Bei den Gemeindewerken Adelsdorf (GWA) dreht sich alles um Energie. Davon durften sich am bundesweiten „Tag der erneuerbaren Energien“ interessierte Bürger selbst ein Bild machen. Im März 2022 aus der 2007 gegründeten „Energiegesellschaft“ hervorgegangen, ist das Thema Nahwärme momentan das Herzstück der GWA. Der für die Aktion ausgewählte Tag hätte passender nicht sein können, denn „Gestern wurde ein großes Gesetzespaket verabschiedet, unter anderem ein Solarpaket für Balkonkraftwerke“, berichtete Vorstand Wolfgang Mößlein. Zusammen mit Prokuristin Elena Haberkamm bildet er die Doppelspitze der GWA, die mittlerweile 40 Mitarbeiter hat.
70 Haushalte sind laut Mößlein zurzeit an das Nahwärmenetz angeschlossen, zuzüglich gemeindlicher Gebäude wie beispielsweise Schule, Kindergärten, Rathaus und Aischgrundhalle. „Es muss so geplant werden, dass der ganze Ort und die großen Ortsteile angeschlossen werden. Unser Ziel ist es, pro Jahr 100 Wohneinheiten anzuschließen“, sagte Mößlein. „Die Kunst bei der ganzen Energiewende muss sein, dass sich eine Wertschätzungskette ergibt, die sich selbst am Laufen hält.“ Zwei Blockkraftwerke sind Anfang 2025 in der Höchstadter Straße geplant, auf dem Dach der Energiezentrale 2 eine Photovoltaikanlage mit 750 Kilowatt Spitzenleistung, zudem eine Ein-Megawatt-Freiflächenanlage in Neuhaus.
Energiewende in Adelsdorf: In sechs Schritten zu Nahwärme im eigenen Haus
„Das ist eine Wahnsinnsentwicklung“, fügte Haberkamm hinzu. Dass das Motto „Nachhaltig in die Zukunft“ nicht nur leeres Gewäsch ist, bewiesen Mößlein und Haberkamm bei ihrem informativen Vortrag, in dem sie den Besuchern das Thema Nahwärme näherbrachten und die Angst vor der Umstellung nahmen. Haberkamm stützte ihren Vortrag auf sechs Säulen. Starten sollte man mit dem Beratungstermin bei der GWA, als Zweites gelte es, die Anschlussvariante zu wählen – beispielsweise das System schon mal in den Heizungskeller legen zu lassen, vorerst aber vielleicht noch mit Öl zu heizen, oder den Sofortanschluss. Der dritte Schritt sei dann ein Vor-Ort-Termin, dem der Kontakt zum Heizungsbauer folge, benötige doch die GWA eine Registrierungsnummer zur Beantragung der staatlichen Fördermittel, die aus 30 Prozent Grundförderung und 20 Prozent Klima-Geschwindigkeitsbonus bestehen können.
Schritt fünf sei dann bereits die Leitungsverlegung und Installation der Technik. In der Theorie sei dann mit Schritt sechs das Ziel erreicht. Im Haus selbst kämen Brenner und Tanks der alten Heizung raus, installiert werden eine Übergabestation, die sich im Eigentum der GWA befindet und von diesen gewartet werde, wodurch dem Hausbesitzer keine weiteren Kosten entstehen. Der Puffer- sowie der Warmwasserspeicher hingegen gehen zu Kosten des Nutzers. Die von Haberkamm geschilderten Vorteile können sich sehen lassen. Kaum Platzbedarf, keine Brennstofflagerung, keine Wiederbeschaffungskosten der Heizungsanlage, kein Schornsteinfeger mehr.
Tag der erneuerbaren Energien: Nahwärme ohne Heizungswartung
„Man hat viele Jahrzehnte Ruhe, eine gute Entscheidung für die Familie und die Nachkommen. Zudem ergibt sich eine Wertsteigerung der Immobilie“, ergänzte Haberkamm. Jutta Köhler ist als Adelsdorfer Pionierin auf dem Gebiet der Nahwärme vor Ort, war ihr Haus im November 2023 doch das erste Privathaus, das angeschlossen wurde. Sie müsse sich nun keine Sorgen mehr um Brennstoff machen oder Heizungswartung, erläuterte sie ihre Erfahrungen. Auch Schmutz wäre relativ wenig angefallen.
„Nahwärme ist umweltbewusst, ich würde es immer wieder machen“, sagte Köhler. Tibor Takacs wohnt nur ein paar Häuser von der Energiezentrale entfernt, ist auch schon angeschlossen, an kommt bei ihm aber noch nichts. Ende des Jahres soll sich das ändern. Ausschlaggebend war für ihn: die Umweltfreundlichkeit. Karl-Heinz Peetz ist noch nicht angeschlossen, der 71-Jährige heizt momentan noch mit Öl.
Stecksolarmodule für den Balkon bei Tag der erneuerbaren Energien in Adelsdorf
„Die fossilen Brennstoffe sind am Auslaufen“, sagte er. Zudem gebe es auch die gesetzlichen Vorgaben, so dass Nahwärme für ihn durchaus interessant ist. Professor Horst Heineck stellte Steckersolargeräte für den Balkon vor. Der 69-Jährige ist seit 2020 im Seniorenbeirat. Seit er vor zwei Jahren den Chef der ortsansässigen Firma Sunset kennenlernte, ist er fasziniert von Balkonkraftwerken.
Heineck hat die Module in sein Smart-Home eingebunden. Seine Frau Annette zeigte sich am Anfang nicht so begeistert: „So 'ne hässliche Platte an meinem Balkon, aber man gewöhnt sich an alles.“ „Wichtig ist, dass eine Gefährdung ausgeschlossen ist und der Sturm sie nicht wegweht“, erläuterte Heineck. Zudem sei der Denkmalschutz zu beachten sowie das Einverständnis des Vermieters einzuholen. „Den Strom, den ich zu viel produziere, schenke ich dem Stromanbieter, das muss man wissen“, erklärte er.
Adelsdorf: Stromzähler bei Stecksolarmodule für den Balkon benötigt
Die erforderliche Registrierung im Marktstammregister erfolge online und sei ebenfalls einfach, wie Heineck erläuterte. Zudem benötige man einen Stromzähler mit Rücklaufsperre, müsse sich entscheiden zwischen Schuko- oder Wieland-Steckdose und den Neigungswinkel beachten. Ansonsten sei es relativ einfach: „Aufbauen, Stecker rein, fertig.“
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