Franken helfen Franken
Geesdorfer Kinder freuen sich über „Küchenhilfe“
Leonora, Zoe, Sofia und Laura sind sich einig: Die neue Küche ist total schön geworden. Allerdings ist die Anschaffung auch ein finanzieller Kraftakt für das Kinder- und Jugendheim Geesdorf. Der Trägerverein musste die Ausgabe erst mal vorfinanzieren und hofft nun auf finanzielle Unterstützung durch Spenden.
Leonora, Zoe, Sofia und Laura sind sich einig: Die neue Küche ist total schön geworden. Allerdings ist die Anschaffung auch ein finanzieller Kraftakt für das Kinder- und Jugendheim Geesdorf. Der Trägerverein musste die Ausgabe erst mal vorfinanzieren und hofft nun auf finanzielle Unterstützung durch Spenden.
Daniela Röllinger
„Küchenhilfe“, die gut tut
Geesdorf – Das Kinder- und Jugendheim Geesdorf hat nach 45 Jahren eine neue Küche gebraucht. Die Finanzierung ist nicht einfach für den Trägerverein. Jeder kann mit Spenden helfen.

Kochen für elf Personen? Eine Herausforderung. Erst recht, wenn das in einer Küche passieren muss, die schon 45 Jahre auf dem Buckel hat. Im Kinder- und Jugendheim Geesdorf war das bislang der Fall. Weil aber irgendwann selbst Reparaturen an der alten Einrichtung nicht mehr möglich und die Geräte schon sehr veraltet waren, musste eine neue Küche angeschafft werden. Ein finanzieller Kraftakt für den kleinen Trägerverein, den DIE KITZINGER und der Verein „Franken helfen Franken“ mit ihrer Adventsspendenaktion unterstützen möchten.

Laura (17 Jahre), Leonora (13) und Zoe (11) stehen in der Küche und blicken stolz um sich. „Sie ist richtig schön geworden“, sagt Leonora, „und richtig praktisch“. „Das geht jetzt alles total schnell“, fügt Zoe an. Alleine Nudeln für die neun Kinder und zwei Erzieher zuzubereiten, die mittags gemeinsam essen, war keine leichte Aufgabe. Ein kleines Kochfeld, ein riesiger Topf. „Es hat ewig gedauert, bis das Wasser gekocht hat“, sagt Cornelia Süptitz, die das Kinder- und Jugendheim seit 24 Jahren leitet. Für einen weiteren Topf und eine Pfanne gleichzeitig war kein Platz. „Wir mussten das alles einzeln machen“, erzählt Zoe. Jetzt stehen die drei Mädchen vor dem neuen breiten Induktionskochfeld, beeindruckt nicht nur von der Größe, sondern auch von den vielen Funktionen. Von dem, was der Backofen alles kann – und vom großen Kühlschrank. Endlich ist ausreichend Platz für die Lebensmittel, die für die Großfamilie, die streng genommen ja keine Familie ist, gebraucht werden.

Eine Pflegefamilie legte 1977 die Wurzeln für das Kinder- und Jugendheim

Die Wurzeln des Kinder- und Jugendheims am Rande des Wiesentheider Ortsteils Geesdorf liegen im Jahr 1977. Familie Fackelmann hat damals zuerst als Pflegefamilie Kinder aufgenommen, dann nach dem Hausmutterprinzip Jungen und Mädchen betreut. Inzwischen wohnt längst keine „Hausmutter“ mehr mit im großzügig gestalteten und liebevoll eingerichteten Haus. Fünf pädagogische Fachkräfte betreuen die Kinder im Gruppendienst, auch nachts sind Erwachsene da. Viele Mitarbeiter sind schon seit Jahrzehnten dabei.

Neun Kinder leben in der Geesdorfer Einrichtung, der derzeit Jüngste ist vier Jahre, die Älteste 18. Es sind Mädchen und Jungen, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen. Die Eltern können sich aus verschiedensten Gründen nicht richtig um sie kümmern – oder, wie es fachlich ausgedrückt wird, „ihrem Erziehungsauftrag im Moment nicht nachkommen“. In solchen Fällen schalten sich Jugendämter ein und bringen die Kinder in Einrichtungen wie beispielsweise in Geesdorf unter.

Jeder hat sein eigenes Zimmer, aber es wird auch viel Zeit gemeinsam verbracht, zum Beispiel wenn Laura, Leonora und Zoe mit der sechsjährigen Sofia Uno spielen.
Jeder hat sein eigenes Zimmer, aber es wird auch viel Zeit gemeinsam verbracht, zum Beispiel wenn Laura, Leonora und Zoe mit der sechsjährigen Sofia Uno spielen.
Daniela Röllinger

Die Jungen und Mädchen kommen aus ganz verschiedenen Orten in ganz Bayern. Sie leben gemeinsam im großen Haus, jeder hat ein eigenes Zimmer. Wohn- und Essbereich, Spielecke, Lesezimmer und Küche werden gemeinsam genutzt. Wie alle anderen besuchen sie, während sie im Heim leben, den Kindergarten und die Schule – und da war in den letzten 24 Jahren, in denen Cornelia Süptitz die Einrichtung leitet, schon jede Schule dabei, von der Erich-Kästner-Schule bis zum Gymnasium. Die Kinder und Jugendlichen sind in Vereinen aktiv, ins Ortsgeschehen eingebunden. Für die Sozialpädagogen und den jeweiligen FSJler ist es manchmal gar nicht so einfach, alle zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen – zumal auch Therapiestunden wichtig sind, und die finden außerhalb der Einrichtung statt. „Der Rucksack, den die Kinder mitbringen, ist oft groß“, sagt Süptitz, „das lässt sie schwerer durchs Leben gehen“. Die Mitarbeiter und Therapeuten sind ihnen eine Hilfe, aber auch die anderen Kinder. „Sie unterstützen sich gegenseitig.“

„Ich will auch mit“, ruft die sechsjährige Sofia, als sie merkt, dass die drei größeren Mädchen die Küche zeigen. Klar darf sie mit – und sofort kommt die Frage: „Soll ich Dich hochheben?“ Es ist wie in einer Familie zwischen Geschwistern. Man ist füreinander da. Aber Streit gibt es natürlich auch. „Und wir haben nicht nur Kinder, die immer brav sind“, sagt Cornelia Süptitz. Es kommt schon mal vor, dass ein neuer Schrank gebraucht wird, weil der alte kaputtgemacht wurde. Der Schrank, der neue Boden in den Zimmern im Keller, die Küche, die neuen Töpfe für den neuen Herd – eine Ausgabe reiht sich an die nächste.

Statt  einer großen Organisation hat ein kleiner Verein die Trägerschaft

Anders als in anderen Heimen steht keine große wie AWO, Caritas oder Diakonie hinter dem Kinder- und Jugendheim Geesdorf, sondern ein kleiner Verein, der aus dem Ort entstanden ist, erzählt Hiltrud Bäckmann, 2. Vorsitzende des Trägervereins. 50 Mitglieder hat der derzeit, und der Vorstand regelt nicht nur vieles Organisatorische und Finanzielle, sondern versucht auch immer wieder Spenden aufzutun. Denn er muss eben stemmen, was nicht unter die über Pflegesätze finanzierten laufenden Kosten fällt. Dazu gehören ein gehöriger Teil von Umbau- und Instandhaltungskosten, die Reparatur oder Neuanschaffung von Autos oder, aktuell, die explodierenden Energiepreise.

Während Süptitz und Bäckmann erzählen, sitzen die Kinder in ihren Zimmern und erledigen ihre Hausaufgaben. Ein geregelter Tagesablauf ist wichtig. „Äußere Struktur gibt innere Struktur“, sagt die Heimleiterin. Manche Regel mag anstrengend sein. So wie der Küchendienst. „Der ist eine echte Herausforderung“, weiß Süptitz. Unter der Woche kocht mittags eine Hauswirtschafterin, am Wochenende die Erzieher mit den Kindern. Aber den Tisch für Frühstück und Abendessen decken, Obst- und Gemüse schneiden, aufräumen, die Brotboxen für den nächsten Schultag vorbereiten, das machen immer die Jugendlichen. Weil die Kleinen noch nicht viel helfen können, müssen die Großen viele Dienste übernehmen.

Die Regeln und Strukturen helfen, im Leben zurechtzukommen

Manchmal mag das nerven, aber die Regeln helfen, im Leben zurechtzukommen und sich auf das vorzubereiten, was später kommt. Denn irgendwann werden die Jugendlichen die Einrichtung verlassen, entweder zurückgehen in ihre Familien, oder nach der Berufsausbildung auf eigenen Beinen stehen. Trotzdem herrscht keine strenge Atmosphäre, sondern eine familiäre – und dabei hilft, dass viele Mitarbeiter schon seit Jahrzehnten dabei sind. Und auch die Kinder bleiben mehrere Jahre – Zoe ist seit vier Jahren da, Leonora seit sieben. Kontakt zur Familie haben sie trotzdem, es gibt Besuche, Gespräche, Telefonate. So hat Leonora demnächst was mit ihrer Oma vor, erzählt sie, als sie sich zusammen mit den anderen an den Wohnzimmertisch setzt. Die Mädchen holen Uno raus, zack-zack, fliegen die Karten auf den Stapel. „Ey“, „das gilt nicht“, „du bist noch nicht dran“, „keine Karten schmeißen“ tönt es durch den großen, offenen Raum. Und da ist es in Geesdorf eben genauso wie in anderen Familien auch.

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Franken helfen Franken

Der Spendenzweck DIE KITZINGER und Franken helfen Franken unterstützen in ihrer Adventsspendenaktion das Kinder- und Jugendheim Geesdorf. Es bietet seit 45 Jahren ein familiäres Zuhause auf Zeit für neun Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 21 Jahren, die im Anschluss in ihre Familien zurückkehren oder nach einer Berufsausbildung auf eigenen Füßen stehen. Das Haus wurde mit großer finanzieller Kraftanstrengung saniert. Nun musste die erste Küche, die jahrzehntelang gute Dienste geleistet hat, erneuert werden. Weitere große Anschaffungen wie eine Photovoltaikanlage mit Speicher stehen an.

Der Spendenverein Die Mediengruppe Oberfranken (mgo) erreicht über ihre lokalen Tageszeitungen wie DIE KITZINGER sowie digitale Informations- und Service-Portale jeden Tag rund 600.000 Menschen. Außerdem ist die mgo als Multimediaunternehmen mit Tochterfirmen wie dem Marketing-Komplettdienstleister mgo360, den mgo Fachverlagen oder mgo Digital Ventures breit aufgestellt. Diese Vielfalt nutzt die Unternehmensgruppe, um mit dem Spendenverein „Franken helfen Franken“ seit 2009 Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen. Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an in Not geratene Menschen oder gemeinnützige en und Projekte in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die mgo. Insgesamt wurde seit 2009 rund eine Million Euro von Franken helfen Franken vergeben.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken – Franken helfen Franken e.V. Sparkasse Bamberg, IBAN DE62 7705 0000 0302 1945 01, BIC BYLADEM1SKB, Verwendungszweck: Kinder- und Jugendheim Geesdorf