Seit Freitag ist es amtlich: Cannabis soll in Deutschland ab April legal sein. Der Besitz geringerer Mengen ist dann nicht mehr strafbar, Erwachsene können in Garten und Gewächshaus die Droge sogar legal selbst anbauen. Zudem soll es möglich sein Cannabis-Clubs zu gründen, um den Anbau für diejenigen zu organisieren, die selbst keinen Garten haben.
Bei einem Seminar des Gymnasiums Höchstadt auf der Burg Feuerstein wird jetzt auch Kritik laut. An drei Tagen beschäftigen sich Schüler da mit gesellschaftspolitischen Themen. Dabei bietet die Therapieeinrichtung Laufer Mühle auch einen Block zur Suchtprävention an und bezieht dabei Betroffene in das Lehr- und Lernkonzept mit ein. Die Betroffenen sind für das Präventionsseminar speziell geschult. Die 16 Schüler haben so die Möglichkeit aus erster Hand zu erfahren, was in die Sucht führt.
Viele Suchtkarrieren beginnen mit Cannabis
„Erst war Cannabis, dann kam Heroin und Chrystal Meth“, erzählt Katrin, wie ihr Weg in die Suchtabhängigkeit begonnen hat. Die aktuelle Freigabe sehen die ehemaligen Abhängingen kritisch. „Wir finden das keine so gute Idee, denn Cannabis ist wirklich für die meisten Drogenabhängigen die Einstiegsdroge Nummer Eins“, weiß Caro aus ihrer Zeit in der Abhängigkeit zu berichten.
„Dass sich ein Gesundheitsminister so vehement für die Freigabe einer Droge einsetzt“ verwundert auch Michael Thiem, der seit über 30 Jahren die suchttherapeutische Einrichtung im Aischgrund leitet. Bereits erste Konsumkontakte mit Cannabis könnten zu irreversiblen Schäden wie beispielsweise Psychosen führen, erklärt Micha.
Er berichtet auch von Fällen, die ein Leben lang auf medizinische und psychosoziale Hilfen angewiesen sind, obwohl sie nur „aus Neugierde und in geringem Umfang“ konsumiert hatten. „Sie können kein eigenverantwortliches Leben mehr führen und nicht mehr für sich selbst sorgen“, bedauert Micha die Menschen, die mit solchen drogeninduzierten Folgeerscheinungen leben müssen.
Grüne verteidigen Marihuana-Entscheidung: „Die Verbotspolitik ist gescheitert“
Lisa Badum (Grüne), Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Bamberg Forchheim, hat am Freitag für das Legalisierungs-Gesetz gestimmt. „Das Cannabisgesetz markiert einen entscheidenden Fortschritt für eine humane und moderne Drogenpolitik“, sagt sie. Damit löse die Ampel-Koalition ein wichtiges gesellschafts- und gesundheitspolitisches Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ein.
„Wir Grüne haben schon lange für eine humane Drogenpolitik und mehr Gesundheitsschutz gekämpft“, fasst Badum zusammen: „Denn die Verbotspolitik ist gescheitert. Mit dem Beschluss des Bundestages kommen wir dem Ende der Kriminalisierung des Cannabiskonsums durch Erwachsene einen großen Schritt näher.“
In der Tat ist Cannabis zwar schon lange verboten, der Konsum hat jedoch immer weiter zugenommen. Allein ein Blick in das Verkaufssortiment von Tankstellen zeigt, wie verbreitet Gras und Haschisch in der Bevölkerung sein müssen. Dort sind, außer der Droge an sich, alle Utensilien zu bekommen, die man zum Joint bauen so braucht. In bestimmten Teile der Bevölkerung gibt es daher schon lange kein Verständnis mehr für die Verbotspolitik.
Badum ist sich zudem sicher, dass mit der Legalisierung auch viele Probleme angegangen werden können. „Der in der Bevölkerung bereits stattfindende Konsum wird durch das Gesetz im Interesse des Gesundheitsschutzes reguliert“, sagt die Bundestagsabgeordnete. Legal verkauftes Cannabis werde kontrolliert und enthalte dann keine schädlichen Strecksubstanzen. „Dadurch werden Schäden für Konsument:innen minimiert“, so die Grüne. Zudem werde mit dem Gesetz der Schwarzmarkt effektiv bekämpft.
CSU-Abgeordnete Launert sieht dagegen keine Vorteile bei legalem Haschisch
Alles andere als verantwortungsvoll sieht Bundestagsabgeordnete Silke Launert (CSU) aus dem Wahlkreis Bayreuth, zu dem etwa auch Ebermannstadt gehört, die Legalisierung. „Ich sehe absolut keinen Vorteil, den dieses Gesetz mit sich bringen soll.“ Zudem sieht die Abgeordnete die praktische Umsetzung äußerst kritisch.
Die Einhaltung und Kontrolle sei untauglich für die Praxis, der Vollzugsaufwand immens und einen illegalen Markt werde es nichtsdestotrotz weiterhin geben. Die Möglichkeiten für Polizei und Staatsanwaltschaft würden durch das Gesetz zudem deutlich eingeschränkt, sodass zahlreiche illegale Drogengeschäfte sowie Hintermänner unentdeckt blieben.
„Ich rechne außerdem damit, dass durch die Legalisierung noch mehr Jugendliche Cannabis konsumieren. Mit der Legalisierung wird das Zeichen gesetzt: So gefährlich wird Cannabis schon nicht sein, wenn sein Konsum erlaubt ist.“
Jugendliche brauchen Problemlösungs-Kompetenzen, damit sie nicht zu Drogen greifen
Doch wie steht es um die Jugendlichen wirklich? Nehmen sie jetzt alle eine Droge, nur weil die nicht mehr verboten ist?
Das Suchtpräventionskonzept der Laufer Mühle will nicht den Zeigefinger erheben, sondern mit den Jugendlichen über Reifungsprozesse und Lebensumstände sprechen, die für deren Lebensphasen herausfordernd sind. Denn: „Genau in solchen Situationen hatte ich immer auf Drogen zurückgegriffen, weil ich es mir nicht zugetraut hatte, die Probleme selbst zu lösen oder mir eben Hilfe zu holen“ bekennt Heinz. „In meiner Therapie habe ich nun gelernt, mich anderen Menschen anzuvertrauen, mir angemessene Unterstützung zu holen, aber auch mal eine schwierige Situation auszuhalten“, so Heinz und fährt fort „Drogen lösen keine Probleme, sondern machen alles nur noch schlimmer.“
In den Diskussionsbeiträgen der Jugendlichen wird während des Seminars aber auch deutlich, dass diese bereits sensibel und achtsam im Umgang mit allen Stoffen und Dingen sind, die in eine Abhängigkeit führen können. „Beeindruckt hat uns, wie sie beispielsweise bei Themen wie Internet, virtuelle Welten oder Social Media Parallelen zu einem süchtigen Verhalten herstellen können“, so Andreas.
Und umso erfreulicher nahmen die Suchterfahrenen aus der Laufer Mühle zur Kenntnis, dass die „jungen Leute wirklich sehr offen darüber sprechen, was sie bewegt und gleichzeitig aber auch einen gefüllten Werkzeugkoffer mit sich führen mit dem sie Krisen, Probleme und Störungen beheben können“, so Caro.
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