Noch Rollen in Höchstadt Lkws vom Firmengelände „Im Lekkerland 1“. Doch das Logistikzentrum von Lekkerland mit seinen rund 100 Mitarbeitern wird es in Zukunft dort so nicht mehr geben. Das Unternehmen, das zur Rewe Group gehört, hat große Pläne. Zu groß, als dass sie am Standort in Höchstadt hätten umgesetzt werden können. Stattdessen verschlägt es das Großhandelsunternehmen in das nur wenige Kilometer entfernte Mühlhausen. Dort soll zukünftig ein neues Zentrallager den süddeutschen Raum beliefern.
Lekkerland verlässt Höchstadt
Die Pläne für den Neubau hat Lekkerland der Bevölkerung vor Kurzem in einer Bürgerversammlung in Mühlhausen vorgestellt. Für Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm kommt die Nachricht über den geplanten Umzug nicht überraschend. Schon seit drei bis vier Jahren sei bekannt, dass das Unternehmen sich vergrößern und deshalb umziehen möchte. Aufgrund der großen Fläche, die Lekkerland brauche, habe die Standortsuche wohl etwas gedauert.
In Mühlhausen scheint das Unternehmen nun fündig geworden zu sein. Am Autobahnanschluss der A3, Ausfahrt Höchstadt Nord, soll ein Gebäude mit etwa 30.000 Quadratmetern entstehen. Das gesamte Gelände umfasst planmäßig 90.000 Quadratmeter, was über zwölf Fußballfeldern entspricht. Eine Größenordnung, die in Höchstadt nicht machbar gewesen sei.
„Sie wären gerne in Höchstadt geblieben, aber wir können diese Flächen nicht darstellen“, erklärt Brehm. Es habe Gespräche mit Lekkerland gegeben, doch am Ende habe der Stadtrat entschieden, dass man so große Flächen für Logistik nicht mehr zur Verfügung stellen wolle. Stattdessen sollen heimische Gewerbe oder Gewerbe mit einer höheren Arbeitsplatzdichte auf der Fläche in Höchstadt Platz finden.
Bürgermeister Brehm über möglichen Leerstand
Droht jetzt erneut ein riesiger Leerstand in Höchstadt? Direkt gegenüber von Lekkerland befindet sich das Meinhart-Gelände. Das Areal im Kieferndorfer Weg mit seinen rund 74.000 Quadratmetern stand längere Zeit leer, nachdem sich die Firma Meinhart von dort zurückgezogen hatte. Seit Anfang 2024 hatte das Unternehmen die Fläche testweise wieder genutzt. Hier scheint also immerhin etwas Leben zurückzukehren.
Und auch nebenan bei Lekkerland macht sich Bürgermeister Brehm wenig Sorgen um einen möglichen Leerstand. Bei der aktuellen Situation auf dem Logistikmarkt habe er keine Bedenken. Zudem wolle sich Lekkerland um einen Nachmieter kümmern.
Lekkerland: Bauplanung noch am Anfang
Bis der Umzug tatsächlich stattfindet, wird vermutlich sowieso noch einige Zeit ins Land gehen. „Lekkerland plant in Mühlhausen eine Entwicklung für ein neues Logistikzentrum. Der Weg ist aber noch lang, da erst Baurecht geschaffen werden muss“, erklärt eine Sprecherin von Lekkerland. Zunächst müssten alle erforderlichen Schritte, wie ein Bebauungsplanverfahren und Änderungen des Flächennutzungsplanes, durchgeführt werden. Erst dann könne das geplante Projekt umgesetzt werden.
Der Neubau in Mühlhausen ist Teil der langfristigen Wachstumsstrategie des Unternehmens. Mit einem „Logistiknetzwerk der Zukunft“ will sich Lekkerland für die Anforderungen im Bereich „Unterwegskonsum“ von morgen rüsten. „Unter anderem soll ein deutlicher Ausbau der Frische- und Tiefkühlkapazitäten die Logistik für den erwarteten Anstieg der entsprechenden Volumina – aufgrund einer verstärkten Nachfrage der Verbraucher:innen nach diesen Produkten – vorbereiten“, so Lekkerland.
Lekkerland schafft Arbeitsplätze in Mühlhausen
Klaus Faatz, Bürgermeister von Mühlhausen, blickt positiv auf das Projekt. „Für Mühlhausen wäre das schon was Gutes, dass wir eine Gewerbeansiedlung in einem größeren Bereich kriegen.“ Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es für den Ort ein guter Sprung. Insbesondere die Arbeitsplätze, die bei Lekkerland entstehen sollen, sieht Faatz als Bereicherung.
Das Unternehmen plant seine Belegschaft bis 2030 auf rund 300 Mitarbeiter zu erweitern. Die 100 bereits in Höchstadt Beschäftigten möchte Lekkerland mit nach Mühlhausen bringen. „Der Standortwechsel würde innerhalb der Region stattfinden – für und mit den Mitarbeitenden des bisherigen Standorts in Höchstadt“, schreibt das Unternehmen.
Auswirkungen auf Gewerbesteuer in Mühlhausen
Inwieweit sich die Ansiedlung von Lekkerland auch finanziell lohnt, könne man noch nicht genau einschätzen, erklärt Faatz. Lekkerland gehöre zu Rewe, was bedeute, dass alle Steuern zunächst an den Hauptsitz in Köln abgeführt würden. Mühlhausen erhalte lediglich anteilig Lohnsummen. Der Vorteil der Konzernstruktur sei allerdings, dass man bereits ab dem ersten Jahr mit Gewerbesteuereinnahmen rechnen könne.
Zusammen mit dem Neubau steht voraussichtlich noch ein weiteres Projekt an. Der Markt plane, sich nebenan eine Fläche zu sichern und vielleicht andere Gewerbe anzusiedeln, verrät Faatz. Das hätte den Vorteil einer gemeinschaftlichen Erschließung.
Bis der erste Bagger rollt, wird es aber vermutlich noch etwas dauern. Der Neubau soll im August 2028 fertig sein. Die geschätzte Bauzeit liegt bei etwa 20 Monaten.















