Es will nicht ruhig werden in der Sache um das viel diskutierte Wellnesshotel in Adelsdorf. Kommenden Mittwoch, am 29. Juli, steht im Gemeinderat die Entscheidung darüber aus, ob die Gemeinde das Zielabweichungsverfahren beim Bayerischen Wirtschaftsministerium pausieren lassen will. Mit dem Antrag der Gemeinde hoffte die Familie Wirth als Vorhabenträger das Hotel an dem angedachten Standort realisieren zu können. Nun möchte man das Verfahren ruhendstellen, um andere Optionen für das Bauvorhaben zu prüfen.
Während das Adelsdorfer Gremium in dieser Woche über die sogenannte „Ruhendstellung“ entscheiden soll, wird auf einen Nebenschauplatz eine weitere Auseinandersetzung ausgetragen. So standen jüngst Vorwürfe gegen das vermeintlich eigenmächtige Handeln des Bürgermeisters Nico Kauper (CSU) im Raum: Der Bürgermeister soll den Gemeinderat in seiner Informationskette übergangen haben. Das wird als Missachtung von geltendem Gemeinderecht kritisiert.
Diskussion in Adelsdorf: Das sagt die Rechtsaufsicht
Hat Kauper seine Kompetenzen als Bürgermeister überschritten? Um Klarheit zu schaffen, hatte der Bürgermeister selbst die kommunale Rechtsaufsicht des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt um Aufklärung gebeten. Laut Angaben des Landratsamtes kam diese nach entsprechender Prüfung gegen Ende vergangener Woche zu folgendem Schluss:
„Ausweislich der übermittelten Kopie der E-Mail vom 26.06.2026 und den dortigen Formulierungen vermag [die Rechtsaufsichtsbehörde] – auch nicht ansatzweise – eine Kompetenzüberschreitung des Herrn Ersten Bürgermeister Kauper [zu] erkennen.“
Die Entscheidung erklärt die Rechtsaufsicht im Weiteren: „Es handelt sich vielmehr um eine einfache sachliche Information seitens der Gemeinde an die sachbearbeitende Stelle im zuständigen Ministerium und stellt keinesfalls eine Vorwegnahme der anstehenden Entscheidung des Gemeinderates in der Sache selbst dar. „Eine im Raum stehende Kompetenzüberschreitung des Herrn Ersten Bürgermeister Kauper liegt in Würdigung der einschlägigen Rechtslage insofern nicht vor."
Bayerisches Wirtschaftsministerium über Kaupers E-Mail
Der Einordnung der Behörde gingen verschiedene Unterstellungen voraus. Wie die Redaktion berichtete, hatten Biologe Jochen Reim und Guido von Crailsheim dem Bürgermeister vorgeworfen, das Ministerium im Alleingang um die Ruhestellung gebeten zu haben.
Die schriftliche Stellungnahme des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, die der Redaktion vorliegt, widerspricht jedoch dieser Darstellung: „Der 1. Bürgermeister von Adelsdorf informierte das StMWi, dass der Vorhabenträger die Gemeinde gebeten habe, das laufende Zielabweichungsverfahren vorübergehend ruhen zu lassen, um neue rechtliche Rahmenbedingungen prüfen zu können. Da das Zielabweichungsverfahren aber auf Grundlage eines entsprechenden Gemeinderatsbeschlusses von der Gemeinde Adelsdorf beantragt wurde, führte der 1. Bürgermeister aus, dass die Angelegenheit zunächst dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt werden müsse, und bat daher, die Entscheidung des Gemeinderats für die weitere Verfahrensgestaltung abzuwarten..“
Ähnlich äußerte sich Kauper in einer Pressemitteilung der Gemeinde Adelsdorf vom Freitag, 24. Juli. Darin liest sich: „Ich habe das Ministerium ausschließlich über den aktuellen Sachstand informiert und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Entscheidung allein beim Gemeinderat liegt." Der Bürgermeister möchte die Sache damit erledigt wissen und verspricht in Namen der Gemeinde „weiterhin“ Offenheit.
Bürgermeister Adelsdorf: Kritiker sollen ihre Aussagen revidieren
Mehr noch fordert der Rathauschef seine Kritiker dazu auf, die „öffentlichen Vorwürfe“ „zu korrigieren“. Ob er damit Erfolg haben wird? „Rechtmäßiges Vorgehen“, „sachliche Informationen“ – trotz der bedeutsam klingenden Worte bleibt Klaus Trescher weiter skeptisch. Er ist Gemeinderatsmitglied für Die Grünen. Trescher sagt von sich, dass er das Wellnesshotel nicht per se ablehnt, stellt den aktuellen Sachverhalt allerdings in Frage.
Das Ergebnis der Kommunalaufsicht will er sich erst genauer anschauen. Er zumindest interpretiere die Bayerische Gemeindeordnung anders „Wenn sie drei Juristen fragen, bekommen sie fünf verschiedene Antworten“, lautet sein scherzhafter Vergleich. Deutlich ernsthafter schildert er seine Auffassung: „Fakt ist, dass der Bürgermeister mit seiner E-Mail ohne Gemeinderatsbeschluss das Verfahren unterbrochen hat.“ Damit sei das Thema wieder nicht befriedet. „Der Bürgerwille ist doch, dass Verfahren fortzuführen. Eine Ruhendstellung steht dem ganzen entgegen“, führt der Gemeinderat ins Feld.















