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Neugestaltung des Friedhofs
„Pietätlos“? Gräber in Höchstadt sollen aufgelöst werden
Friedhof Höchstadt
Weil die herkömmliche Erdbestattung immer mehr verdrängt wird, entstehen auf dem Friedhof Höchstadt mehr und mehr unschöne Lücken. Eine Neugestaltung soll dem entgegenwirken. // Andreas Dorsch
Höchstadt a. d. Aisch – Für die Neugestaltung des Friedhofs sollen in Höchstadt Gräber weichen, deren Nutzungsfrist ausläuft. Viele Höchstadter sind schockiert, die Stadt rechtfertigt das Vorgehen.

Rund 500 Schreiben hat die Stadt Höchstadt in den vergangenen Tagen an Bürgerinnen und Bürger versandt, die Aufregung – vor allem in den sozialen Medien – ist groß: „Wie Sie bereits dem Amtsblatt der Stadt Höchstadt a.d. Aisch entnehmen konnten, sieht die Stadtverwaltung eine Umgestaltung des Stadtfriedhofes an der Bamberger Straße vor“, steht darin. Um diese Neugestaltung umsetzen zu können, soll die Nutzungszeit mehrerer Gräber, die in den kommenden Jahren auslaufen, nicht mehr verlängert werden. 

„Das ist grausam“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. „Ist sowas überhaupt erlaubt?“, fragt ein anderer. Vor allem über das scheinbar mangelnde Mitgefühl der Stadtverwaltung regen sich die Höchstadter auf, dient ein Grab doch herkömmlich als Ort des Gedenkens. Viele fürchten, dass sie ihr über lange Jahre liebevoll gepflegtes Familiengrab verlieren könnten.

Friedhof Höchstadt: Neugestaltung soll beginnen 

Auch die Höchstadter CSU macht ihrem Unverständnis Luft. Grundsätzlich begrüße man, dass mit der Umgestaltung begonnen werde, schreibt Bürgermeister-Kandidat und Stadtrat Alexander Schulz in einem offenen Brief an Bürgermeister Gerald Brehm – aber nicht auf diesem Weg. „Herr Bürgermeister, dieses Vorgehen ist pietätlos und ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen“, heißt es in dem Brief.

Friedhof Höchstadt
Die traditionellen Gräber sollen sich in der Mitte des Friedhofs befinden, während außen herum vor allem Grundflächen und alternative Bestattungsmethoden Raum finden sollen. // Stadt Höchstadt

Dass das Thema bei den Bürgern für Verärgerung sorgen könnte, ist Brehm wohl bewusst. Eben deshalb müsse die Stadtverwaltung hier sensibel vorgehen und „im Sinne der Pietät entscheiden“. Denn eines sei ganz klar: „Das Konzept ist nicht in Stein gemeißelt.“ 

Aufregung um Schreiben der Stadt: Werden Gräber nicht verlängert?

Seit Jahren hätten sich die Beschwerden über den Friedhof gehäuft, vor allem wegen der mangelhaften Aufenthaltsqualität. „Früher hatte man fast ausschließlich Erdbestattungen, da haben sich die Leute um die Gräber gerissen und es gab quasi keine Lücken“, erklärt Brehm. Nun, da alternative Bestattungsformen die Erdbestattung immer mehr in den Hintergrund drängen und der Friedhof Etzelskirchen zusätzliche Grabstätten bietet, entstehen „immer mehr Lücken“. 

Friedhof Höchstadt
Die Friedhofsanlage soll parkähnlich und zeitgerecht gestaltet werden. // Stadt Höchstadt

„Der Stadtrat hat also ein grundsätzliches Konzept für die Neugestaltung in den kommenden Jahrzehnten verabschiedet – einstimmig“, betont der Bürgermeister. Um dieses umsetzen zu können, müsse man also anfangen, Ordnung auf dem Friedhof zu schaffen. Dazu sollen unter anderem Gräber, deren Nutzungszeit ausläuft, nicht mehr verlängert werden. Dass das aber nicht alle Bürger einfach so hinnehmen werden, ist Brehm klar. „In dem Schreiben steht, dass wir grundsätzlich nicht verlängern, aber in besonderen Fällen werden natürlich Ausnahmen gemacht“, so Brehm. „Das hätten wir vielleicht noch weicher formulieren können“, räumt er ein. 

Bürgermeister Gerald Brehm: Einzelfälle werden geprüft 

Doch was heißt das nun im Klartext? „Wenn jemand sein Grab behalten will, wenn eine emotionale Bindung da ist, zum Beispiel weil ein Ehegatte beigesetzt wurde, oder jemand sein Kind verloren hat, kann derjenige einen Einzelantrag stellen und seinen Fall darlegen“, führt Brehm aus. Ein Ausschuss prüfe dann jeden Fall sorgfältig. Klar ist aber auch: Es kann sein, dass ein Antrag abgelehnt und der Vertrag dennoch nicht erneuert wird. „Das ist in einer guten Demokratie immer so, man stellt einen Antrag auf Verlängerung und der wird abgewogen“, so Brehm. „Aber natürlich macht es auch für uns keinen Sinn, Unfrieden zu stiften.“ 

Friedhof Höchstadt
Die marode Friedhofsmauer soll einem Zaun weichen. // Andreas Dorsch

Grundsätzlich hält Brehm die Neugestaltung für ein „gutes Konzept“. Man müsse auch bedenken, dass diese kein Schnellschuss sei, sondern sich über die kommenden Jahrzehnte hinweg erstrecken werde. Dennoch sei das Modell variabel, wie Brehm versichert. Sollten zum Beispiel in einem Bereich, in dem eine Begrünung geplant ist, zu viele ihr Grab behalten wollen, könnte dafür alternativ ein anderer Bereich in Frage kommen. Auch ein Alternativstandort für einzelne Gräber sei denkbar, wenn die Angehörigen mit einer Umlagerung einverstanden seien.

Friedhof soll parkähnlich umgestaltet werden 

Generell, so Brehm, sei es wichtig, dass die Betroffenen mit ihren Anliegen auf die Stadtverwaltung zukommen. „Bei 500 Fällen können wir einfach nicht alle vorab zum Einzelgespräch einladen“, erklärt der Bürgermeister. Außerdem würden viele ihre Gräber derzeit ohnehin auslaufen lassen. 

Wenn die Neugestaltung abgeschlossen ist, sollen die Gräber sich größtenteils im Mittelpunkt des Friedhofes befinden, während die Gestaltung rundherum „parkähnlich“ sein soll. Zudem will die Stadt nicht nur mehr Aufenthaltsqualität schaffen, auch Raum für alternative Bestattungsformen, wie Gemeinschafts- oder Rasengräber, soll geschaffen werden. 

Friedhof Höchstadt
So ähnlich könnte ein Teil des Friedhofs nach der Neugestaltung aussehen. // Stadt Höchstadt

Alexander Schulz: Gegen Einzelfall-Regelung 

Schulz hingegen zeigt sich von Brehms Erklärung nicht überzeugt. Die CSU sei nicht gegen die Neugestaltung, wie er betont – im Gegenteil. „Wir haben das vor zehn Jahren mit angeregt“, erklärt er. Gerade im älteren Bereich des Friedhofs seien die Gräber teils eng beieinander, die Wege kaum nutzbar. Dabei solle ein Friedhof ein Ort des Gedenkens, aber auch der Ruhe und der Begegnung sein, dafür brauche es Sitzgelegenheiten und Beschattung. „Jedem ist klar, dass wir eine Umgestaltung brauchen und das Konzept ist vielversprechend“, so Schulz. Allerdings sei es der Vorschlag der CSU gewesen, Grabstätten, die frei werden, weil die Hinterbliebenen den Vertrag auslaufen lassen, nicht mehr neu zu belegen und diese Flächen zu überplanen. 

„Was jetzt passiert ist, mit diesem Schreiben, ist pietätlos“, findet Schulz. „Es ruft Angst hervor.“ Die Erklärung, dass Einzelfälle geprüft werden können, reiche ihm nicht. „Für uns sollte das kein Einzelfall sein. Es sollte nicht vom Wohlwollen der Stadt abhängen, ob der Antrag genehmigt wird. Es muss grundsätzlich die Regel sein, dass jeder, der sein Grab verlängern möchte, das tun kann.“

Brehm: Entschluss von CSU mitgetragen

Brehm hingegen will diese Kritik so nicht stehen lassen. „Die CSU hat das Konzept so mitbeschlossen“, betont er. Wie aus den Unterlagen des Bauausschusses hervorgeht, habe man einstimmig das Konzept beschlossen, laut dem Gräber „nicht mehr vergeben und verlängert werden“. Die CSU könne demnach nun nicht behaupten, dass man davon ausgegangen sei, dass nur auslaufende Gräber überplant werden sollen. Die Stadtverwaltung wolle nun Reaktionen sammeln und abwägen, ehe das Thema im zuständigen Ausschuss noch einmal besprochen werden kann, im kommenden Stadtrat soll es demnach noch kein Thema sein. Der Bürgermeister bittet alle Betroffenen, sich bei der Verwaltung zu melden.

Wie Schulz entgegnet, sei die Intention des Bauausschusses seiner Meinung nach eine andere gewesen. „Wir haben es so verstanden, dass wir weiter an dem Konzept arbeiten, nicht dass es eins zu eins umgesetzt wird“, erklärt er. Zwar könne man durchaus einzelne Betroffene darauf ansprechen, ob für sie eine Auflösung des Grabes in Frage käme. „Aber das ganze zwanghaft zu machen, halte ich für kein gutes Vorgehen.“

 

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