Es ist das vierte Jahr in Folge, dass der Landkreis Erlangen-Höchstadt seine Bürgerinnen und Bürger auffordert, für drei Wochen – aber auch danach – statt dem Auto das Rad zu nutzen. 2707 Menschen im Landkreis haben 2024 diese Herausforderung angenommen und sich für mehr Bewegung im Alltag und Klimaschutz in den Sattel geschwungen. Der bundesweite Wettbewerb dazu nennt sich „Stadtradeln“.
Der Artikel im Überblick
- Erlangen-Höchstadt legt Zahn zu: Kreis Fürth und Nürnberg fallen zurück
- Landkreis ERH: Radwegeausbau läuft langsam
- Radnetz: Landkreis schafft mehr Orientierung
- Was lernt der Landkreis aus dem Stadtradeln?
- Radverkehrsbeauftragter: Hohe Erwartungen an Landkreis
Mit einer Leistung von 613.399 Kilometern haben die Radler im Landkreis ihren bisherigen Rekord überboten. Mit der Strecke käme man 22 Mal zum Kap der Guten Hoffnung in Südafrika – und auch wieder zurück. Tatsächlich hat sich die Kilometerleistung auf 40.430 Strecken aufgeteilt.
Kreis Fürth und Nürnberg fallen zurück
Damit haben die Radl-Fans die Nachbarlandkreise im Süden überrundet: Weder der Kreis Fürth noch das Nürnberger Land haben für sich genommen die Marke von 350.000 Kilometer geknackt. Generell hat Mittelfranken am besten von allen drei fränkischen Regierungsbezirken abgeschnitten: Stolze 3,6 Millionen Kilometer haben 16726 Radler eingefahren.
Von den 73 Kommunen, die sich in Mittelfranken angeschlossen haben, kommen 19 aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt. Doch wer hat sich zwischen Lonnerstadt, Buckenhofen, Uttenreuth und Co. an die Spitze gesetzt, wenn es um die Kilometerleistung geht? Die Grafik zeigt die Top 5 im Landkreis:
Landkreis ERH: Radwegeausbau läuft langsam
Der beste Wille reicht manchmal einfach nicht für den Umstieg aufs Rad. Dafür braucht es auch die Grundlage auf der Straße. Für ein ordentliches Radwegenetz nimmt der Landkreis Geld in die Hand. Die Grafik verrät wie viel:
Wenn Menschen dauerhaft aufs Rad umsteigen wollen, müssen sie sich sicher fühlen. Im ADFC-Radklimatest gibt es zwar keine Erhebungen für den kompletten Landkreis Erlangen-Höchstadt, aber zum Stadtradeln-Spitzenreiter Herzogenaurach zeigen die Signale in eine verhalten gute Richtung: Mit der Schulnote 3,4 haben 114 Radler 2022 die Stadt bewertet.
Auch wenn 3,4 keine gute Note ist: Im Vergleich steht Herzogenaurach in dieser Größenklasse von Kommunen gut da. In den Kategorien „Fahrradfahren macht Spaß“ (Note 3,0) und „Es fahren alle Rad, egal ob jung oder alt“(Note 2,9) liegen die Bewertungen über dem Bayernschnitt. Leidiges Thema bleiben Falschparker auf Radfahrstreifen. Die Umfrageteilnehmer geben gerade mal Note 4,1.
Radnetz: Landkreis schafft mehr Orientierung
Doch was bewegt sich in Sachen Radverkehr. Auf Anfrage des Fränkischen Tags antwortet Michael Förster, der Radverkehrsbeauftragte des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Welche größeren Fahrrad-Projekte geht der Landkreis in diesem und dem nächsten Jahr an?
„In 2024 steht als ein sehr großes Projekt die Umsetzung der wegweisenden Beschilderung des Alltagsradnetzes an. Das Alltagsradnetz im Landkreis wird in dem Zuge modernisiert, es werden neue Wegweiser angebracht und alte Schilder ausgetauscht. Es wird also nach Umsetzung des Projektes der gesamte Landkreis durchgängig beschildert sein und die Orientierung im Alltagsnetz damit deutlich erleichtert werden“, sagt Förster. Das sei ein sehr großer Schritt für den Radverkehr im Landkreis.
Außerdem soll es mehr ums Qualitätsmanagement gehen. Das heißt: „Ziel ist es, den Bestand der Radverkehrsinfrastruktur dauerhaft in gutem Zustand zu halten. Hierfür soll ein geodatenbasiertes Radwegeinformationssystem aufgebaut werden“, führt er aus. So werden in regelmäßigen Abständen die Strecken auf mögliche Schäden überprüft. Und auch abseits der Alltagswege wolle man erfassen, wo noch Potenziale für das Radel-Netz in der Freizeit stecken.
Was lernt der Landkreis aus dem Stadtradeln?
Der Radverkehrsbeauftragte verweist darauf, dass das Stadtradeln sehr beliebt sei im Kreis – viele Kommunen sind ja Teil des Wettbewerbs. Erstmals gab es einen Fotowettbewerb. Gutscheine für ortsansässige Fahrradläden kommen noch dazu. Doch welche Erkenntnisse konnten aus den Rückmeldungen beim Stadtradeln gezogen werden?
Die im Aktionszeitraum erhobenen Daten würden genaue Informationen darüber liefern, welche Wegstrecken am stärksten genutzt werden und welche weniger. Das seien wichtige Hinweise für Förster: „Etwa wenn es darum geht festzustellen, wo ein besonders hohes Verkehrsaufkommen ist und welche infrastrukturellen Maßnahmen hier dann vielleicht erforderlich sein können.“
Radverkehrsbeauftragter: Hohe Erwartungen an Landkreis
Wenn er die Stimmungslage für den Ausbau des Radverkehrs im Landkreis beschreiben müsste, würde er sie als sehr erwartungsvoll beschreiben.
“Der Landkreis ist schließlich seit 2023 als fahrradfreundliche Kommune in Bayern zertifiziert. Dies ist ein sehr großer Erfolg und auch Nachweis jahrelanger guter Arbeit, weckt aber auch zurecht Erwartungen.
”
Ein Ziel bleibe, auch 2030 wieder von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern zertifiziert zu werden. Das gelinge nur, wenn man weiter die Qualität der Strecken ausbaue.
Apropos Erwartungen: Ab dem 1. September befragt der ADFC zum aktuellen Radklima. Vielleicht können sich die Landkreis-Kommunen noch weiter steigern – jetzt, wo man beim Stadtradeln einige mittelfränkischen Teilnehmer stehen lassen hat.
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