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Fokus auf Nachhaltigkeit
Alles aus Filz: Brüder starten mit Nischen-Onlineshop durch
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Paul und Hannes Klaussner (links) haben mit ihrem Unternehmen easy&green noch viel vor. // David Nedoschill
Herzogenaurach – Filz aus PET-Flaschen ist das Erfolgsrezept von Paul und Hannes Klaussner. Sie setzen auf nachhaltige und lokal erzeugte Produkte – obwohl sie ganz anders angefangen haben.

Mit den eigenen Geschwistern arbeiten? Für einige vielleicht unvorstellbar. Hannes und Paul Klaussner hingegen sehen nur Vorteile darin. „Für uns ist es leicht, weil wir Brüder sind. Wir kennen die Stärken des anderen und ergänzen uns gut. Wir haben ein besseres Vertrauen zueinander“, erzählt Hannes. „Wir können gut kommunizieren, auch wenns mal nicht so läuft.“ „Wobei man unsere Meetings manchmal vielleicht nicht als Außenstehender beobachten will“, gibt Paul grinsend zu. 

Seit vier Jahren arbeiten die beiden Herzogenauracher zusammen, ziehen den Onlineshop „easy&green“ auf. Der Fokus liegt dabei auf Produkten aus Filz – und auf Nachhaltigkeit. Das war jedoch nicht von Anfang an so, wie sie schnell zugeben. „Angefangen haben wir damals damit, dass wir Waren aus China importiert und dann auf Amazon verkauft haben“, erzählt Paul. Mit Impfpasshüllen aus Filz landeten sie einen riesigen Hit beim Online-Giganten. „Ich glaube, wir hatten damals sogar die erste Impfpasshülle aus Filz auf Amazon“, so Paul. 

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Paul Klaussner ist überzeugt: Die Zusammenarbeit mit seinem Bruder bringt für beide nur Vorteile. // Anna-Lena Reif

Bald merkten die beiden jedoch, dass die Importware aus China nicht das richtige für sie ist. „Es gab da einen Moment. Wir hatten so Schreibtischunterlagen aus Filz. Wegen irgendeiner Misskommunikation mit dem chinesischen Lieferanten waren die nicht gerollt, sondern geknickt“, erinnert sich Hannes. „Wir standen da in der Garage eines Kumpels im Dezember mitten in der Nacht und haben jede einzelne Unterlage gebügelt. Das hat so gedampft und gestunken, dass wir die Atemschutzmasken tragen mussten.“

Prägendes Erlebnis: Nachhaltigkeit statt Chinaimport

Heute können die Brüder darüber lachen, damals jedoch wollten sie so nicht weitermachen. „Wir haben gemerkt, dass das nicht unser Anspruch ist“, erklärt Paul. „Wir haben zwar gemerkt, dass das funktioniert. Aber die Kommunikation war so schlecht und uns war dann auch bewusst, dass das eben nicht gerade nachhaltig ist“, so der 26-Jährige.

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Zum Gespräch in der Redaktion haben die Brüder auch einige ihrer Produkte mitgebracht. Hannes Klaussner zeigt die Filz-Sitzkissen, die speziell für Designerstühle produziert werden. // Anna-Lena Reif

Ein neuer Lieferant musste also her. Fündig wurden die Geschwister bei einem anderen Familienunternehmen: MAXXFactory in Hof. „Dazu gibt es auch eine coole Anekdote“, sagt Hannes grinsend. „Wir saßen dann bei unserem Produktionspartner in Hof und haben unsere Produkte aus China mitgebracht. Und die Chefin der Produktionsleitung meinte nur, dass das kein Filz ist, was wir da verkauft haben – und dass sie das nicht mal benutzen würde, um ihre Maschinen zu putzen.“

Statt Wollfilz Stoff aus PET-Flaschen

Was in ihren Produkten nun verarbeitet wird, hat mit den Anfängen nichts mehr gemeinsam. Die Rohmaterialien werden bevorzugt aus Deutschland, maximal aber aus dem europäischen Raum eingekauft, wie auch MAXXFactory-Chefin Dagmar Kornhaas bestätigt. „Der Filz kommt zum Beispiel aus Norditalien“, erzählt sie. Es handelt sich dabei aber nicht um klassischen Wollfilz, sondern um eine Upcycle-Variante. „Es ist recycelte Ware, der Filz wird aus PET-Flaschen gewonnen. In unserem Land gibt es nicht mehr die Schafherden, wie in Australien oder Neuseeland. Von dort kommt die meiste Wolle her, die dann gewaschen und in Deutschland verarbeitet wird.“ Bei dem Filz, den ihre Firma für die Produkte von easy&green verarbeitet, handelt es sich demnach um eine lokale Alternative. Außerdem werden alle Produkte lokal in Hof gefertigt. 

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Der große Korb für Kaminholz ist eines der beliebtesten Produkte bei easy&green. Durch die lokale Herstellung ist er aber auch kostspieliger als manche Konkurrenzprodukte. // David Nedoschill

Aber wieso eigentlich Filz? Die Brüder schmunzeln. Es sei eine Geschäftsentscheidung gewesen. „Wir wollten Nischen finden“, so Paul. Nach dieser Devise entwickeln die Brüder zusammen mit ihrem Produktionspartner auch die Produktpalette weiter. „Man muss fairerweise schon sagen, dass unser Kundensegment eher Besserverdienende sind“, erklärt Hannes. Das liege teils an den nachhaltig produzierten und lokal hergestellten Waren.

Nischengruppe Besserverdiener

Teils aber auch am Sortiment: Große Körbe für Feuerholz mit Eichenholzgriffen, Sitzkissen für Designerstühle oder längliche Wärmflaschen mit einer Ummantelung aus Bio-Baumwolle. „Und es sind natürlich auch nicht alle Leute bereit, das zu zahlen“, gibt der 23-Jährige zu bedenken. „Der Käufer ist natürlich auch geprägt von Onlineshops wie Temu und Co. und da ist es schwierig. Aber wir haben da unsere Nische gefunden und Kundschaft, die auf nachhaltige Produkte Wert legt. Und wir versuchen, das immer zu kommunizieren.“ Inzwischen vertreiben sie ihr Sortiment auch nicht mehr nur über Amazon, sondern sind auch auf anderen Portalen wie Etsy und Otto vertreten. 

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Die Produkte von easy&green werden bei einem Partner in Hof lokal gefertigt. // David Nedoschill

Aktuell betreiben die beiden ihr Geschäft zu zweit – neben dem Studium. Dabei machen sie das meiste, was anfällt, selbst. „Wir arbeiten jetzt nicht mit großen Agenturen zusammen. Die Kernkompetenzen, die wir bei uns sehen, sind Marketing, Produktauswahl, Corporate Design und quasi alles, was in Produkt und Vermarktung fließt“, führt Paul aus. Nur für zu spezifische Dinge seien Freelancer im Einsatz. Auch Freunde unterstützen regelmäßig, zum Beispiel bei den Produkt- und Teamfotos. 

Dennoch: Es ist viel Arbeit, die die beiden schultern. „Aber wir sind da teilweise auch noch ein bisschen blind, glaube ich“, gibt Paul schmunzelnd zu. „Es wurde schon immer mehr Arbeit in den letzten drei Jahren“, bestätigt Hannes. Gerade während der Klausurenphasen sei es manchmal ganz schön eng. „Trotzdem: Jeden Montag, wenn ich aufstehe und arbeiten muss, freue ich mich darauf. Ich hatte noch nie das Gefühl, dass ich keine Lust auf den nächsten Tag habe.“ 

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