IT und Kunst – eine Kombination, die für viele vielleicht nicht unbedingt auf der Hand liegt. Für Jutta Reindler jedoch ist sie alltäglich. „Ich führe ein hybrides Leben“, erklärt sie gleich zu Beginn bei einem Treffen in Herzogenaurach. Gemeint ist damit der Spagat zwischen ihrer Karriere im IT-Bereich eines großen Konzerns, wo sie sich mit Digitalisierung und Customer Experience beschäftigt, und ihrer Kunst, die sie in den vergangenen Jahren wieder für sich entdeckt hat.
Versteckte Symbole in den Bildern
„Mein Motto ist die Entdeckerlust“, sagt sie. „Der Wunsch, der dahintersteckt, ist, dass man die Entdeckerlust, die in jedem steckt, erhält oder wiederbelebt. Das ist ein sehr positives, farbenfrohes Motto. Deswegen ist auch meine Kunst farbenfroh.“ Ihr Stil sei abstrakt symbolistisch, in ihren Bildern sind also immer wieder kleine Symbole versteckt, die es zu entdecken gilt.
Jetzt will sie mit ihrer Kunst auch die Herzogenauracher Innenstadt beleben – und vielleicht ein bisschen mehr Farbe in deren Alltag bringen. Bisher habe sie in einer Scheune in Frauenaurach gemalt und auch Teambuilding-Workshops gegeben, bei denen die Teilnehmer gemeinsame Visionen verfolgen konnten. Dort sei sie aber schnell an ihre Grenzen gelangt, weil die Räumlichkeiten dafür nicht ausgestattet waren. Auch auf anderen Wegen hat sie ihre Kunst verbreitet, zum Beispiel auf einer Ausstellung im Restaurant Tannebaums. „Es gibt viele Wege, die man probieren kann, die mehr oder weniger von Erfolg gekrönt sind“, erklärt Reindler. So sei es zum Beispiel schwierig, in Galerien aufgenommen zu werden. Schließlich habe sie begonnen, nach einer Location in Herzogenaurach zu suchen.
Geteilter Arbeitsplatz für weitere Künstler
In der Hauptstraße 20 soll nun ab September ein ganz neues Konzept entstehen, das „herzo Art Space“. „Ich will so eine Art Co-Creation Space machen für Künstler, aber idealerweise auch für Teambuilding-Workshops“, erklärt Reindler. „Ich möchte es als mein Atelier nutzen, möchte aber auch einen zweiten Arbeitsplatz für weitere Künstler anbieten, entweder als Mitkünstler oder auch nur zeitweise.“ Auch jetzt arbeitet Reindler schon mit anderen Künstlern, berät sie bei deren Webpräsenz und Social Media Auftritten.
Bis zur Eröffnung hat Reindler noch ein wenig Arbeit vor sich: Es soll eine Schiene an der Decke installiert werden, an der sie ihre Bilder befestigen kann, um sie auszustellen. Auch Tische für die Workshops müssen noch angeschafft werden, ebenso wie ein Lichtsystem. Insgesamt sollen die Räume hell, freundlich und offen werden, Ambiente soll durch die bunten Bilder entstehen. Wichtig ist für sie an dem neuen Standort die Sichtbarkeit. „Es gehen auch mal Leute vorbei, schauen rein“, erklärt sie. Die zwei großen Schaufenster schaffen dabei genug Platz für zwei Künstler.
Sogar für ihre erste Serie hat Reindler schon eine Idee, wie sie mit einem breiten Grinsen verrät. „Ich möchte die Störche von Herzogenaurach malen“, erzählt sie. „Die sind ja quasi ein Wahrzeichen geworden.“ Zur Eröffnung ihres neuen herzo Art Space am 20. September soll auch ein Storchexperte kommen und interessante Fakten teilen. „So kann man auch neue Formate schaffen“, sagt Reindler. Themen habe sie als Künstlerin genug. „Ich gehe auch durch die Welt und finde überall etwas Schönes oder Spannendes.“
Stadtmarketing: Wichtige Entwicklung
Nicht nur Reindler selbst ist begeistert von ihrer Idee. „Wir sind hier in der Hauptstadt der Visionäre“, gibt Björn Diesel zu bedenken. Als einer der vier Eigentümer freut er sich über die Ambitionen für die Räume. „Es hat nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht. Wir haben darüber gesprochen und die Vision hinter der Idee, das Teambuilding, das Kreative hier in Herzogenaurach so hervorzuheben, das ist genial.“ Auch der moderne Ansatz habe ihn begeistert. „Dass die Moderne hier Einzug hält, empfiehlt sich ja generell.“ Ähnlich sieht es Miteigentümerin Inge Weiß: „Man musste natürlich erstmal darüber nachdenken, es ist ja was ganz anderes, als ein normaler Laden. Aber ich bin schier begeistert.“
„Für die Innenstadt bedeutet das auch eine sichtbare Transformation“, findet Judith Jochmann, Leiterin des Stadtmarketings. „Jetzt wird es sichtbar, dass neue Konzepte Innenstädte verändern. Das sind genau die Konzepte, die Innenstädte auch brauchen.“ Natürlich sei der Handel nach wie vor wichtig für die Innenstädte. „Aber hier entsteht auch ein Ort für Austausch, zum Themen setzen und den Diskurs anzuregen. Wo kann das besser funktionieren, als an einer Hauptstraße, wo das tägliche Leben aus arbeiten, leben, einkaufen stattfindet.“ Damit etwas Neues entstehen könne, brauche man auch neue Ansätze, gibt sie zu bedenken. Dazu zählen beispielsweise auch kürzere Mietverträge, die auf diejenigen, die die Ideen haben, nicht abschreckend wirken. „Oft ist es nur ein Betrauern von dem, was es nicht mehr gibt. Aber wo Neues ins Rollen gebracht wird, öffnen sich dann vielleicht auch andere dafür“, hofft Jochmann.
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