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Trauriger Tag
Kalchreuther Klettergerüst: Abgerissen, aber nicht vergessen
Beim Abriss des Klettergerüsts rückten rund 40 Helfer mit Traktoren und Werkzeug an, und halfen beim Abriss.
Beim Abriss des Klettergerüsts rückten rund 40 Helfer mit Traktoren und Werkzeug an, und halfen beim Abriss. // Martin Regner
Kalchreuth – Für Beate Mohr aus Kalchreuth war der heutige Samstag ein "sehr trauriger Tag". Zusammen mit rund 40 freiwilligen Helfern hat sie ihr Klettergerüst abreißen müssen. Doch es gibt einen Plan B.

Beate Mohr ist Bereitschaftspflegemutter und nimmt immer wieder traumatisierte Kinder in ihre Obhut, die vom Jugendamt aus ihren Familien genommen werden mussten. Das Klettergerüst und eine Holzhütte, die am heutigen Samstag ebenfalls abgebrochen werden musste, dienten als Spielbereich für diese Kinder. 

Wie berichtet hatte jedoch der Landkreis Erlangen-Höchstadt nach einem längeren Hin und Her den Abriss angeordnet. Die Hütte stand schon seit langer Zeit auf dem Grundstück, das Klettergerüst hatte Mohr vor ein paar Jahren von der Gemeinde Kalchreuth geschenkt bekommen. Da beides im Außenbereich stand und es keine Baugenehmigung gab, verfügte das Landratsamt den Abriss. 

Aus Sicht von Otto Klaußner, 2. Bürgermeister von Kalchreuth, liegt die Verantwortung für die Misere, an einem kalten Januartag abreißen zu müssen, bei Beate Mohr. Auf Nachfrage erklärte Klaußner gegenüber dem Fränkischen Tag: "Tatsache ist, Frau Mohr wollte das Spielgerät damals unbedingt von der Gemeinde haben und wurde auch vom Bauamt darauf hingewiesen, dass sie es nicht im Außenbereich aufstellen darf".

Weitere Verlängerung wurde nicht gewährt

Auch das Landratsamt Erlangen-Höchstadt sieht sich im Recht: "Die Besprechung des Landratsamtes mit Frau Mohr, in der auch ein Kompromiss geschlossen wurde, welche Anlagen stehen bleiben dürfen und welche nicht, fand bereits im Februar 2023 statt. Ab diesem Zeitpunkt war Frau Mohr bekannt, welches Spielgerät und welche Hütte sie zu entfernen hat. Sie hatte folglich den ganzen Sommer 2023 Zeit, die Beseitigung durchzuführen", schreibt Johannes Hölzel als Pressesprecher des Landkreises in dieser Angelegenheit an die Redaktion. Und weiter:  "Da wir schon sehr entgegenkommend mit der Frist bis Januar 2024 waren, kam eine weitere Verlängerung nicht in Betracht."

Folglich blieb Beate Mohr nur übrig, den Abriss tatsächlich durchzuführen. Und dazu kamen am heutigen Samstag rund 40 Helfer nach Kalchreuth mit Traktoren, Transportanhängern und Werkzeug. Dazu aufgerufen, Beate Mohr zu helfen, hatte Karsten Fischkal aus Adelsdorf in seiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender der Freien Wähler. 

Helfer kamen ins Schwitzen

Und so hörte man die Kettensägen und schweren Hammerschläge schon von Weitem, wenn man sich dem Grundstück nahe der Gräfenbergbahn über einen vereisten Feldweg näherte. Der geforene Boden machte die Arbeiten, die sich über mehrere Stunden hinzogen, nicht gerade leichter. So kamen die zur Unterstützung angerückten Männer und Frauen ganz schön ins Schwitzen. "Meine Kinder haben sehr gelitten, weil sie wussten, dass das heute wegkommt", erklärte Mohr in Anbetracht der Abbrucharbeiten: "Da sind schon Tränen geflossen. Aber ich bin sehr dankbar für die vielen Helfer, die heute gekommen sind." 

Ein Drehteam vom Fernsehen hatte sich auch auf den Weg nach Kalchreuth gemacht. Im Interview: Karsten Fischkal von den Freien Wählern
Ein Drehteam vom Fernsehen hatte sich auch auf den Weg nach Kalchreuth gemacht. Im Interview: Karsten Fischkal von den Freien Wählern // Martin Regner

Nicht nur Helfer waren vor Ort, auch mehrere Medienvertreter hatten sich nach Kalchreuth auf den Weg gemacht. Darunter ein Drehteam des Bayerischen Rundfunks (BR). Auch die Sendung "extra 3" des NDR hatte über den Fall schon berichtet. 

Karsten Fischkal will es bei dem nun erfolgten Abbau aber nicht einfach so belassen. Zwar würden die Bestandteile der abgebrochenen Hütte getrennt, etwa in Holz und Metall, und dann ordnungsgemäß entsorgt. Aber das zerlegte Klettergerüst werde eingelagert, weil man es später womöglich wieder verwenden könnte, so Fischkal im Gespräch mit dem Fränkischen Tag. 

Beim Abriss des Klettergerüsts rückten rund 40 Helfer mit Traktoren und Werkzeug an, und halfen beim Abriss.
Beim Abriss des Klettergerüsts rückten rund 40 Helfer mit Traktoren und Werkzeug an, und halfen beim Abriss. // Martin Regner

Fischkal plant nämlich, zusammen mit weiteren Unterstützern, die Beate Mohr auch in Zukunft helfen wollen, einen Verein zu gründen. Dieser könnte ein Bauleitverfahren anstoßen, das am Ende dazu führen könnte, dass auf dem besagten Grundstück ein Baurecht möglich wird. Und dann könnte man das Klettergerüst eines Tages womöglich wieder aufbauen. 

Womöglich bringt ein Verein die Rettung

Der Verein könnte anstelle von Beate Mohr der Betreiber der Spielfläche werden. Schließlich gebe es auch zum Beispiel von Vereinen oder Verbänden betriebene Waldkindergärten im Außenbereich, die bestimmte Gebäude für ihren Betrieb errichten dürften, argumentierte Fischkal. Dieser Weg werde zwar nicht über Nacht zu einer Lösung führen. Aber womöglich könne man in einem Jahr die Spielfläche wieder nutzen. 

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