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Puma wird 75
Von Herzogenaurach in die Welt
75 Jahre Puma
75 Jahre Puma // Puma
1948 zieht Puma in die frühere, inzwischen leerstehende Schuhfabrik Schürr in der Würzburger Straße ein. Das Foto ist älter und stammt wohl von 1890.
1948 zieht Puma in die frühere, inzwischen leerstehende Schuhfabrik Schürr in der Würzburger Straße ein. Das Foto ist älter und stammt wohl von 1890. // Archiv Helmut Fischer/Puma
Herzogenaurach – Die Vision des Puma-Gründers Rudolf Dassler, agil und schnell wie eine Raubkatze zu sein, ist für das Herzogenauracher Unternehmen heute noch wichtig. Dabei war der Anfang alles andere als leicht.

Der offizielle Startschuss fiel am 1. Oktober 1948. An diesem Tag wurde das Unternehmen mit dem Namen Puma beim deutschen Marken- und Patentamt eingetragen. Damit begann vor 75 Jahren der Aufstieg zum Weltkonzern. Puma feiert das Jubiläum mit einem Großaufgebot an Stars aus der ganzen Sportwelt (wir berichteten ausführlich). Und es gab ein großes Mitarbeiterfest.

Eine märchenhafte Geschichte

Die mehrmals verfilmte, regelrecht märchenhafte Geschichte der Herzogenauracher Sportschuhproduktion geht indes noch viel weiter zurück – bis ins Jahr 1919. Da gründeten die Brüder Rudolf und Adolf Dassler, damals noch ein Herz und eine Seele, die „Gebrüder Dassler Schuhfabrik“.

Das freilich war noch nichts Außergewöhnliches, gab es zu dieser Zeit in Herzogenaurach doch noch viele weitere, kleinere Schuhfabriken. Herzogenaurach galt schließlich als das fränkische Pirmasens. Was allerdings in den folgenden Jahrzehnten bis heute daraus geworden ist, das ist umso bemerkenswerter. Denn die beiden Brüder legten seinerzeit den Grundstein für die Welthauptstadt des Sportschuhs, wie auf der Puma-Homepage nachzulesen ist.

Frauen arbeiten in der Stepperei der ersten Puma-Schuhfabrik. Das Foto entstand 1952.
Frauen arbeiten in der Stepperei der ersten Puma-Schuhfabrik. Das Foto entstand 1952. // Archiv Helmut Fischer/Puma

Doch auch schnelle Erfolge der aus Herzogenaurach ausgerüsteten Sportler weltweit konnten nicht verhindern, dass sich das Brüderpaar zerstritt. Obwohl bei den Olympischen Sommerspielen in Amsterdam 1928 die Mehrzahl der deutschen Athleten in Dassler-Spikes antritt, und obwohl Jesse Owens 1936 in Berlin vier Mal Gold gewinnt: Adolf und Rudolf Dassler begannen, getrennte Wege zu gehen. Es entstanden Adidas und Puma.

14 treue Mitarbeiter

So ist es niedergeschrieben: „28 Jahre nach der Gründung der Gebrüder Dassler Schuhfabrik trennen sich die Brüder im Streit“. Rudolf Dassler zieht in ein anderes Gebäude auf dem Familienbesitz, nimmt seine 14 treuesten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit und baut die Immobilie in eine Fabrik um.

Das alles geschieht zum Jahresbeginn 1948, es entsteht die „Sportschuhfabrik Rudolf Dassler (Ruda)“, die im Juni den Betrieb aufnimmt. Vier Monate später wird aus Ruda dann Puma, und ins deutsche Handelsregister wird die „Puma Schuhfabrik Rudolf Dassler“ am 14. Januar 1949 eingetragen.

Schuh-Zwicker  Malke
Schuh-Zwicker Malke // Archiv Helmut Fischer/Puma

Diese Anfangsphase in der 75-jährigen Puma-Geschichte bleibt als sehr schwierige Zeit in Erinnerung. Der Neuaufbau erfordert von allen Kräften erhebliche Anstrengungen. Darauf geht auch Rolf-Herbert Peters in seinem 2007 erschienenen Buch „Die Puma Story“ ein.

Der 50-jährige Rudolf Dassler, so schreibt Peters, machte sich wie besessen noch einmal ans Werk. „Seine Getreuen schufteten manchmal 14 Stunden am Tag, auch sonntags, in dem doppelstöckigen Gebäude an der Würzburger Straße.“ Rudolf soll seine Mitarbeiter immer wieder mit den Worten eingeschworen haben: „Wir sind eine Familie“.

Bockbier und Sekt

Freilich musste der Chef seine Mitarbeiter, gerade bei solchen Anstrengungen bei Laune halten. Regelmäßig Kaffee und Kuchen hat’s gegeben, und im Sommer auch mal ein Eis. Bei passendem Umsatz spendierte der Patron seiner Belegschaft den so genannten „Puma-Saft“, wie der Autor aus seinen zahlreichen Gesprächen erfuhr. Das war ein Gemisch aus Bockbier und Sekt.

Von seiner leiblichen Familie, seiner Frau Friedl, den Söhnen, Schwiegertöchtern und Enkeln hat Rudolf Dassler zum 70. Geburtstag am 29. April 1968 ein ganz persönliches Buch geschenkt bekommen. Auch darin wird der „sehr harte Neubeginn“ beschrieben.

Die damalige Belegschaft habe noch nach 20 Jahren von der Pionierarbeit beim Aufbau gesprochen. Nur durch einen unbändigen Fleiß sei die schnelle Aufwärtsentwicklung überhaupt möglich gewesen, heißt es in dem Privatdruck. Und weiter: „Eile tat aber Not, denn aus den Brüdern waren ja nun Konkurrenten geworden“.

1952: Die deutsche Fußballelite ist begeistert von Puma.
1952: Die deutsche Fußballelite ist begeistert von Puma. // Archiv Helmut Fischer/Puma

Schon zum Jahresende 1948 erschien der erste Briefbogen mit dem neuen Firmenzeichen und im Folgejahr gab’s die erste Ausgabe der Puma-Nachrichten, in denen Geschäftsfreunde über „sachlich und fachlich interessierende Dinge“ sowie über Neuanfertigungen der Firma informiert wurden.

In der ersten Nummer legte Rudolf Dassler auch Wert auf die Feststellung, nur die einschlägigen Fachgeschäfte zu beliefern und die Kunden stets mit erstklassiger Ware zu beliefern. Dem „Bauchhändlertum“, das durch „minderwertige Qualität die Preise drückt und das Geschäft verdirbt“, erteilte er eine klare Absage.

Der weltweit erste Stollenschuh

Nach den anstrengenden Anfangsjahren galt es, Sportler auszustatten und Athleten mit Weltruhm zu finden – auf beiden Seiten. Während Adi Dassler zur WM 1954 die Fußball-Nationalmannschaft ausrüstete, die in den drei Streifen auch noch Überraschungs-Weltmeister wurde, gelang Puma der erste Coup schon zwei Jahre zuvor.

Mit der Markteinführung des „Atoms“ 1951 und „Super Atoms“ 1952 entwickelt Rudolf Dassler gemeinsam mit Bundestrainer Sepp Herberger und anderen Fachleuten den weltweit ersten Schraubstollenschuh, wie es auf der Homepage heißt. Das war der Grundstein als Fußballmarke.

Ab 1951 hatte der Atom-Fußballschuh bereits Schraubstollen.
Ab 1951 hatte der Atom-Fußballschuh bereits Schraubstollen. // Archiv Helmut Fischer/Puma

Von da an ging es Schlag auf Schlag: Ernst Fütterer (1954 Weltrekord im 100-Meter-Sprint) und Armin Harry (1960 schnellster Mann der Welt) triumphierten in der Leichtathletik, und im Fußball stellte alsbald ein Mann aus Brasilien alle anderen in den Schatten: Pelé (ab 1970). Viele weiteren Stars folgten, unter ihnen Linford Christie, Boris Becker, Lothar Matthäus oder Usain Bolt.

Helmut Fischer und Lothar Matthäus bei einer gemeinsamen Werbeveranstaltung.
Helmut Fischer und Lothar Matthäus bei einer gemeinsamen Werbeveranstaltung. // Puma

In diesen Jahren wurden die Schuhe noch zum Teil in Herzogenaurach hergestellt. 1993 endet die Produktion in der Heimatstadt.

Helmut Fischer und die Stars

Einen besonderen Draht zu den Sportlern hat der Herzogenauracher Helmut Fischer, der 1949 das Licht der Welt erblickte und 1978 zu Puma kam. Er stand als Werbechef stets in Kontakt, hat sich als „Mister Puma“ einen Namen gemacht und zuletzt auch ein Buch geschrieben. Fischer erinnert sich an manch Anekdote.

Zum Beispiel an seinen Lieblingsfußballer Pelé. Als neunjähriger Bub hatte er in beim WM-Finale 1958 im Fernsehen bewundert, wie Fischer in seinem Buch „Ein Leben für die Raubkatze“ schreibt. Und in späteren Jahren sind sich die beiden im wahren Leben dann tatsächlich begegnet: „Wir haben viel zusammen gemacht, geredet und gelacht“.

Vor der WM 1970 fuhr Pelé nach Herzogenaurach, um von Armin und Gerd Dassler seine Fußballschuhe selbst abzuholen.
Vor der WM 1970 fuhr Pelé nach Herzogenaurach, um von Armin und Gerd Dassler seine Fußballschuhe selbst abzuholen. // Archiv Helmut Fischer

Pelé ließ sich für die WM 1970 einen knallgelben Puma-Streifen auf die schwarzen Schuhe nähen. „Pele war der erste Sportler, der sich getraut hat, einen farbigen Schuh anzuziehen. Das konnte sich nur der Superstar leisten“, sagt Fischer. Und Neymar, brasilianischer Star der Neuzeit, schlug sogar einen hochdotierten Vertrag mit Nike aus, weil er unbedingt die Schuhe seines Idols Pelé tragen wollte, erinnert sich Fischer.

Helmut Fischer traf den Fußballstar ohne Starallüren mehrfach, unser Bild (links unten) entstand bei der Ispo 1986.
Helmut Fischer traf den Fußballstar ohne Starallüren mehrfach // FT-Archiv

So wie an seine Zeit mit Boris Becker, der  mit einem neuartigen Schläger 1985 Wimbledon gewann und Puma nach Fischers Ansicht erst zum wirklichen Weltkonzern machte.  Oder mit Fußball-Gott Diego Maradona, zu dem er 32 Jahre lang freundschaftliche Kontakte pflegte.

Puma lebt die Vision seit 75 Jahren

Zurück in die Geburtszeit der Raubkatze: Arne Freundt, der neue CEO von Puma, spricht die Vision von Gründer Rudolf Dassler vor 75 Jahren an. Dassler wollte seinen Athleten die Geschwindigkeit und Agilität einer Raubkatze verleihen, ob mit Spikes der Leichtathleten oder Fußballschuhen, mit denen legendäre Spieler und Spielerinnen wie Lothar Matthäus, Pelé, Marta oder Alexandra Popp ihre Tore erzielten.

„Puma lebt diese Vision seit 75 Jahren“, sagt Freundt. „Wir sind sehr stolz auf unsere Geschichte“.  In einem Ausblick zeigt sich der CEO zuversichtlich,  „dass wir unser starkes Momentum fortsetzen werden und weitere Marktanteile gewinnen werden.“

75 Jahre Puma
Arne Freundt ist der neue CEO bei Puma // Puma

Freundt durfte gleich zu Beginn seiner Amtszeit für das Jahr 2022 das wirtschaftlich beste Ergebnis der Firmengeschichte verkünden. 8,5 Milliarden Euro Umsatz und ein Konzerngewinn von 354 Millionen Euro standen zu Buche.

Sein Vorgänger Björn Gulden war 2013 zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt worden. Zum 1. Januar 2023 wechselte Gulden als CEO zum Erzrivalen Adidas.

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