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Cannabis-Legalisierung
Erlangen muss weiter auf ersten Anbauverein warten
Trotz Frühstart muss Jeffery Mensah weiter warten, bis er seinen Erlanger Anbauverein starten kann.
Trotz Frühstart muss Jeffery Mensah weiter warten, bis er seinen Erlanger Anbauverein starten kann. // Andreas Kraft
Erlangen – Der erste Cannabis-Anbauverein in Erlangen lässt weiter auf sich warten. Trotz Legalisierung sind bürokratische Hürden ein großes Problem.

Cannabis-Legalisierung, war da nicht mal was? Ja! Tatsächlich wurden der Konsum und der Anbau von Cannabis seit April 2024 zumindest teilweise legalisiert. Bei dem „wenigen“ sozialen Diskurs zu dem Thema kann man das schnell mal vergessen.

Aber wer kein Hochsicherheits-Gewächshaus auf dem Balkon oder im Garten stehen oder die richtigen Kontakte hatte, ging bislang leer aus. Für eben solche Personen waren mit der Legalisierung die Einführung von sogenannten Cannabis-Social-Clubs oder Anbauvereinigungen geplant. Bislang gibt es davon in Deutschland aber nur sehr wenige mit einer tatsächlichen Anbaulizenz. 

Noch mauer sieht es für Cannabis-Konsumenten im Erlanger Raum aus. Dort wird es wohl noch eine Weile dauern, bis Interessierte einem tatsächlichen Anbauverein mit entsprechender Lizenz beitreten können. Wie unsere Redaktion bereits zum Start der Teil-Legalisierung Ende März berichtete, gibt es in Erlangen bereits einen gegründeten Cannabis-Verein, der allerdings zum jetzigen Zeitpunkt wohl noch eine Weile auf seine Cannabis-Anbau-Lizenz warten muss. 

Schon der Antrag war schwierig 

„Bei der Gründung werden einem schon eine Menge Steine in den Weg gelegt“, erzählt Jeffery Mensah. Er betreibt bereits seit mehreren Jahren seinen „Head & Grow Shop“ im Herzen Erlangens. Seit 2022 bereiteten er und seine Kollegen sich auf die Legalisierung vor und arbeiteten bereits an der Vereinsgründung. Genauso schnell beantragten sie die Anbaulizenz zum Startschuss am ersten Juli. „Wir standen schon sehr früh in den Startlöchern, sind aber wohl noch keinen Schritt näher am Ziel.“ 

Bereits zur Antragsstellung gab es Probleme: „Für die Gründung wird sehr viel von einem erwartet und verlangt, da verliert man schon schnell den Überblick“, erklärt Mensah. Teilweise würde man von Voraussetzungen auch erst nach der Stellung des Antrags erfahren. „Wir haben zum Beispiel jetzt erst erfahren, dass wir auch extra eine Bayern-ID brauchen“, so Mensah.  

Dazu kritisiert er das sehr intransparente Verfahren: „Es läuft alles online ab und man wartet dann einfach immer auf die Rückmeldung, die dann als Brief kommt. Bei Problemen hat man dann auch keine Möglichkeit, sich mal persönlich mit den regionalen Zuständigen auszutauschen.“ 

Cannabis (Symbolbild)
Bevor die Cannabispflanzen in Erlangen aus dem Boden sprießen können, braucht der Anbauverein die Anbaulizenz. // Christian Charisius (dpa)

Mehr Probleme für Erlangens Social-Club 

Einen weiteren Rückschlag musste die künftige Anbauvereinigung erst in der vergangenen Woche einstecken. Sowohl Mensah als auch ein weiteres Vorstandsmitglied des Clubs dürfen aufgrund von Vorstrafen nicht im Vorstand des Vereins sitzen. „Wir sind nun schnellstmöglich auf der Suche nach Freiwilligen, die den Vorstand des Clubs übernehmen können und wollen, damit wir möglichst bald die Anbaulizenz erhalten können.“ 

Denn die meisten Vorkehrungen sind bereits getroffen. Wie ebenfalls im März berichtet, haben Mensah und sein Anbauverein bereits ein passendes Grundstück im Landkreis Forchheim in Aussicht, wo künftig dann Cannabis angebaut werden darf. „Die Grundstücksbesitzerin wartet im Endeffekt nur noch darauf, dass wir die Lizenz bekommen“, erklärt Mensah.  

Nur wenige Anträge in Bayern 

Damit wären Mensah und Co. dann auch direkt Teil eines sehr exklusiven Clubs. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das für die Anmeldung der Vereine und deren Anbaulizenz zuständig ist, sind bislang lediglich 17 weitere Anträge für Cannabis-Anbauvereinigungen bei der zentralen Kontrolleinheit des LGL eingegangen. Und davon kein weiterer aus der Stadt Erlangen oder dem Landkreis Erlangen-Höchstadt. Auch im angrenzenden Landkreis Forchheim gibt es bislang keine Bestrebungen nach einer Anbauvereinigung.  

Warum das besonders in Bayern der Fall ist? Jeffery Mensah hat eine Vermutung: „Die Landesregierung hat uns ja quasi schon vor der Legalisierung den Kampf angesagt und versucht jetzt die Gründung so kompliziert wie möglich zu machen.“ Durch hohen bürokratischen Aufwand, schon bei der Antragsstellung, würden Interessierte früh aufgeben. Dass es so kompliziert ist, wäre auch tatsächlich größtenteils ein rein bayerisches Problem: „Was ich so von Kollegen aus den anderen Bundesländern höre, klingt um einiges vielversprechender. Hier in Bayern sieht es einfach anders aus.“ 

Weiteres warten auf die Genehmigung

Auch nach dem potenziellen grünen Licht müssten die Anbauvereinigungen weiter zappeln. So bräuchten die Social-Clubs laut Informationen der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) einen zusätzlichen Nachweis, dass deren Betreiber zur Beratung und Prävention ausreichend geschult worden seien. 

Das Erlaubnisverfahren in Bayern sei zudem „auf Prävention ausgerichtet“, betonte Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) im Vorfeld der Legalisierung. Zum Prozess gehörten dabei „auch Vor-Ort-Begehungen in Zusammenarbeit mit der Polizei und Anhörungen der betroffenen Kommunen“. Zudem würde jede Anbauvereinigung laut Ministerium einmal pro Quartal vor Ort kontrolliert, bei Bedarf auch häufiger. 

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