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Energiekrise
Bäckerei produziert wegen Stromkosten öfter am Tag
Im nächsten Jahr sollen an der neuen Betriebsstätte im Gewerbegebiet Limbach die Maschinen und Öfen anlaufen.
Im nächsten Jahr sollen an der neuen Betriebsstätte im Gewerbegebiet Limbach die Maschinen und Öfen anlaufen. // Evi Seeger
Signet des Fränkischen Tags von Evi Seeger
Limbach – Die Bäckerei Burkard aus Pommersfelden zieht auf ein Betriebsgelände in Limbach um. Horrende Preise für Öl und Strom treffen die Bäcker hart.

„Das ist es!“ Robert Burkard, Chef der gleichnamigen Bäckerei in Pommersfelden, wusste es sofort, als er das leer stehende Betriebsgebäude im Gewerbegebiet Limbach besichtigte. Vor einigen Monaten hat Burkard die einstige Betriebsstätte des Unternehmens Lips erworben, um die Bäckerei dorthin zu verlagern. Das Ladengeschäft in Pommersfelden soll jedoch weiter bestehen.

Bäcker- und Konditormeister Toni Burkard (links) wird nach seinem Vater Robert den Familienbetrieb in der neunten Generation weiterführen.
Bäcker- und Konditormeister Toni Burkard (links) wird nach seinem Vater Robert den Familienbetrieb in der neunten Generation weiterführen. // Evi Seeger

Nach langem Suchen und Planen, enormen Kosten und viel Ärger habe man mit dem Kauf einen Glückstreffer gelandet, sind sich die Inhaber einig. Zunächst hatten sie eine neue Halle am alten Standort geplant und für Planung, Lärm- und Geruchsgutachten große Summen ausgegeben. Der Widerstand eines benachbarten Betriebs hatte ihnen jedoch das Projekt verleidet.

Im Schatten von Schloss Weissenstein, am Ende der Kastanienallee, ist der Stammsitz der Bäckerei Burkard. Seit nunmehr 262 Jahren wird sie unter dem Namen geführt. Der jüngste Spross der Familie, Toni Burkard, ist Bäcker in der neunten Generation.

In der Backstube ist es eng

In der Backstube ist es eng, sehr eng. Selbst wenn nur ein Teil der insgesamt 30 Beschäftigten vor Ort ist, müssen Gerätschaften und Wagen ständig hin- und hergeschoben werden, was rationelles Arbeiten schwierig macht.

In der Backstube am alten Standort in Pommersfelden herrscht drangvolle Enge.
In der Backstube am alten Standort in Pommersfelden herrscht drangvolle Enge. // Evi Seeger

Als Anfang der 1990er Jahre die Bäckerei in Sambach für immer schloss, hatte Burkard erstmals erweitert. Mittlerweile sind daraus 13 An- und Umbauten geworden. „Fünf Öfen gibt es, und alles muss per Hand eingeschossen und wieder rausgeholt werden“, sagt Robert Burkard. „Unsere Kapazitäten sind völlig ausgeschöpft“, bestätigt Sohn Toni.

Zunächst Adelsdorf im Auge

Zunächst hatte man ein Gewerbegrundstück in Adelsdorf ins Auge gefasst. „Doch dafür war die Zeit noch nicht reif“, sagt Burkard. Mit dem neuen Standort blicken die Inhaber zuversichtlich in die Zukunft. Nachdem Toni Burkard ohnehin als Nachfolger feststeht, zeichnet er auch als Bauherr für die neue Betriebsstätte verantwortlich.

Für die Übernahme des Betriebs mit aktuell 13 Verkaufsstellen hat der 23-Jährige die besten Voraussetzungen. Seine Ausbildung zum Bäcker absolvierte Toni Burkard in Altdorf bei Nürnberg (Bäckerei Fuchs). Nach der Gesellenprüfung arbeitete er einige Zeit in einer Bamberger Bäckerei, um dann in Neumarkt in der Oberpfalz in der Konditorei Wittl eine zweijährige Konditorausbildung anzuhängen. Aus der Prüfung ging er als Kammersieger der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz hervor.

Auf der Akademie in Weinheim

Nächster Schritt war der Besuch der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim. Nach einem Jahr hatte Burkard jun. nicht nur seinen Meisterbrief im Bäcker- und Konditorhandwerk in der Tasche, sondern auch den Abschluss zum Betriebswirt Handwerk. Der 23-Jährige ist aber nicht nur mit Leib und Seele Bäcker und Konditor, sondern widmet sich auch der Landwirtschaft. Auf den eigenen Feldern baut er Bioland-Getreide, das in der Bäckerei selbst vermahlen wird.

Die große Halle am neuen Standort soll künftig zu einer wirtschaftlicheren Produktion beitragen und zudem die Mitarbeiter entlasten.
Die große Halle am neuen Standort soll künftig zu einer wirtschaftlicheren Produktion beitragen und zudem die Mitarbeiter entlasten. // Evi Seeger

Bevor das Lips-Gebäude den Besitzer wechselte, stand es ein Jahr lang leer. In der ersten Hälfte des nächsten Jahres soll die Produktion am neuen Standort anlaufen. Das 18 Jahre alte Gebäude sei in einem sehr guten Zustand. Der Bürotrakt könne unverändert übernommen werden. In den einstigen Sozialtrakt sollen künftig die Konditorei und die Snackküche einziehen. Die Sozialräume der Bäckerei werden dafür im Obergeschoss ihren Platz haben.

Herzstück der gesamten Anlage wird jedoch die 2100 Quadratmeter große Halle sein. Dort werde die Produktion so eingerichtet, dass auch die Mitarbeiter enorm entlastet werden. „Wir wollen weiterhin nach alter Handwerkstradition, jedoch mit neuester Technik arbeiten“, erklärt Burkard. Das sei auch vonnöten, um den derzeit wenig nachgefragten Bäckerberuf für junge Menschen wieder attraktiver zu machen.

Umwelt und Nachhaltigkeit haben die Burkards bei ihrem neuen Standort im Blick: „Wir versiegeln keine neuen Flächen, sondern übernehmen einen Bestand.“ Der Betrieb solle auch nicht vergrößert, sondern stabilisiert werden.

Silos werden 14,8 Meter hoch

Hinzukommen werden zwei Mehlsilos mit einer Gesamthöhe von 14,8 Metern. „Ein Plus für die Umwelt“, betont der Inhaber. Aktuell müsse der Müller beinahe täglich Mehl anliefern, weil nicht genug Silovolumen vorhanden sei. Geplant ist zudem ein Anbau im Osten der bestehenden Halle, um die Auslieferung einzuhausen.

Toni (links) und Robert Burkard halten das neue Betriebsgelände im Gewerbegebiet Limbach für einen Glückstreffer. Das Gebäude der ehemaligen Firma Lips (im Hintergrund) stand bereits ein Jahr lang leer, als es die Burkards erwarben.
Toni (links) und Robert Burkard halten das neue Betriebsgelände im Gewerbegebiet Limbach für einen Glückstreffer. Das Gebäude der ehemaligen Firma Lips (im Hintergrund) stand bereits ein Jahr lang leer, als es die Burkards erwarben. // Evi Seeger

Auch eine Hackschnitzelheizung soll installiert werden. Denn die Zeit der fossilen Brennstoffe ist für die Bäckerei am neuen Standort endgültig vorbei. Die aktuell horrenden Preise für Öl und Strom treffen gerade ihre Berufsgruppe heftig. „Aber die Öfen müssen laufen.“ Deshalb wird nach neuesten energetischen Standards geplant.

Auch Gespräche über ein Nahwärmenetz wurden bereits mit Nachbarfirmen geführt. Auf dem Dach werde eine Photovoltaikanlage Strom für den Eigenbedarf erzeugen. Weil der Solarstrom tagsüber zur Verfügung steht, soll künftig auch verstärkt tagsüber produziert werden.

 

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