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Tarifverhandlungen
500 Euro mehr im Bau? Das sagen die Bauunternehmen dazu
Bargeld
Satte 500 Euro mehr pro Mitarbeiter fordert die IG Bau – im Monat. Bauunternehmer finden das realitätsfremd. // Monika Skolimowska/dpa
Erlangen/Höchstadt – Mit einer klaren Forderung geht die IG Bau in die Tarifverhandlungen für das Baugewerbe. Sollte die Lohnerhöhung kommen, sehen lokale Bauunternehmer schwarz.

500 Euro mehr – pro Mitarbeiter, pro Monat. Mit dieser Forderung geht die IG Bau am heutigen Donnerstag in die Tarifverhandlung für das Bauhauptgewerbe. Man wolle einen Fixbetrag für alle durchsetzen. „Egal, ob für den Bauhelfer oder für den Polier – für den Kranführer, Straßenbauer oder für die Büroangestellte im Bauunternehmen“, sagt Iris Santoro, Bezirksvorsitzende der IG Bau Mittelfranken. 

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt gibt es laut Angaben der Gewerkschaft 880 Jobs in der Bau-Branche. Von der Forderung wären laut Regionalleiter Hans Beer 14 Berufe betroffen, vom Maurer bis zum Stuckateur. „Zu den 880 zählen aber nur gewerbliche Arbeitnehmer. Rechnet man die Angestellten mit, kann man nochmal ein Viertel drauflegen.“

Der Bau boomt, so die Einstellung der Gewerkschaft. „Wir haben seit zehn Jahren ein super Jahr nach dem anderen“, sagt Beer. „Im ein- und zweigeschossigen Wohnhausbau hat die Auftragslage nachgelassen, aber ansonsten geht es der Baubranche nach wie vor sehr gut.“ Höchste Zeit also für eine angemessene Lohnerhöhung? 

Bau-Unternehmer streiten Boom im Gewerbe ab

„Der Handwerker, der Bauarbeiter war immer ein bisschen das Stiefkind“, sagt Jürgen Leicht, Geschäftsführer der Zimmerei Leicht in Höchstadt. „Die Industrie hat immer mehr gezahlt, das versucht man jetzt aufzuholen. Auf der anderen Seite steht die Baukrise.“

Dass die Bau-Branche boomt, das könne er nicht bestätigen. „Der Boom hat bis zum Herbst letzten Jahres angehalten. Jetzt wandelt es sich sehr schnell. Wir haben noch von Altaufträgen gezehrt, aber der Einfamilienhausbau ist fast tot, da gibt es Einbrüche von über 50 Prozent. Und es kann nicht jeder stattdessen in die Sanierung gehen oder Kleinaufträge machen.“

Höhere Löhne könnten Arbeitnehmer in die Branche locken

Auch er finde höhere Löhne im Bau richtig. Umsetzbar sei das derzeit aber nicht. „Viele Lehrlinge verlassen die Branche direkt nach der Ausbildung. Man versucht jetzt, die Mitarbeiter so im Handwerk zu halten“, sagt Leicht. „Dem Kunden gegenüber tut das aber weh. Es gibt jetzt schon immer mehr Absagen. Die Leute können momentan nicht mehr so viel investieren. Viele warten auch ab, was als Nächstes von der Regierung kommt.“

Abgesehen davon sei auch die Pauschalerhöhung, die die IG Bau für alle Mitarbeiter gleichermaßen fordert, seiner Ansicht nach nicht gerecht. „Wenn alle automatisch die gleiche Erhöhung bekommen, ist das nicht fair denjenigen gegenüber, die mehr leisten. Da werden die Fleißigen wieder bestraft.“

Industrie ist Problem für Bau-Branche in Erlangen-Höchstadt

Eine ähnliche Ansicht teilt Friedrich Bertlein, Senior-Chef der Bertlein Bau GmbH in Heßdorf-Hesseldorf. „Unter dem Strich wird auf dem Bau zu wenig gezahlt“, ist er sich sicher. „Aber das, was die Gewerkschaft da verlangt, ist absolut unrealistisch.“

Wenn ein ungelernter Arbeitnehmer in der Industrie mehr verdiene, als eine Fachkraft auf dem Bau, stimme da was nicht, so Bertlein. Gerade in der Region Erlangen-Höchstadt und Forchheim sei die Abwanderung von Fachkräften in die Industrie ein großes Problem, weil diese hier stark vertreten sei. In anderen Landkreise sehe das ganz anders aus.

Dennoch dürfe man nicht vergessen: „Alle Kosten gehen laufend nach oben. Es beruhigt sich nicht. Wenn die Löhne erhöht werden, wird das wiederum weitergegeben an den Kunden und dann baut am Ende gar keiner mehr, weil es sich einfach keiner mehr leisten kann.“ 

Forderung der IG Bau ist für Unternehmer unrealistisch

Bertlein kann das anhand eines einfachen Beispiels erklären: „Der Beton ist in diesem Jahr wieder um 12 Euro pro Kubikmeter gestiegen. Wir liegen bei einem Einkaufspreis von 146 Euro, vor zwei Jahren haben wir 85 Euro bezahlt.“ Schon diese Erhöhung könne man kaum an den Kunden weitergeben. „Das sind dann gleich mal 4000 Euro mehr für ein kleines Einfamilienhaus allein durch den Beton.“ Trotzdem seien die Unternehmen dazu gezwungen, die Preise den Kunden gegenüber zu erhöhen. „Wir können das nicht tragen. Wir haben nicht die Gewinnmarge, wie beispielsweise die Autoindustrie.“

Die Forderung der IG Bau bezeichnet Bertlein daher als unrealistisch und realitätsfremd. Die Baubranche stecke tief in der Krise und eine solche Lohnerhöhung würde diese nur vertiefen. „Die Leute haben kein Geld mehr, um zu bauen und das wird schöngeredet“, findet der Unternehmer. 

Dass diese anfängliche Forderung aber kaum Realität werden dürfte, ist auch Hans Beer klar. Es handle sich um genau das: eine erste Forderung. Den Rest müssten die Verhandlungen zeigen. 

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