Seit 1907 existiert der Stuckateur- und Malerbetrieb Gerhard Kilian GmbH in Vestenbergsgreuth. Drei Generationen sind dort derzeit am Werk. Mit drei Auszubildenden, rund 20 Mitarbeitern und der aktiven Arbeit an Schulen und in den sozialen Medien ist das Unternehmen gut aufgestellt – und hat aktuell auch noch einen Grund zu feiern.
Seit Mitte November darf die jüngste Generation im Haus, Kevin Kilian, sich als besten Stuckateur Deutschlands bezeichnen. Darauf angesprochen, nickt der 22-Jährige bescheiden. Ein bisschen Stolz schwingt dann aber doch mit, als er vom Wettbewerb berichtet, der im baden-württembergischen Bühl stattgefunden hat. „Wir sind am Samstag angekommen, konnten unseren Arbeitsplatz einrichten und wurden am Abend offiziell zur Deutschen Meisterschaft begrüßt. Am Sonntagmorgen bekamen wir die Aufgaben und starteten direkt im Anschluss mit dem Wettkampf“, erzählt er. Wie dieser aussehen würde, wussten die Kandidaten vorher nicht. Ob im Vorfeld wohl das Richtige geübt wurde?
Klassischer Stuck in der Meisterschaft
„Bei uns war dieses Jahr unter anderem der klassische Stuck dabei, der die letzten Jahre nicht in dieser Form gefragt wurde“, berichtet Kilian. Zu Beginn musste er eine Schablone aus Blech und Holz in Form einer Sinuskurve bauen. Dann mussten die Wettstreiter Gips anrühren und nach genauen Plänen einen Stuckstab ziehen. Dabei, so Kilian, käme Stuck in der täglichen Arbeit eines Stuckateurs kaum noch vor. In seinem Betrieb seien eher Putz-, Maler- oder Trockenbauarbeiten sowie Dachausbauten und energetische Sanierungen gefragt. Das Stuckziehen sei aber dennoch die Meisterdisziplin im Stuckateurhandwerk.
Im Wettbewerb konnte Kilian das Fachwissen zum Stuck dennoch abrufen. „Am Anfang ist man schon ziemlich nervös“, erzählt er schmunzelnd. „Aber wenn man dann mal drin ist, setzt sich das schnell. Ich hatte dann einfach den totalen Tunnelblick.“ Zwei volle Arbeitstage hatte er im Wettbewerb Zeit. Am Ende beurteilte eine Jury anhand von 40 verschiedenen Kriterien, wie der Oberfläche, Maßen oder den Kanten, die Arbeit der Kandidaten.
Dass er gewonnen hat, ist jedoch nicht nur eine tolle Werbung für seinen Familienbetrieb. Für Kilian heißt das auch, dass es noch weitergeht – in die Nationalmannschaft. Zusammen mit neun anderen Stuckateuren darf er nun zwei Jahre lang das Stuckateurhandwerk bei öffentlichen Auftritten wie Messen oder Leistungsschauen repräsentieren.
Wettbewerbe sind Werbung für das Handwerk
Dabei war Kilian sich, als die Einladung zur Meisterschaft kam, gar nicht sicher, ob er wirklich teilnehmen sollte. Weil er im Rahmen seines dualen Studiums zum Bauingenieur noch die Technische Hochschule besucht, war er zunächst unsicher wegen des zeitlichen Aufwandes. „Und ich bin eben auch nicht so oft auf Baustellen wie andere in der Ausbildung. Ich bin eigentlich nur in den Semesterferien wirklich auf Baustellen, da fragt man sich schon, wie viel Chancen man da hat“, erzählt er. Schließlich habe er sich aber doch dafür entschieden, es einfach mal zu probieren. „Ich habe mir gedacht, diese Chance hat man nur einmal im Leben.“
Was für ihn an den Wettbewerben auch wichtig ist, ist die Werbung für das Handwerk. So war bei der deutschen Meisterschaft der zweite Tag ein offener Tag für alle, der dritte Tag dann speziell für Schulen. Auch in seinem Betrieb ist die aktive Suche nach Mitarbeitern im Handwerk ein Thema. Zwar gibt es hier aktuell drei Auszubildende. Selbstverständlich ist das für Handwerksbetriebe aber nicht, wie auch Kilian weiß.
Dennoch ist er positiv gestimmt. „Es geht, glaube ich, schon wieder etwas bergauf. Das Umdenken ist ja teilweise da, die Medien berichten viel darüber. Das sind gut bezahlte Jobs im Handwerk und auch Jobs, die nicht durch die KI ersetzt werden können“, ist er überzeugt. Vor allem der Beruf des Stuckateurs begeistert ihn natürlich. „Man packt den ganzen Tag körperlich an, ein Fitnessstudio braucht es da nicht mehr. Man sieht am Ende vom Tag auch, was man geschafft hat. Außerdem ist es extrem vielseitig, man ist unterwegs und kommt in der Gegend herum. Im Sommer ist man viel draußen“, zählt er all die Vorteile auf.
Kevin Kilian: Handwerksbetriebe brauchen Jugend
Damit der leichte Aufwärtstrend erhalten bleibt, müsse man versuchen, direkt die Jugend zu finden, so Kilian. Dazu zeige sich der Familienbetrieb immer wieder auf Veranstaltungen wie Jobmessen oder auch an Schulen in der Umgebung. „Wenn man in einem Betrieb seine Ausbildung macht und das dort passt, dann bleibt man auch da“, so der 22-Jährige. „Mit Ausbildung im eigenen Betrieb setzt man dem Fachkräftemangel am besten entgegen.“
Zusätzlich setzt die Firma auch auf einen ansprechenden Auftritt im Internet. Die Homepage ist ausführlich, wird immer wieder aktualisiert und gibt einen guten Überblick über die aktuellen Projekte – für potenzielle Mitarbeiter, aber auch für Kunden. „Instagram ist auch sowas, was man jetzt halt einfach machen muss“, sagt Kilian. „Man muss einfach am Ball bleiben.“
Zukunftsorientiertes Denken: Energie ist großes Thema
Um seinen Familienbetrieb irgendwann auch selbst in eine zukunftsträchtige Richtung führen zu können, hat der junge Stuckateur neben seinem Studium und der Ausbildung auch noch eine Fortbildung zum Energieberater gemacht. „Ich glaube, das ist eine gute Kombination: Studium, Ausbildung und Energie. Energetische Sanierung ist eines unserer Hauptthemen“, erzählt Kilian. „Ich glaube, in die Richtung kann man den Betrieb auch in Zukunft ein wenig lenken.“















