Kultur in Kronach
Kunstausstellung im Impfzentrum ist Geschichte
Ingo Cesaro und Gisela Gülpen betrachten eines der ausgestellten Bilder.
Ingo Cesaro und Gisela Gülpen betrachten eines der ausgestellten Bilder.
Archiv, Heike Schülein
F-Signet von Heike Schülein Fränkischer Tag
Kronach – Malereien, Fotografien und Grafiken: Wer sich in Kronach sein Vakzin gegen Covid holte, konnte die Wartezeit mit Bildern überbrücken. Auch viele Künstler freuten sich über das Projekt.

Eine lebendige Galerie, in der Kunstwerke ausgetauscht, umgehängt beziehungsweise verkauft wurden und auch immer wieder Neues dazukam: Seit Ende Januar 2021 zierten ganz unterschiedliche Malereien, Fotografien, Grafiken und mehr die zuvor kahlen Wände des Kronacher Impfzentrums. Zwei Jahre lang versüßte die abwechslungsreiche Kunst damit die Wartezeit. Nun schließt das Impfzentrum und die nicht verkauften Exponate kehren zu den Künstlern zurück.

„Das war wahrlich kein alltägliches Projekt“, resümierte der Organisator Ingo Cesaro mit etwas Wehmut in der Stimme, als er − gemeinsam mit den anwesenden Kunstschaffenden − die Arbeiten abhängte. Eingangs hätte wohl niemand gedacht, dass sich die Ausstellung über einen Zeitraum von zwei Jahren erstrecken und somit zum bislang größten und längsten Ausstellungs-Projekt im Landkreis Kronach entwickeln würde.

Ausstellung im Kronacher Impfzentrum wird überregional

Von Anfang an war es die Absicht des unermüdlichen Kulturvermittlers, dass die temporäre Galerie für weitere Interessierte offen bleibt. Nachdem sich zunächst überwiegend Künstler aus dem Landkreis − darunter auch viele Neuentdeckungen − beteiligt hatten, steuerten im weiteren Verlauf auch Maler aus Nürnberg oder Österreich ihre Werke bei.

Sie alle nahmen das Angebot gerne an − zumal während der Lockdowns kaum eine weitere Möglichkeit bestand, die Arbeiten einem breiten Publikum zu zeigen. Insgesamt waren rund 60 Kunstschaffende mit 250 Bilderwelten vertreten. Nachdem die Ausstellung immer wieder Zuwachs erfahren hatte und auch Exponate verkauft worden waren, bedurfte es vieler Neuzugänge, wobei Cesaro von seinem Schwiegersohn Dietmar Schlesinger sehr unterstützt wurde.

Ein niederschwelliges Angebot in Kronach

„Bei noch keinem Ausstellungsprojekt vorher habe ich so viel positive Resonanz erhalten“, berichtete der Vorsitzende der „Regionalen Kunstförderung Kronach“ von vielen Gesprächen und Telefonaten auch mit Menschen, die sonst nicht unbedingt in eine Galerie gehen würden.

Während anderenorts Zelte mit wackligen Stellwänden für die Impfungen errichtet worden seien, habe man im Landkreis auf passende Räume zurückgreifen können. Die zusätzliche Aufwertung durch Kunst an den Wänden sei bei den Impflingen sehr gut angekommen. „Das war genau das, was wir erreichen wollten. Mehr kann man nicht erwarten“, sagte der Initiator strahlend. Dass sogar einige Arbeiten verkauft wurden, sei natürlich umso schöner.

Gemischte Gefühle über die Schließung

Mit einem weinenden und lachenden Auge nahm auch stellvertretender Landrat Gerhard Wunder Abschied von der „Kunst im Impfzentrum“. „Mit einem lachenden Auge, weil das Impfzentrum nicht mehr gebraucht wird, nachdem sich die Lage entspannt hat. Mit einem weinenden, weil eine zweijährige Ausstellung für die teilnehmenden Künstler und den Landkreis schon eine tolle Sache war“, verdeutlichte er.

Dass die bunten Bilderwelten die Stimmung bei den Impflingen und Mitarbeitern, die sich selbst ihre Lieblingsmotive für ihre Büroräume aussuchen durften, verbesserten, davon zeigte er sich überzeugt. Erfreulicherweise habe die so sehr unter Corona gelittene Kunst- und Kulturszene zuletzt wieder Fahrt aufgenommen. Seitens des Landkreises helfe man hier, wo man könne.

Künstler holen Bilder zurück

„Ich bin grundsätzlich immer bereit, meine Bilder auszustellen“, bekundete Anne Olbrich aus Ebern, Landkreis Haßberge, die Cesaros temporäre Galerie als „interessant“ bezeichnete. Sie holte ihre Bilder ebenso wieder ab wie beispielsweise auch Gabriele June Michel aus Küps und die Kronacherin Andrea Lieb. Gabriele June Michel fand die ausstellungslose Zeit während der Lockdowns „einfach nur schrecklich“. Andrea Lieb freut sich indes schon auf das nächste Projekt, „Kronach leuchtet“, wofür sie bereits in der Planung steckt.

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