Es gibt Autos, die haben eine unglaubliche Geschichte. Der 1973 gebaute Mercedes-Benz 220 D auf diesen Bildern, der sich heute im Besitz von David Pontones aus Spardorf befindet, gehört ohne Zweifel dazu. Es handelt sich nämlich nicht nur um eine in Deutschland höchst seltene Ausführung als Pickup. Das Auto ging außerdem durch die Hände der argentinischen Rennsportlegende Juan Manuel Fangio.
Die Geschichte der blauen Rarität beginnt im Jahr 1968, als Mercedes-Benz mit der Baureihe „/8“ eine neue Limousine der oberen Mittelklasse auf den Markt brachte. Daher auch das Kürzel, das von der letzten Ziffer des Erscheinungsjahrs 1968 kommt. Exklusiv für Argentinien gab es das Modell ab 1972 als Pickup. Der Grund: Die Einfuhr von Personenwagen nach Argentinien war damals zollrechtlich verboten. Diese Handelsschranke umging Mercedes-Benz durch den Bau einer eigens für das südamerikanische Land konstruierten Variante des /8 mit offener Ladefläche. Denn so galt das Auto als Nutzfahrzeug.
Überführungsfahrt über 500 Kilometer
„Diese Autos kenne ich aus meiner Kindheit“, erzählt David Pontones, der aus Argentinien stammt und vor rund 40 Jahren nach Deutschland übersiedelte. Heute betreibt Pontones in Neunkirchen am Brand eine Werkstatt für historische Fahrzeuge und holt immer wieder Oldtimer aus seiner alten Heimat nach Franken. Bei einer seiner Reisen durch Argentinien konnte er vor zwei Jahren in der Ortschaft Loberia den hier gezeigten Mercedes-Benz 220 D erwerben.
Den damals schon 48 Jahre alten Wagen überführte Pontones dann auf eigener Achse über rund 500 Kilometer durch das Hinterland von Buenos Aires bis an den Überseehafen, um den Oldtimer nach Deutschland zu verschiffen. Unterwegs legte Pontones eine Pause in Balcare ein, dem Geburtsort des argentinischen Rennfahrers Juan Manuel Fangio. Der war in den 1950er Jahren eine Berühmtheit und holte fünfmal den Weltmeistertitel in der Formel 1.
Viel Komfort und 60 PS
Für diesen Zwischenstopp gab es einen guten Grund: „Nachdem sich Fangio als Rennfahrer zur Ruhe gesetzt hatte, betrieb er Mercedes-Autohäuser in der Region Buenos Aires“, erklärt Pontones. Der blaue Oldtimer, den der Spardorfer gerade in Richtung Franken überführte, war einst in einem von Fangios Autohäusern gekauft worden. Der mehrfache Weltmeister soll das Bestellformular dafür persönlich unterschrieben haben, so Pontones weiter.
An der Heckklappe der Ladefläche des blauen Pickup ist eine chromglänzende Plakette angebracht, die die prominente Herkunft belegt: Sie zeigt den Namen Fangio, der sich an einen Mercedes-Stern anschließt. In Balcare steht heute noch die Farm, auf der Fangio einst gelebt hat und die von der Stiftung „Fundación Fangio“ erhalten wird. Vor dem Farmtor entstand das Titelfoto dieses Artikels.
Heute kommt Pontones regelrecht ins Schwärmen, wenn er von seinem blauen Pickup erzählt: „Der ist sehr praktisch, wenn ich etwas zu transportieren habe.“ Der Fahrkomfort stehe trotz der im Vergleich sparsamen Motorisierung mit nur 60 Diesel-PS einer modernen Limousine in nichts nach. Das Fahren ist überhaupt ein exklusives Vergnügen: Zwar gibt es in Deutschland viele /8 als Oldtimer. Aber nur ganz wenige davon sind ein Pickup.
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