Ist es Zeit zum Gießen oder hat der Baum noch genug Wasser? Diese Frage ist gar nicht leicht zu beantworten. Wenn die Blätter welk werden, ist es zu spät. Einfach prophylaktisch zu gießen, wäre womöglich Wasserverschwendung, weil der Boden in der Tiefe noch feucht genug ist.
An diesem Problem setzt ein Pilotprojekt in Erlangen an.
Dazu wurde jetzt der 69. von insgesamt 70 Feuchtigkeitssensoren an einem Stadtbaum im Röthelheimpark vergraben – mit ministerlicher Hilfe. Die bayerische Digitalministerin Judith Gerlach war gestern vor Ort und legte beim Vergraben der innovativen Technik mit Hand an.
Hauptbestandteil ist ein rund 60 Zentimeter langer Sensor, der optisch an eine Grillzange erinnert. Dieser steckt im Boden und ist über ein Kabel mit einem Sender verbunden.
Route optimal planen
Dieser wiederum schickt die Messwerte der Bodenfeuchtigkeit via Mobilfunknetz an eine App. Damit können dann die Mitarbeiter der Erlanger Stadtwerke, die im Sommer mit Wassertankfahrzeugen im Stadtgebiet unterwegs sind, ihre Gießroute optimal planen. Indem sie nur dorthin fahren, wo tatsächlich akut Wasser gebraucht wird.
Meldet der Sensor Wasserbedarf, dann kommt allerdings nicht nur die Edelkastanie mit dem gestern vergrabenen Sensor in den Genuss einer Wasserdusche, sondern auch die übrigen Bäume in ihrer Umgebung. Denn man kann davon ausgehen, dass alle Bäume, die in derselben Gegend auf demselben Boden wachsen, dasselbe Problem haben.
1. Platz in Mittelfranken
Mitbeteiligt am Projekt ist neben dem Freistaat Bayern als Fördermittelgeber auch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Deren Sonderbeauftragter für Nachhaltigkeit, Prof. Dr. Matthias Fifka, sprach bei der feierlichen Vergrabung des vorletzten Sensors vom Wasser als der wohl wichtigsten Ressource des 21. Jahrhunderts, die es zu schützen gelte.
Die Stadt Erlangen nahm im Jahr 2021 am Wettbewerb „Kommunal? Digital!“ von Judith Gerlachs Digitalministerium teil.
Für den Bezirk Mittelfranken hat die Stadt dann mit ihrem Projekt für das Sensornetz zur Überwachung der Wasserverfügbarkeit von Bäumen den 1. Platz geholt. Damit verbunden waren rund 450.000 Euro an Fördermitteln, für die inzwischen die 70 Sensoren und die dazugehörige Sende- und Auswertungstechnik angeschafft werden konnten.
Die Standorte für die 70 Sensoren habe man in Zusammenarbeit mit den Fahrern der Gießfahrzeuge festgelegt, hieß es im Rahmen der Veranstaltung. Diese hätten die meiste Erfahrung auf diesem Gebiet.
Schließlich steuern sie im Sommer sonst regelmäßig rund 1600 Bäume im Erlanger Stadtgebiet an. Das kostbare Nass soll dank der neuen Technik in Zukunft zielgerichteter verspritzt werden.
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