Technologie-Revolution als Wachstumsmotor: Dieses Motto prägte den Innovation Day in Erlangen. Im Mittelpunkt standen Mittelstand, Technologie und Transformation. In der Heinrich-Lades-Halle kamen Führungskräfte sogenannter „Hidden Champions“ zusammen. Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Start-ups. Gemeinsam widmeten sie sich den zentralen Fragen nach aktuellen Trends, den größten Herausforderungen und den möglichen Wegen in die Zukunft.
Geladen war jeder, der sich für Innovation, disruptive Technologien und strategische Neuausrichtung interessiert: Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Investoren und mittelständische Firmen, die ihren Platz in der globalen Konkurrenz behaupten wollen. Den Auftakt bildete am Morgen eine Keynote über die Wettbewerbsfähigkeit des Tech-Standorts Europa, gefolgt von einem Vortrag von Professor Olaf Groth unter dem Titel „Deutschland 2030 – Gestalter oder Vasall der kognitiven Weltwirtschaft?“
Rainer Brehm spricht in Erlangen über KI in der Produktion
In einer anschließenden Podiumsdiskussion sprachen Vertreter aus Industrie und Verbänden darüber, wie Europa seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen kann. Eindrucksvoll war der Vortrag von Rainer Brehm, CEO Factory Automation bei Siemens Digital Industries. „Von Automatisierung zu Autonomie – wie KI die Produktion der Zukunft gestaltet“. Gleich zu Beginn machte er deutlich: „Jede dritte Maschine weltweit wird mit einer Siemens-Steuerung automatisiert. Wir sind hier Weltmarktführer.“ Doch die entscheidende Frage, die im Raum stand, lautete: Geht es beim Automatisieren überhaupt noch weiter? Und Brehm hatte eine Antwort: „Wir glauben: Ja. Denn der nächste Schritt ist mehr Autonomie, und dafür setzen wir auf Künstliche Intelligenz.“
Dabei betonte er allerdings, dass KI nicht gleich KI sei: „Wir müssen industrielle KI entwickeln, die verlässlich und vertrauenswürdig ist. 99 Prozent Sicherheit reichen hier nicht. In der Fertigung darf es schlicht keine Fehler geben.“ Der Schlüssel dazu liege in den Daten, die Siemens aus realen Fertigungsprozessen gewinnt – und nicht, wie oft üblich, aus frei verfügbaren Internetquellen. „Nur so machen wir KI industrietauglich“, sagte Brehm. Gleichzeitig müsse sie für Anwender zugänglich sein: „Wenn nur ein paar Spezialisten sie einsetzen können, bringt uns das nicht weiter. Der Anwender muss sie nutzen können.“
Während klassische KI bislang vor allem analytisch arbeitete, also Muster erkannte und Optimierungen vorschlug, sieht Brehm großes Potenzial in der generativen KI. Sie könne Inhalte erzeugen, Prozesse unterstützen und künftig eine breitere Anwendung finden. Siemens arbeite intensiv daran, diese Modelle für die Industrie zu ergänzen. Mit industriellen „Copiloten“ wolle man Beschäftigte entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützen. Vom Produktdesign über die Planung bis hin zum transparenten Betrieb und verbesserten Service. Ein Beispiel nannte Brehm stolz: den Hermes Award, den Siemens für den „Engineering Copilot“ mit ThyssenKrupp erhielt.
Innovation Day in Erlangen mit Codesphere und Datev
Dort habe die KI nicht nur die Effizienz gesteigert, sondern auch die Fehlerrate deutlich gesenkt. Der Blick in die Zukunft ging schließlich noch einen Schritt weiter: „Wir glauben, dass künftig Agenten eigenständig Aufgaben übernehmen werden. Sie sollen ganze Workflows automatisieren, indem sie direkt auf Software-Tools zugreifen.“ Siemens, so machte er deutlich, will diese Zukunft nicht nur begleiten, sondern aktiv möglich machen. Am Nachmittag standen konkrete Anwendungsfelder im Vordergrund.
Thomas Weyand von Codesphere zeigte, wie Unternehmen KI praktisch implementieren, während Carolin Kaiser vom Nürnberger Institut für Marktentscheidungen erklärte, wie Konsumenten mithilfe intelligenter Technologien klügere Kaufentscheidungen treffen können. Ergänzt wurde das Programm durch Beiträge von Datev-Vorstand Martin Krämer über den digitalen Wandel im Mittelstand sowie durch eine Diskussion über Innovationsstrategien und Technologieoffenheit im deutschen Mittelstand. Zum Schluss gab es einen Vortrag vom DAX-Strategen Christian Schwedler mit einer eindrucksvollen Keynote zur „Zerreißprobe zwischen Tagesgeschäft und Transformation“. Die Pausen boten Gelegenheit zum Netzwerken und persönlichen Austausch.












