Am Samstag war ganz Erlangen im Event-Rausch: Ab dem Vormittag lockte der „Erlanger Herbst“ die Menschen bei schönstem Herbstwetter in die Innenstadt. Nahtlos ging eine Veranstaltung in die nächste über, denn ab 14 Uhr startete das Kinderprogramm der Langen Nacht der Wissenschaften (LNDW). Dieses Festival für Wissbegierige, das sich über die drei Standorte der Metropolregion erstreckt und regelmäßig bis zu 30.000 Besucher anzieht, glänzte heuer mit rund 500 Angeboten in Erlangen.
An vielen Standorten gab es Experimente und Mitmachaktionen für die Jüngsten.
Lange Nacht der Wissenschaften 2023
Ab 17 Uhr nahm der Besucherstrom erst recht Fahrt auf: Zu Fuß, auf dem Fahrrad, mit dem Moped, der Klinik-Buslinie oder den Sonderbussen irrlichterten die Wissenshungrigen von Standort zu Standort, viele entspannt, andere regelrecht im Stress, bewaffnet mit dem 250-seitigen Veranstaltungskatalog, um so viele Angebote als möglich wahrzunehmen.
Am Uniklinikum beantworteten Mitarbeiter mit viel Herzblut Fragen zu ihren Fachgebieten. Im Internistischen Zentrum erfreute sich ein mannshohes, begehbares Prostata-Modell großer Beliebtheit beim Publikum. Eine Etage tiefer im Herzkatheder-Labor erfüllte die Arbeit der Spezialisten Besucher mit Ehrfurcht. Hier konnte man - erstaunlich schwere - Defibrillatoren und – leichte - Herzschrittmacher in die Hand nehmen. Wissen macht hungrig – der Ulmenweg war mit Foodtrucks gesäumt, die dankbar angenommen wurden.
An der Übungsstation des FAU-Sachgebiets Arbeitssicherheit wurde Wissen zum richtigen Umgang mit Bränden vermittelt. Zu Demonstrationszwecken wurde ein Fettbrand unsachgemäß gelöscht, aus dem Topf stieg eine meterhohe Flammensäule in den Abendhimmel. Der Experte: „Deswegen zeigen wir das hier, damit sich das – Achtung, Wortwitz! – bei Ihnen einbrennt! Wenn die Pfanne in Flammen steht: kein Wasser, kein Glasdeckel – der kann zerspringen, am besten mit einer Decke, einem Holzbrett, einem Backblech abdecken“.
Auch Backen ist eine Wissenschaft für sich. Die Führungen durch die Brot- und Brötchenbäckerei sowie die Feinbäckerei bei „Der Beck“ in Tennenlohe waren sehr gut nachgefragt. Mit Hygienehäubchen und -mantel ausgerüstet duften die Besucher miterleben, wie Hunderte Krapfen ein Fettbad nahmen, Schokohörnchen ihre Glasur erhielten, Torten von den Mitarbeitern kunstvoll dekoriert und Teilchen belegt wurden. Um viele Erkenntnisse reicher, süß duftend und mit einem frischen Gratis-Krapfen wurden die Besucher wieder in die Nacht entlassen.
Ein Geruch ganz anderer Art erwartete die Interessenten bei der Führung durch die Tierpathologie am Bayrischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Wir haben heute ordentlich mit Chlor geputzt“, sagte Mitarbeiter Daniel Schmitt.
Lange Nacht der Wissenschaften 2023
Der Bereich untersucht vom Frosch bis zur Giraffe jedes Tier, dessen Todesursache unklar ist oder bei dem ein Verdacht auf eine Seuche oder auf einen Verstoß gegen den Tierschutz bei der Haltung vorliegt. Auch Löwe „Subali“ und Gorilla „Fritz“ vom Tiergarten Nürnberg wurden hier untersucht, um Erkenntnisse über ihre Todesursache zu gewinnen.
Lange Nacht der Wissenschaften 2023
Am FAU-Südgelände leuchtete ein Heißluftballon in der Nacht. Angebote rund um Künstliche Intelligenz, Roboter und Drohnen standen hier hoch im Kurs, etwa am Lehrstuhl für Informatik. Dort entzückte ein Roboterfußball-Match Groß und Klein. Schaeffler weckte mit der Ausstellung „we pioneer motion“ viel Aufmerksamkeit.
Lange Nacht der Wissenschaften 2023
Lange Nacht der Wissenschaften
Gezeigt wurden zukunftsweisende Innovationen und Technologien für eine nachhaltige Mobilität. Reges Interesse gab es auch an der Präsentation der Drohne des Studi-Teams Evolonic, die bei Möhrendorf zur Waldbranderkennung getestet wurde.
Schon um 20 Uhr war die Mensa brechend voll mit nach Erholung suchenden Wissbegierigen.
Um Mitternacht war Schluss und wie immer war bei vielen Besuchern das Bedauern groß, dass sie nur einen Bruchteil der vielen Angebote in Anspruch nehmen konnten.
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