Haben Sie schon einmal etwas vom Schwammstadt-Prinzip gehört? Die Stadt Erlangen will sich jetzt daran orientieren und die Innenstadt fitter machen für den Klimawandel. Als nächster Schritt soll die Fußgängerzone um 50 Bäume bereichert werden.
50 neue Bäume bis 2016
„Das Schwammstadt-Prinzip sichert Stadtbäumen das Überleben im Straßenraum. Es ist ein innovatives System, das die gesunde Entwicklung großkroniger Bäume in befestigten Flächen ermöglicht und unterirdischen Retentionsraum für die Niederschlagswässer schafft.“ Diese Definition liefert die „Arbeitsgruppe Schwammstadt“ auf ihrer Internetseite. Und genau nach diesem Konzept geht Erlangen jetzt bei der Begrünung der Hauptstraße vor, wie Bürgermeister Jörg Volleth erklärt.
Bislang endet die Alle in der Fußgängerzone an der Stelle, an der die Nürnberger Straße in die Hauptstraße übergeht. Und das soll sich jetzt ändern. Bis Ende 2026 soll die Allee mit 50 Bäumen in der Hauptstraße in Richtung Martin-Luther-Platz verlängert werden. Allerdings, so Volleth weiter, könne die Allee nicht auf beiden Seiten der Straße fortgesetzt werden.
Denn erstens ist die Hauptstraße schmaler als die Nürnberger Straße, so dass weniger Platz zur Verfügung steht. Und zweitens verlaufen hier nach Angaben des Bürgermeisters zahlreiche Versorgungsleitungen im Boden, so dass die neuen Bäume nur in jeweils einer Reihe abwechselnd auf der rechten und auf der linken Seite gepflanzt werden.
Aufwendig gestaltet sich insbesondere der Unterbau. Es werden nämlich keine klassischen Baumscheiben geplant, die von Pflaster umgeben sind. Die Stadt will im Untergrund stattdessen Rigolen verbauen. Dabei handelt es sich um unterirdische und mit Rohren verbundene Wasserspeicher. Diese fangen das Wasser bei Regen auf.
Wasserreserve unter der Straße
Das kann nicht nur die Kanalisation entlasten, sondern hilft auch dabei, Überschwemmungen bei Starkregen zu vermeiden. Gleichzeitig kann in den Rigolen das Wasser eine Weile unter der Straße gespeichert werden, so dass die Bäume auch im Sommer in längeren Hitze- und Trockenperioden auf eine Wasserreserve zurückgreifen können.
Die Stadt rechnet laut Volleth damit, dass für die Bauarbeiten, für die Rigolen und für die Bäume selbst eine Summe von rund 1,35 Millionen Euro fällig wird. Dafür will Erlangen allerdings das Förderprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ des Bundes nutzen, bei dem eine Förderung von 85 Prozent winkt.
Kein Widerstand der Einzelhändler
Die geplante Maßnahme reiht sich ein in mehrere Baumpflanzungen in den letzten Jahren. Volleth verweist dazu etwa auf 120 neue Bäume im Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen der Werner-von-Siemens-Straße. Bereits jetzt betreut die Stadt rund 50.000 Bäume, die regelmäßig begutachtet, gepflegt und gegossen werden müssen.
Zur großen Freude von Volleth gibt es nach jetzigem Stand keinen Widerstand seitens der Einzelhändler in der Hauptstraße etwa gegen Bäume vor den Schaufenstern: „Das Projekt soll der Belebung der Innenstadt dienen. Und die Einzelhändler freuen sich auch alle auf die Maßnahme, weil sie sehen, dass damit die Aufenthaltsqualität in der Stadt steigt.“
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