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75 Jahre Puma
Das Geheimnis des Puma-Logos
Der springende Puma auf dem Kreisverkehr vor der Firmenzentrale
Der springende Puma auf dem Kreisverkehr vor der Firmenzentrale // Bernhard Panzer
Herzogenaurach – Das Logo des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach ist weltbekannt. Die aktuelle Version entwickelt hat der Nürnberger Grafiker Lutz Backes. Er verrät ein pikantes Detail über die berühmte Raubkatze.

Der Auftrag war klar. Der Grafiker sollte in den Nürnberger Tiergarten gehen, einen Puma suchen und eine Skizze anfertigen. Gesucht wurde das Abbild einer schnellen, geschmeidigen, muskulösen Raubkatze. Lutz Backes tat wie gewünscht und legte das Ergebnis vor. Das Puma-Logo war geboren. Gleichwohl der Künstler mit seiner Zeichnung etwas geschummelt hatte.

1968 schuf Lutz Backes diesen Puma.
1968 schuf Lutz Backes diesen Puma. // Repro: FT

Denn: Der eine Puma, den der Nürnberger Tierpark damals im Jahr 1967 im Käfig hielt, wirkte für Backes nicht wirklich so, wie er sein sollte. Das schreibt der heute in Nürnberg lebende Autor in seinem Buch „Fränkische Köpfe“, das im vergangenen Jahr erschien. Der Zeichner improvisierte, nahm statt der amerikanischen Raubkatze einen schwarzen Panther, der im Käfig nebenan herumschlich. „Ich setzte dem Panther den Puma-Kopf auf und ersetzte den dünnen Schwanz ersetzte ich durch einen dickeren, dem Pumaschwanz ähnlichen“, hat der Karikaturist in seinem Buch festgehalten.

Im Januar 1968 hat Puma das Logo erstmals verwendet. „Und so wie damals gezeichnet, prangt die Raubkatze heute noch auf allen Artikeln der Firma“, sagt der heute 85-jährige Backes.

Das mag Helmut Fischer, der frühere Werbechef und heutige Berater des Unternehmens, so nicht ganz stehen lassen. Der als „Mr. Puma“ bekannte Herzogenauracher erinnert daran, dass man schon noch Korrekturen habe vornehmen lassen. Der erste Puma hatte noch Krallen und Zähne. Das habe man dann Mitte der 1970er Jahre geändert.

1978 entstand das aktuelle Puma-Logo
1978 entstand das aktuelle Puma-Logo // Puma

In seiner Dauerausstellung auf der so genannten Puma Brücke widmet Fischer, der 1974 zu Puma kam, der Entstehung des Logos eine eigene Vitrine. Zu sehen ist dort ein Streifzug durch die 75-jährige Geschichte des Herzogenauracher Sportartiklers.

1948: Die Katze springt durch das Dassler-"D"
1948: Die Katze springt durch das Dassler-"D" // Repro: FT

„Mr. Puma“ kann manche Geschichten erzählen, die sich um die Entstehung des Puma-Logos ranken. Armin Dassler, der das Unternehmen nach dem Tod seines Vaters, dem Puma-Gründer Rudolf Dassler, übernahm, habe nur über Lutz Backes einen ganzen Ordner geführt. Inzwischen füllen die Puma-Designs und da vor allem die Logos, ein ganzes Buch. Das nennt sich „Puma – The Graphic Heritage“, wurde von dem Düsseldorfer Professor Jens Müller herausgegeben und ist erst vor wenigen Tagen erschienen.

1948: Ruda Schuhfabrik
1948: Ruda Schuhfabrik // Puma

Die springende Raubkatze im Logo ist nämlich weitaus älter als der Panther-Puma von Lutz Backes. Nachdem Rudolf Dassler aus der Ruda-Schuhfabrik die Puma-Schuhfabrik machte, wechselte auch das Tier im Emblem: Statt eines angedeuteten Vogels war’s nun bereits eine durch das Dassler-D springende Raubkatze, gefertigt von dem Nürnberger Werbebüro Krams und registriert am 1. Oktober 1948, dem Puma-Gründungstag. Gleichzeitig hieß der Slogan „Schuhe für jeden Sport“.

Das Logo der Schuhfabrik von 1958
Das Logo der Schuhfabrik von 1958 // Repro: FT

1957 wurde das Logo zusammen mit dem Namen Puma in ein Sechseck gepackt. Neuer Slogan: „Puma – in allen fünf Erdteilen.“ Ein Jahr später kam der erste Formstrip hinzu, die neue Puma-Linie als Gegensatz zu den drei Streifen des Konkurrenten Adidas.

Und dann kam der Wechsel. Die Katze des bisherigen Werbestudios gefiel Rudolf Dassler nicht mehr, wie Helmut Fischer zusammenfasst. Deshalb beauftragte er zusammen mit seinem Sohn Armin den freien Grafiker Lutz Backes, „eine künstlerische Darstellung einer springenden Raubkatze“ zu schaffen.

Lutz Backes erinnert sich noch heute daran, dass sein Klassenkamerad Gerd Dassler, der jüngere Sohn des Puma-Gründers, ihn damals nach Beendigung der Schulzeit angerufen habe. Er solle doch mal nach Herzogenaurach kommen, es gebe was zu besprechen. Eine Vorgabe für die springende Raubkatze sei auch gewesen, dass sie dem Jaguar der Automarke nicht ähneln dürfe, berichtet Backes.

Doppelseite aus dem Buch „Puma – The Graphic Heritage“
Doppelseite aus dem Buch „Puma – The Graphic Heritage“ // Repros: FT

Dass der Nürnberger damit einen Volltreffer gelandet hat, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. Vielleicht stimmte Backes auch deshalb einem Vorschlag zu. Man kam nämlich überein, dass er als Honorar 600 Mark bekommen sollte. „Das waren für einen freien Grafiker damals zwei Monatsgehälter“, erinnert Helmut Fischer. Stattdessen hätte Lutz Backes laut Fischer auch einen Pfennig pro verkauftem Artikel erhalten können, was der Künstler aber abgelehnt habe. Heute weiß man: Das Puma-Logo hätte ihn zum zigfachen Millionär gemacht.

Auf der Puma-Brücke findet sich eine Ausstellung über 75 Jahre Puma.
Auf der Puma-Brücke findet sich eine Ausstellung über 75 Jahre Puma. // Bernhard Panzer

Weil der Grafiker im Laufe der Jahre offenbar sah, wie erfolgreich seine Raubkatze bei der Kundschaft ankam, sei es immer wieder zu Nachvergütungen gekommen, auch vor Gericht, berichtet Fischer. Erst eine letzte Zahlung im Jahr 2015 habe das beendet. Insgesamt, so Fischer, habe Backes über die Jahre hinweg wohl um die 60.000 Euro bekommen. Gleichwohl er in der Urheberrechtserklärung ja alle Rechte abgetreten hatte.

Diese Entwicklung wurmte den Nürnberger selbst lange Zeit. „Ich musste vier Jahre vor Gericht kämpfen“, stellt er rückblickend fest. Aber jetzt wirkt er versöhnlich, „ich bin zufrieden“. Schließlich sei sein Puma die wohl berühmteste Raubkatze der Welt.

In Helmut Fischers Ausstellung über 75 Jahre Puma hat die Entwicklung des  Logos einen festen Platz.
In Helmut Fischers Ausstellung über 75 Jahre Puma hat die Entwicklung des Logos einen festen Platz. // Bernhard Panzer

In sein Buch „ Fränkische Köpfe“, das Karikaturen zu 124 Persönlichkeiten von Albrecht Dürer bis Markus Söder beinhaltet, hat er auch die beiden Dassler-Brüder Rudolf (Puma) und Adolf (Adidas) aufgenommen – mit Karikaturen und jeweils einer kleinen Geschichte. Über den „alten Puma“ fällt ihm noch eine besondere Anekdote ein. Der habe ihn, Backes, nämlich „angemotzt“, dass er seinem Puma so einen langen Schwanz verpasst habe, „ich muss dauernd mehr Anzeigenplatz bezahlen“. Darauf habe er, Backes, geantwortet: „Ich wollte zeigen, wie potent ihr seid.“

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