Lautes Röhren erfüllt die Luft und kündigt den ersten Wagen an. Schon entert der Porsche 911 mit Norbert Schrader am Steuer den Höchstadter Marktplatz, wo er sich an der Stempelstelle seine Bordkarte abstempeln lässt. Stempel drauf, weiter geht’s.
Schraders Wagen ist der erste von 137 Porsche, die an diesem verregneten Freitagnachmittag die Höchstadter Innenstadt frequentieren, wenn auch nur kurz. Im Rahmen der dreitägigen zweiten Röhrl-Klassik, einer Porsche-Rallye, geht es am zweiten Tag von Rothenburg ob der Tauber durch den Steigerwald, die Fränkische Schweiz und über den Aischgrund retour nach Rothenburg.
Viele Fans vor Ort
Bereits im September startete die 1. Röhrl-Klassik, benannt nach Walter Röhrl, dem zweifachen Rallye-Weltmeister und Motorsport-Legende, der natürlich auch selbst mit am Start ist. Norbert Zander ist als Leiter der Streckensicherung mit seinem 25-köpfigen Team vor Ort. Ins Leben gerufen wurde die Röhrl-Klassik laut Zander vom Delius-Clasing-Verlag, der entsprechende Gespräche führte mit Peter Goebel, seinerseits Beifahrer von Röhrl. So kam Walter Röhrl überhaupt mit ins Spiel. Die erste Röhrl-Klassik startete und endete in Fleesensee in Mecklenburg-Vorpommern.
Mittlerweile haben sich etliche Fans auf dem Höchstadter Marktplatz eingefunden. Der schwere Geruch von Abgasen liegt über der Innenstadt, als das Fahrzeug mit der Nummer 8, ein Porsche SCRS, vor dem Rathaus stoppt. Am Steuer ist Schauspieler Hinnerk Schönemann, bekannt aus der Serie „Nord bei Nordwest“. Schon letztes Jahr war der gebürtige Rostocker mit am Start, als die Tour durch seine Heimat führte.
Porsche trudeln ein
Heute nun wird er von Bürgermeister Gerald Brehm begrüßt und trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Nur ganz kurz gibt es ein, zwei Autogramme, dann ist der als eher zurückhaltend und menschenscheu bekannte 48-Jährige auch schon wieder unterwegs.
Peu à peu trudelt ein Porsche nach dem anderen ein. Aus ganz Deutschland stammen die Oldtimer, aber auch aus der Schweiz, Österreich und den Niederlanden finden sich Nummernschilder. Joseph Kotrie-Monson ist mit seinem Rechtslenker, einem Porsche 964 Carrera 2 Coupé aus Großbritannien, mit auf Tour.
„Ich dachte, das ist meine Chance“
Spannend wird es aber erst, als er den Marktplatz erreicht: Walter Röhrl höchstselbst. Geschmeidig gleitet der 76-Jährige aus seinem Porsche 911L. Der Gang zum Goldenen Buch ist ein leichter, aber danach wird es richtig eng, drängen doch die Fans mit Wünschen nach Autogrammen und Selfies an den hochgewachsenen Rallye-Fahrer heran. Der glücklichste Mann des Tages aber dürfte mit Abstand Thilo Grau sein, der sich heute einen langersehnten Wunsch erfüllte. Kaum hatte der 31-Jährige erfahren, dass Walter Röhrl in Höchstadt zu Gast sein würde, hielt ihn nichts mehr.
„Das ist einfach toll, dass er in so eine kleine Stadt kommt“, sagt Grau. „Ich dachte, das ist meine Chance.“ Mit Unterstützung von Uwe Schleupner, Vorstand des Automobil-Clubs Höchstadt, durfte er seinen Lancia Delta Integrate Bj. ’89 auf dem Marktplatz parken. Sein Ziel: ein Autogramm von Walter Röhrl auf seinem Armaturenbrett. Wieso? „Röhrl ist mehrfach gegen diese Marke Rennen gefahren“, erklärt Grau. Seinen Lancia hat er seit vier Jahren. „Es gibt nicht mehr so viele“, berichtet er und erklärt, dass es nicht leicht sei, an so einen Wagen ranzukommen.
Interesse bleibt ungebrochen
Grau war schon ein wenig nervös, als er den Weltmeister um ein Autogramm bat, doch Röhrl war absolut entspannt und kam Graus Ansinnen sofort nach. Eine gute Viertelstunde nimmt Röhrl sich Zeit für seine Fans, ehe er wieder in seinen Wagen steigt und die Weiterfahrt antritt.
Ungebrochen bleibt das Interesse an den Oldtimern, nachdem der Rallye-Weltmeister und Namensgeber der Röhrl-Klassik die Stadtgrenze hinter sich gelassen hat. Schon kündigt lautes Röhren den nächsten Pulk an Porsche-Fahrzeugen an. Gegen 16.30 Uhr entert der letzte Porsche, die Nummer 18 mit Praba Thiagarajah aus Malaysia am Steuer, die Durchfahrtskontrolle auf dem Marktplatz.
Der Schlusswagen kündet schließlich vom Ende der Porscheflut in Höchstadt, der Checkpoint schließt seine Pforten und Ruhe kehrt ein vor dem Rathaus. Ein denkwürdiger Tag geht zu Ende. Ein Tag, der für Thilo Grau, den glücklichsten Mann des Tages, allerdings noch lange nachhallen wird.
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