Ein virtueller Schulhof, ein eigens ausgewählter Charakter, mit dem man sich durch eine fiktive Schule bewegt – und das alles begleitet von peppiger Musik im Hintergrund. Die App „Wo ist Goldi? Sicher surfen im Netz“ soll Grundschülern spielerisch Medienkompetenz beibringen. Die Anwendung läuft auf dem Smartphone oder Tablet und wurde vom bayerischen Staatsministerium für Digitales herausgegeben. Die Nutzung ist nicht verpflichtend.
Was erst einmal nach einer guten Idee klingt, stößt nicht bei allen auf Begeisterung. In einer Pressemitteilung kritisiert der bayerische Elternverband, dass die App nur auf dem Tablet oder Smartphone laufe und nicht etwa auf einem Computer. Dadurch werde der Druck auf Eltern erhöht, dem Kind ein eigenes Gerät zu kaufen.
Grundschule: Spielerisch lernen per App
Auch an den Grundschulen im Landkreis Erlangen-Höchstadt ist Medienkompetenz ein großes Thema. Um den Kindern selbige zu vermitteln, gibt es verschiedene Ansätze. Die Grundschule Höchstadt-Süd will in diesem Schuljahr die „Wo ist Goldi?“-App in der dritten und vierten Klasse einsetzen. Das erklärt Rektorin Silke Schmitt.
Dafür würden die schuleigenen iPads genutzt – ein privates Smartphone ist dafür also nicht nötig. „Ich denke, man muss den Kindern durchaus beibringen, wie man mit Nachrichten und Bildern aus dem Internet umgeht“, sagt Schmitt. Etliche Kinder hätten bereits Smartphones oder Tablets, daher sei es wichtig, auch in der Schule den richtigen Umgang damit zu lehren.
Anton-Wölker-Grundschule nutzt App bisher nicht
An der Anton-Wölker-Grundschule sei die „Wo ist Goldi?“-App bisher nicht im Einsatz, erklärt Rektorin Rosi Wagner. Aufklärung über sichere Mediennutzung finde trotzdem statt: Es gebe beispielsweise ein medienpädagogisches Referententeam des Kulturministeriums, das Schulungen für Eltern zu diesem Thema halte.
Medienkompetenz werde außerdem über Kurzfilme im Unterricht gelehrt. Ob eine App sinnvoll ist, kommt für Wagner darauf an, ob ein Kind schon ein eigenes Smartphone hat oder nicht. Wenn ja, dann sei Aufklärung über mögliche Gefahren wichtig. Eine App, wie die des Digitalministeriums, sollte aus ihrer Sicht aber nicht verpflichtend sein. Sonst werde der Druck verstärkt, Grundschülern ein eigenes Smartphone anzuschaffen.
Marcus Schmitt ist Elternbeirat an der Anton-Wölker-Grundschule. Aus seiner Sicht sei es grundsätzlich gut, wenn Kinder in der Schule unter Aufsicht an digitale Medien herangeführt würden. Er zieht den Vergleich zum „Fahrradführerschein“. Hier würden Grundschüler zunächst in einem geschützten Raum üben und über die Gefahren aufgeklärt. Erst danach dürften sie allein fahren. Aufgaben an Smartphone oder Tablet außerhalb der Schule fände Schmitt dagegen keine gute Idee, denn nicht alle Eltern könnten sich ein eigenes Gerät für ihr Kind leisten.
Kinder sind mit dem Smartphone vertraut
Auch Vera Götz-Klinger, Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule Adelsdorf, findet die Idee, Kindern sicheres Surfen im Internet spielerisch per App beizubringen, gut. Die Kritik des bayerischen Elternverbandes teilt sie daher nicht. Die meisten Kinder hätten schon Erfahrung mit dem Smartphone.
„Die ersten Jahre ist es eher nicht das eigene Smartphone, sondern das der Eltern oder Geschwister. Aber ich kenne kein Kind, das mit acht Jahren noch kein Smartphone in der Hand hatte“, so Götz-Klinger.
Ab der vierten Klasse hätten immer mehr Schüler ein eigenes Smartphone, spätestens zum Übertritt fast alle. Eine Beobachtung, die auch die beiden Rektorinnen teilen.
Professor: App erfüllt Qualitätskriterien
Rudolf Kammerl ist Inhaber des Lehrstuhls für Pädagogik mit Schwerpunkt Medienpädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Auch ihm ist die „Wo ist Goldi?“-App ein Begriff. Aus seiner Sicht sei davon auszugehen, dass die Anwendung viele Qualitätskriterien für Bildungsmedien erfülle. Schließlich sei die App zusammen mit einem renommierten Institut für Medienpädagogik entwickelt worden.
„Leider nutzen immer mehr Kinder viel zu früh und viel zu umfangreich zu Hause digitale Medien. Und häufig werden sie dabei auch nicht von ihren Eltern begleitet“, sagt Kammerl. Deshalb werde es immer wichtiger, dass in der Grundschule über die Risiken im Internet aufgeklärt werde. Dazu brauche es entsprechende Medien, die den Lehrkräften helfen.
Da die App in der Schule auf Tablets laufen könne, seien keine eigenen Geräte für die Kinder notwendig. Ob und wann Anwendungen wie die „Wo ist Goldi?“-App im Unterricht zum Einsatz kommen, würden die Lehrkräfte entscheiden.
Kein eigenes Smartphone für Grundschüler
Zum Thema eigenes Smartphone hat der Experte eine klare Meinung: „Grundschulkinder sollten aus meiner Sicht keine eigene Bildschirmmedien besitzen und zu Hause nicht alleine digitale Medien nutzen.“ Wenn überhaupt, sollten Kinder die Medien nur unter elterlicher Aufsicht und in Absprache mit der Grundschullehrkraft, nutzen. Das Schulamt Erlangen wollte sich bis zum Redaktionsschluss nicht zu dem Thema äußern.
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