mutter und Stiefmutter soll der junge Mann mehrfach auf übelste Weise beleidigt haben. „Wenn ich dich noch mal sehe, komm’ ich vermutlich direkt in den Knast, du Bitch“, soll der Angeklagte seiner Stiefmutter beispielsweise per E-Mail als Verbalinjurie an den Kopf geworfen haben.
Anzeigen bei Polizei gegen 23-Jährigen aus Erlangen
Die Auseinandersetzungen innerhalb der Familie haben inzwischen offensichtlich so große Dimensionen angenommen, dass die Familienmitglieder gegen den renitenten Familienspross regelmäßig Anzeigen bei der Polizei aufgeben. Nun hat der Betreiber einer Pension vor dem Landgericht berichtet, wie er den Angeklagten und den ausufernden Familienkonflikt persönlich erlebt hat. Nach der Trennung der Eltern und dem Streit innerhalb der Familie habe der junge Mann plötzlich vor dem Nichts gestanden. Mehr oder weniger aus Mitleid habe der Pensionsbetreiber dem Angeklagten mit den nützlichen Computerkenntnissen ein Zimmer zur Verfügung gestellt und sich in väterlicher Weise um den jungen Mann gekümmert.
„Er ist kein Gewalttäter. Er ist kein Verbrecher. Er ist wirklich in Ordnung. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis gehabt“, beschrieb der väterliche Freund den Angeklagten, der mit Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt worden war. Dummerweise hätte der sportliche Mann seine Gefühle nicht im Griff. Deswegen wäre er auch schon häufiger in Behandlung gewesen und hätte seit der Kindheit spezielle Medikamente nehmen müssen.
Angeklagter in Nürnberg: Ausbildung als IT-Fachmann möglich
Von einer auf die andere Sekunde könne er aus der Haut fahren. Meistens hätte der Angeklagte seine Wut an seinem Moped ausgelassen. Mit gemeinsamen Freizeitaktivitäten habe er versucht, dem jungen Mann wieder für das Leben zu begeistern. Sogar eine Ausbildungsstelle als IT-Fachmann habe der väterliche Freund seinem jugendlichen Schützling besorgt. Leider sei der Angeklagte immer wieder in alte Rollenmuster zurückgefallen und habe Streit mit der Familie gesucht, die als Nebenkläger relativ teilnahmslos den Prozess verfolgte und dem verlorenen Sohn nach eigenen Angaben am Rande des Verfahrens dabei helfen wolle, möglichst wieder auf die rechte Bahn zurückzufinden.
„Ich weiß nicht genau, was ihm fehlt. Ich weiß nur, das ihm etwas Gravierendes fehlt“, sagte der Betreiber der familiengeführten Pension aus Erlangen und klopfte dem Angeklagten zum Abschied aufmunternd auf die Schultern. Derweil kündigte Anwalt Holger Zebisch im Namen der Verteidigung an, dass sich sein Mandant beim nächsten Prozesstermin zum ersten Mal ausführlich äußern wolle. Für das Strafmaß wird wohl das Gutachten des Psychiaters eine entscheidende Rolle spielen. Das Urteil gegen den Angeklagten soll in zwei Wochen gesprochen werden.
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