+++ Aus unserem Artikelarchiv vom 29. Februar +++
Während andernorts mancher die Cannabis-Legalisierung eher kritisch sieht, freut sich Jeffery Mensah in seinem „Head & Grow Shop“ in Erlangen bereits auf den 1. April. Zu diesem Stichtag soll in Deutschland nämlich Cannabis legal werden – zumindest unter bestimmten Bedingungen. Dann soll es möglich werden, in sogenannten Anbauvereinigungen Marihuana legal anzubauen. In Erlangen gibt es so einen Verein bereits.
Anbauvereinigung schon lange in Planung
„Wir haben eine solche Vereinigung schon vor knapp zwei Jahren gegründet“, berichtet Mensah. Geschehen sei dies kurz nachdem die Ampel von ihren Legalisierungsplänen berichtet habe, am 20. April 2022. Seither liege eine Liste in seinem Geschäft aus, in der potenzielle Mitglieder sich eintragen könnten. Inzwischen würden auf der Liste knapp 200 Namen stehen.
„Gerade derzeit kommen aber immer neue hinzu“, erklärt der Inhaber des Geschäfts. Und auch die Pläne für die Vereinigung würden nun in großen Schritten voranschreiten. „Ich habe beispielsweise schon einen Anruf von einem Bauern aus dem Raum Ebermannstadt erhalten, der uns Anbaufläche zur Verfügung stellen würde“, erklärt er.
Anbau von Cannabis automatisieren
Dies sei jedoch nur ein wichtiger Punkt, der für eine Anbauvereinigung nötig sei. „Eine große Herausforderung ist für uns tatsächlich die Finanzierung“, erzählt Mensah. Grund hierfür sei unter anderem, dass das Reglement vorgebe, dass Anbauvereinigungen, sofern sie Gewinne erwirtschafteten, diese wieder an die Mitglieder ausschütten müssten. Für Investoren sei dies vermutlich wenig attraktiv.
Auch die Bewirtschaftung der Anbaufläche sei streng geregelt. So dürfe die Vereinigung etwa keinen Gärtner anstellen. Stattdessen müssten die Mitglieder die Pflanzen selbst pflegen, versorgen und ernten. „Wir müssen uns da ein System ausdenken“, so der Experte. 200 Leute könnten kaum gleichzeitig an den Pflanzen arbeiten. „Wie sagt man so schön: ,Zu viele Köche verderben den Brei.‘“, lacht er. Vermutlich werde die Vereinigung versuchen, so viel wie möglich zu automatisieren.
Social Clubs eher Anbauverwaltung
Darüber hinaus müsse der Anbau sowie die Ernte und die Herausgabe der Pflanzen peinlich genau dokumentiert und die Produkte müssten auf ihren THC-Gehalt getestet werden. Außerdem müsse die Sicherheit der Pflanzen gewährleistet werden.
Manche Vorgaben würden jedoch auch Fragen aufwerfen. „Im Club selbst können sich die Mitglieder lediglich ihr Cannabis abholen“, erklärt Mensah. Rauchen müssten sie es aber daheim. Statt eines sozialen Treffpunkts sei der Club folglich eher eine Anbauverwaltung. „Trotz allem sind wir froh, dass Cannabis künftig legal sein wird“, betont er.
Schutz vor synthetischen Cannabinoiden
Eine dramatische Zunahme an Cannabis-Konsumenten erwartet der Grow-Shop-Besitzer übrigens nicht. „Sicherlich wird es einige Neugierige geben, die es mal ausprobieren wollen“, erklärt er. Cannabis sei jedoch nicht für jeden etwas. Dennoch seien die Anbauvereinigungen eine gute Idee.
„Wer sein Cannabis legal bezieht, weiß ganz genau, was er bekommt. Das schützt Nutzer vor synthetischen Cannabinoiden“, betont er. Diese seien im illegalen Drogenhandel verbreitet und verfügten im Vergleich zum Naturprodukt über eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für ungewünschte Nebenwirkungen und psychotische Schübe.
Hartes Vorgehen durch die bayerische Polizei befürchtet
Problematisch an dem Gesetz sei, dass es - trotz seiner umfangreichen Ausformulierung – weiterhin einiges an Fragen offenlasse. Dies stelle sowohl Konsumenten als auch Vereinigungen und die Polizei mitunter vor große Herausforderungen. Sorgen würden Mensah zudem die jüngsten Aussagen von Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder zur Cannabis-Legalisierung machen.
„Ich glaube, Anbauvereinigungen werden es in Bayern zumindest am Anfang recht schwer machen“, betont er. Zu erwarten sei unter anderem ein erhöhtes Aufkommen an Kontrollen. „Mittelfristig glaube ich jedoch, dass auch die Kritiker einsehen, dass die Entscheidung richtig war“, erklärt Mensah.
Auftaktveranstaltung zur Cannabis-Legalisierung
Eine erste Veranstaltung, um die Legalisierung zu feiern, hätten die Mitglieder des Erlanger Clubs übrigens bereits geplant. Zum zweijährigen Jubiläum der Gründung wollten sie sich am 20. April am Bohlenplatz in Erlangen zu einem geselligen „SmokeIn“ treffen.
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