Sie werden gebraucht wie nie zuvor: In ganz Deutschland schreien Wirtschaft und Politik nach mehr gut ausgebildeten Fachkräften. Doch auf dem Ausbildungsmarkt ist davon wenig zu spüren. Die klassische Ausbildung verliert deutschlandweit zwar nicht unbedingt an Beliebtheit, erfährt aber auch nicht den von vielen Seiten gewünschten Boom. Auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt und der Stadt Erlangen selbst sind besonders kleinere Unternehmen noch auf der Suche, viele Ausbildungsstellen sind unbesetzt. Eines der Probleme: Viele der in der Region angesiedelten Weltunternehmen sind bei den künftigen Azubis beliebter.
Azubi-Mangel im Landkreis
Die Zahlen sind anfangs erschreckend: Von insgesamt 650 gemeldeten Ausbildungsstellen im Landkreis Erlangen-Höchstadt können rund 290 Positionen bislang nicht besetzt werden. Das teilte die für Erlangen-Höchstadt zuständige Arbeitsagentur Fürth auf Nachfrage des Fränkischen Tags mit. Das bedeutet, dass im Landkreis derzeit rund 44 Prozent der ausgeschriebenen Lehrstellen noch unbesetzt sind. In der Stadt Erlangen kommen weitere 930 gemeldete Stellen hinzu, wie hier die Menge der unbesetzten Stellen liegt hier aber nicht vor. Bei der Arbeitsagentur sorgen die Zahlen allerdings für keinen großen Schock. „Gegenüber dem Vorjahresmonat haben wir im Landkreis gleichbleibende Werte“, erklärt Pressesprecher Jürgen Wursthorn.
Der Vergleich mit Zahlen vor der Corona-Pandemie sei dagegen um einiges erschreckender. Sowohl die Zahlen der Ausbildungsstellen und die Anzahl der Bewerber sind weit von den Zahlen von 2019 entfernt. „Im Landkreis sind es rund 14 Prozent weniger, in der Stadt sind es ganze 40 Prozent weniger Ausbildungsstellen als noch 2019“, so Wursthorn. Auch die Bewerberzahlen sind ähnlich problematisch. Im Landkreis sank die Zahl der Ausbildungssuchenden von 747 auf 513. In der Stadt sank die Zahl von 470 auf 361. Ein Rückgang von jeweils einem Drittel und einem Viertel. „In der Folge bleiben viele Ausbildungsstellen unbesetzt, obwohl die Betriebe teils deutlich weniger Ausbildungsplätze melden als vor fünf Jahren“, erklärt Wursthorn.
Große Unternehmen haben es leichter
Wie gut die einzelnen Ausbildungsbetriebe an ihre Azubis kommen, sei dabei dann auch noch stark unterschiedlich. Global-Player-Unternehmen wie Adidas, Puma oder Siemens hätten es dank ihrer weltweiten Bekanntheit deutlich leichter Auszubildende anzuwerben, als etwa ein kleiner Handwerksbetrieb. Dass große Unternehmen es kleineren oftmals schwieriger bei der Azubi-Suche machen, bestätigt auch sein oberfränkischer Kollege Matthias Klar von der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg: „Für die großen reicht oftmals schon der Name an sich als Werbung, die kleinen Unternehmen müssen dagegen selbst die Werbetrommel rühren.“
Dass es bei den Großen nämlich genauso läuft, wie erwartet, lässt sich auch bei den Erlanger Stadtwerken heraushören. „Es läuft bei uns schon recht gut“, beginnt Stadtwerke-Sprecher Claus Göbel auf Nachfrage der Redaktion. Wie schnell man bei den Stadtwerken Azubis findet, läge vor allem an der jeweiligen Berufsbranche. „Im kaufmännischen Bereich finden wir immer recht schnell neue Auszubildende, während es beispielsweise im gewerblichen Bereich teils etwas länger dauert“, erklärt Göbel.
Licht am Ende des Tunnels
Dass die Suche nach Auszubildenden schnell oder sogar einfach verlaufen würde, würde bei der Erlanger Handwerkerschaft wohl niemand direkt unterschreiben. „Das Handwerk ist einfach nicht sexy, dementsprechend tun wir uns auch schwer, neue Azubis zu finden“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Mevenkamp. Er leitet schon seit rund 20 Jahren die Kreishandwerkerschaft für Erlangen, Erlangen-Höchstadt und den Landkreis Nürnberger Land. Heuer hätten sich aber, was die Suche angeht, keine extremen Änderungen im Vergleich zu den Vorjahren abgezeichnet. „Schulabgänger haben oftmals erst einmal andere, nicht handwerkliche Berufe im Kopf“, so der Geschäftsführer.
Dennoch sieht auch er langsam ein Licht am Ende des Unbesetzte-Stellen-Tunnels. Besonders in den „Grünen“ Handwerksberufen würde das Interesse wieder steigen. „Für viele Jüngere wird das Handwerk vorwiegend dann interessant, wenn man etwas für die Energiewende und gegen den Klimawandel tun kann“, sagt Mevenkamp. Genauso würden immer mehr merken, dass auch ein handwerklicher Beruf den Wunsch nach etwas Kreativem erfüllen kann: „Immer mehr reizt es, wenn sie kreativ arbeiten und am Ende sogar etwas Richtiges in den Händen halten können.“ Somit herrscht auch im Erlanger Handwerk ein wenig Optimismus, was den Azubi-Markt der kommenden Jahre angeht.
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