Der Anblick ist erschreckend: Zentnerweise tote Aale, Karpfen und Hechte verenden seit einigen Tagen in der Kleinen Weisach. Am Wasserrad der Kunstmühle Lonnerstadt werden die toten Tiere angeschwemmt.
„Ein richtiges Fischsterben“, sagt Regina Bruckmann, die mit ihrem Mann die Kunstmühle betreibt, im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wir sammeln die toten Tiere ein, rund einen Zentner pro Tag. Das ist schon eine sehr schwierige Situation.“
Fischsterben in der Kleinen Weisach: Die Suche nach den Ursachen
Zu wenig Sauerstoff im Wasser, zu hohe Temperaturen und zu niedriger Wasserstand in der Kleinen Weisach sind die Ursachen des Fischsterbens, habe das Wasserwirtschaftsamt festgestellt. „Die Hitzewelle hat wirklich schlimme Auswirkungen“, erklärt Bruckmann.
Leider gebe es keine Möglichkeit, das Fischsterben aufzuhalten. Durch Belüfter könne der Sauerstoffgehalt nur punktuell erhöht werden, das sei nicht ausreichend.
Gemeinde organisiert Abtransport der Tierkadaver
Den Abtransport der toten Fische hat die Gemeinde organisiert. Bruckmann brachte die Tierkadaver mit einem Anhänger zum Bauhof, der sie zur Tierkörperbeseitigungsanlage nach Walsdorf weitertransportierte.
Bruckmann appelliert an ihre Mitmenschen, bewusster mit dem Wasser umzugehen. „Es gibt immer noch Leute, die ihren Rasen bei dieser doch recht dramatischen Situation gießen.“
Diesen Appell schließt sich Hans Leuchs, Leiter des Umweltamts des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt, an. „Ansonsten sind wir ratlos, was wir gegen dieses Fischsterben unternehmen sollten“, erklärt Leuchs.
Wasserwirtschaftsamt testet Sauerstoffgehalt des Gewässers bei Lonnerstadt
Das Wasserwirtschaftsamt habe den Sauerstoffgehalt in der Kleinen Leisach an verschiedenen Stellen gemessen, das Ergebnis sei überall das gleiche: viel zu gering. Die Hitze sei zu groß, der Wasserstand dementsprechend zu niedrig. Leuchs: „Es gibt kein Patentrezept, es ist einfach ein sehr kleines Gewässer.“
Mit ähnlichen Problemen haben die Karpfenteichwirte in der Region zu kämpfen, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. „Noch haben wir im Durchschnitt ein gutes Wasserstandsniveau, aber es könnte in den nächsten Wochen kritisch werden“, sagt Jan Másílko von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in der Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft in Höchstadt.
Wenn der Wasserstand zu stark absinke, stelle nicht nur der fehlende Sauerstoff ein Problem dar, sondern auch die steigende Gefährdung der kleineren Fische durch Kormorane, Grau- und Silberreiher.
Notabfischungen der Karpfenteiche drohen
Falls weiterhin der Niederschlag ausbleibe und die hohen Temperaturen anhielten, werde es ungefähr in vier Wochen in Mittel- und Oberfranken zu Notabfischungen kommen, sagt der Fachmann auf Anfrage der Redaktion. Das Institut für Fischerei der Landesanstalt für Landwirtschaft habe bereits im Vorfeld einen Leitfaden erstellt, um einen tierschonenden Ablauf zu gewährleisten.
Bereits im Sommer 2025 war es notwendig geworden, Notabfischungen in Karpfenteichen durchzuführen. Másílko erklärt, dass sich Karpfen bei warmen Temperaturen prinzipiell sehr wohlfühlten, 25 bis 26 Grad seien für ihr Wachstum optimal. Aber die Sauerstoffkonzentration müsse passen, deshalb seien bereits Belüfter im Einsatz.
Experten hoffen auf Niederschläge
Das Fazit des Fachmanns: „In vier Wochen wissen wir mehr. Wir müssen auf Niederschläge hoffen.“














