„Die Straße suggeriert eine Übersichtlichkeit, die so nicht gegeben ist“, lautet die Einschätzung des Neuhauser Feuerwehrkommandanten Patrick Sorger. Er spricht von einem bestimmten Verkehrspunkt im Landkreis Erlangen-Höchstadt: Westlich zur A3 verläuft die Staatsstraße St2240 von Buch nach Klebheim. Von Neuhaus münden die ERH16, von Hesselberg die Gemeindestraße in die Kreuzung.
Weil der Kommandant diesen Abschnitt der Staatsstraße und die Kreuzung als ein Sicherheitsrisiko ansieht, fühlte er sich dazu verpflichtet, das Thema bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Neuhaus Mitte Januar anzusprechen. Er sieht die zuständigen Behörden in der Pflicht, an der Kreuzung für mehr Sicherheit zu sorgen.
Hesselberger Kreuz: Unfallschwerpunkt, oder nicht?
„Bisher wurde diese Kreuzung nicht als unfallauffällig eingestuft“, gibt Stephanie Mack, die Pressesprecherin des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt, auf FT-Anfrage Auskunft. Die Einschätzung, ob eine Verkehrsstelle als sogenannte „Unfallhäufungsstelle“ gilt oder nicht, wird laut Mack von einer Fachstelle im Bayerischen Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr ermittelt.
Grundlage dafür seien die Daten über aufgenommene Verkehrsunfälle durch die bayerische Polizei. Die jüngste Einstufung der Hesselberger Kreuzung sei auf Grundlage der Unfalldaten im Zeitraum vom 2021 bis 2023 getroffen worden. Demnach scheint die Stelle unauffällig.
„Eine Unübersichtlichkeit dort ist nicht gegeben“, sagt dazu Sabine Pelzer, Leiterin des Fachbereichs Verkehrsrecht des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt. Denn neben dem Zustand einer Straße müssen unterschiedlichste Faktoren berücksichtigt werden, die zu einem Verkehrsunfall geführt haben. „Auch der Zustand eines Fahrers, Wildunfälle oder Wetterbedingungen spielen eine Rolle“, erklärt Pelzer.
Straße bei Buch: Unübersichtliche Situation und Tempo 100 erlaubt
Nicht in der jüngsten Einschätzung enthalten sind Unfälle des vergangenen Jahres. Kurz vor Weihnachten kam es auf der Kreuzung zu einem Unfall, bei dem ein E-Scooter-Fahrer mit einem Pkw zusammen kollidiert war. Der Fahrer des E-Scooters habe reanimiert werden müssen, erinnert sich Sorger an den Unfall.
Etwa vor einem Jahr, im Januar 2024, rückte die Feuerwehr Neuhaus ebenfalls aus, als zwei Fahrzeuge an der Kreuzung kollidiert waren, eines davon stieß daraufhin mit einem Lastwagen zusammen.
Im vergangenen Sommer, Juli 2024, verunglückte ein Fahrer im angrenzenden Waldgebiet, etwa 150 bis 200 Meter von der Kreuzung entfernt. Das Auto ging in Flammen auf und brannte vollständig aus. Der 39-jährige Fahrer wurde schwerverletzt. Das alles geht aus den Einsatzberichten der Feuerwehr Neuhaus hervor.
Feuerwehrkommandant Sorger sieht vor dem Hintergrund der jüngsten Unfälle deshalb ein Problem in der Ausgangssituation an der Kreuzung: Auf der Staatsstraße von Buch aus gebe es durch kleine Waldstücke viele Schattenwechsel. Zusätzlich sei die Straße dort abschüssig, ebenso die Kreisstraße aus Neuhaus.
Über eine Brückenüberführung über die A3 münde die Straße in der Kreuzung mit der Staatsstraße. Aus zwei Richtungen kommend hätten Autofahrer hier also keinen Überblick. Dazu kommt: Auf der Staatsstraße darf laut Sorger mit Tempo 100 gefahren werden. Der Feuerwehrkommandant wünscht sich zur Entschärfung der Situation mindestens eine Reduzierung der erlaubten Geschwindigkeit auf 70 Kilometer pro Stunde.
Wie äußern sich Adelsdorf und Heßdorf?
Die Zuständigkeit der jeweiligen Straßen an der Kreuzung fallen unterschiedlichen Stellen zu: Das Staatliche Bauamt Nürnberg ist verantwortlich für die Staatsstraße ST2240, das Landratsamt Erlangen-Höchstadt für die ERH16, die Gemeinde Heßdorf für die Straße nach Hesselberg.
Der Heßdorfer Bürgermeister Horst Rehder (der mit Ablauf des 31. Januar 2025 von seinem Amt als Bürgermeister zurücktritt) äußert auf Nachfrage keine Bedenken zu der Kreuzung. „Wir haben vonseiten der Bürger auch keine Anmerkungen dazu bekommen“, sagt er. Überhöhte Geschwindigkeiten beim Einkreuzen vermutet Rehder eher als mögliche Gründe für Unfälle.
Anders sieht das Karsten Fischkal (Freie Wähler), Bürgermeister von Adelsdorf. Zwar ist Adelsdorf nicht für die Kreisstraße nach Neuhaus verantwortlich. Trotzdem ist es auch die Feuerwehr Neuhaus seines Gemeindeteils, die an die Hesselberger Kreuzung immer wieder ausrückt. Fischkal schließt sich der Meinung des Kommandanten Sorger an. „Gerade was den Verkehr angeht, könnte das Landratsamt mehr tun, um die Sicherheit in manchen Bereichen zu erhöhen“, sagt er.
Bauamt, Polizei und Landratsamt wollen prüfen
Sind unfallauffällige Straßenbereiche von der Fachstelle identifiziert, werden diese an die jeweils zuständigen Unfallkommissionen weitergegeben. Laut Landratsamt sind diese für Fragen der Verkehrssicherheit zuständig. Nun wolle man sich die Situation genauer ansehen. Die zuständige Unfallkommission, bestehend aus staatlichem Bauamt, der Verkehrsbehörde des Landratsamtes sowie Sachbearbeitern der Verkehrspolizei, werde sich die Situation vor Ort in Kürze zusammen ansehen, geben das Landratsamt sowie das Staatliche Bauamt Nürnberg Auskunft.














