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Frankenwaldkrimi, Teil I
Mord nach Plan? Tödliches Erbe: der Frankenwaldkrimi
Die Ermittlungen des Redakteurs Frank Klaus Klarmann führen in Seniorenresidenzen
Redakteur Frank Klaus Klarmann (FKK) recherchiert im Landkreis Kronach // Symbolbild: Franziska Schäfer, K
LKR Kronach – Anonyme Tipps und unerklärliche Sterbefälle erschüttern Kronach. In unserem exklusiven Frankenwald-Krimi dringt ein Reporter dringt tief in die Machenschaften einer Pflegeheim-Gruppe ein.

Frank Klaus Klarmann atmete tief die würzige und erdige Luft des Frankenwaldes ein. Er mochte die Wälder hier, egal ob Nebelschwaden sie durchzogen, oder die Sonne durch die Baumwipfel brach und einzelne Strahlen auf dem Waldboden zu tanzen schienen. Und er mochte sie, wenn der Regen intensive Gerüche aus dem feuchten Moos und dem modrigen Laub herauswusch.

Die Luft hier oben schmeckte anders als an der Küste, anders als dort, wo er herkam. Da roch es permanent nach Salz und Tang, hier eher nach Harz und einer dunklen Note, die er nicht benennen konnte. Mit einem kräftigen Tritt in die Pedale seines Mountainbikes bezwang er den letzten Anstieg kurz vor der Festung Rosenberg. Sein Atem ging stoßweise, was nicht nur an der Steigung lag, sondern auch daran, dass er heute Morgen wieder eine dieser Mails bekommen hatte.

Er kam, sah - und blieb im Frankenwald

Klarmann, 42 Jahre alt, breite Schultern, helles, welliges Haar und Augen, die so warm und braun waren wie der Waldboden unter seinen Reifen. Er war eigentlich ein entspannter Typ. Das zeigte sich auch bei seinem Spitznamen: FKK. Er fand ihn witzig. Er passte zu ihm.


Neugierig geworden? Dann führen diese Links zu Teil 2 und Teil 3 unserer Geschichte:


Klarmann war ein Nordlicht, das es der Liebe wegen in den Südosten der Republik verschlagen hatte – der Liebe zu einer Landschaft, nicht zu einer Frau. Zumindest anfangs nicht. Als er vor zwölf Jahren herausfand, dass seine Vorfahren aus dem Landkreis Kronach stammten, war er neugierig gewesen. Er kam, sah – und blieb. Er hatte sich schockverliebt in die schroffen Täler und die herzlichen, wenn auch manchmal etwas wortkargen Menschen.

Er stoppte sein Rad an einem Aussichtspunkt. Unter ihm lag Kronach, eingebettet in die Täler von Haßlach, Kronach und Rodach. „Einfoach schö “, murmelte er und musste dabei an Lena, seine aktuelle Partnerin denken, in die er sich vor Monaten Hals über Kopf verliebt hatte. Er lächelte. Die Beziehung wurde langsam ernst, und er freute sich darüber. Angekommen war er schon lange, nun wollte er ankern, endlich eine eigene Familie gründen. 

Endlich bezahlbare Pflegeplätze im Landkreis Kronach?

Klarmann arbeitete in der Digitalredaktion der Frankenwälder Rundschau. Sein Job war es eigentlich, Klickzahlen zu generieren und sich um das Tagesgeschäft zu kümmern. Doch seit Monaten war er unfreiwillig zur Anlaufstelle für einen anonymen Whistleblower geworden. Anfangs sind es die üblichen kommunalpolitischen Scharmützel gewesen: Korruptionsvorwürfe hier, veruntreute Fördergelder da. Meistens heiße Luft, die beim ersten Faktencheck verpuffte.

Doch dann änderte sich der Ton. Er wusste nicht einmal, ob es sich noch um den gleichen Verfasser handelte. Die Anklagen wurden sachlicher, aber auch düsterer. Es ging dem Schreiber offensichtlich um einen Pflegeskandal. Vor über einem Jahr waren überall im Landkreis neue Pflegeeinrichtungen aus dem Boden geschossen. Eine ominöse Investorengruppe hatte alte Gebäude aufgekauft.

Sie baute ehemalige Gasthäuser um, einen alten Bahnhof und andere Gebäude auch. Anfangs wurde gejubelt. Endlich bezahlbare Pflegeplätze wie es schien. Tagespflege, Seniorenheime, alles modern, alles schick. Doch dann kippte die Stimmung. Die letzten Projekte nannten sich nun „Residenzen“ und wurden fast unbezahlbar. Nur richtig wohlhabende Senioren konnten dort einziehen. 

Die Angst vor der Rache

Und dann wurde es richtig ernst. Es tauchten nicht nur Gerüchte über schlechtes Essen und mangelnde Pflege auf. Es war kaum noch zu vertuschen, dass plötzlich immer mal Bewohner starben. Auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich für ein Pflegeheim. Ein Herzstillstand hier, eine Lungenentzündung da. Alles „natürliche Todesursachen“ bei hochbetagten Menschen.

Doch der Journalist war bei seinen Recherchen über ein Muster gestolpert: Alle Verstorbenen waren vermögend, hatten keine direkten Angehörigen mehr und vererbten ihre Vermögen an die Trägergesellschaft, quasi als Dank für die Unterbringung und die gute Pflege. Das hatte ihn mehr als nur stutzig werden lassen. All seine Alarmsirenen schrillten gleichzeitig los.

Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und stieg wieder aufs Rad, dann fuhr er den Hang hinunter in die Obere Stadt. Klarmann wohnte in einer wunderschönen Maisonettewohnung direkt unter dem Dach eines sanierten Fachwerkhauses.

Auf Spurensuche: Kontakt zu zwei Pflegekräften 

Als er sein Rad in den Flur schob, dachte er - warum auch immer - unwillkürlich an die beiden Pflegekräfte, die in zwei unterschiedlichen Einrichtungen der Investorengruppe arbeiteten. Durch einen enormen Zufall  hatte er sie - unabhängig voneinander - vor zwei Wochen im Rahmen seiner Recherchen ausfindig gemacht. Zwei junge Frauen, die aktuell in der "Seniorenresidenz Frankenwald" und in der "Seniorenresidenz im Alten Bahnhof" arbeiteten. Sie waren offensichtlich bereit, mit ihm über die Einrichtungen und die ominösen Todesfälle zu sprechen.

Klar hatten sie ihre Angst deutlich gezeigt, als sie ihm am Telefon von falschen Medikamentendosierungen und erzwungenen Testamentsänderungen erzählten. Daraufhin hatte er mit ihnen ein persönliches Treffen vereinbart. Doch am Treffpunkt waren sie nie erschienen. Ihre Handynummern waren tot, er konnte sie nicht mehr erreichen. Für ihn war klar, dass dahinter wohl weit mehr steckte, als ein einfaches Missverständnis oder eine Aneinanderreihung von Zufällen.

Waltraud - so harmlos wie eine Dose Butterkekse?

Er schloss seine Wohnung auf, ging schnell unter die Dusche, ließ sich einen Kaffee aus dem Automaten und machte sich fertig. Sein Redaktionsdienst begann in Kürze, und er hatte für heute viel auf dem Zettel stehen. Doch die beiden Frauen gingen ihm nicht aus dem Sinn. Sie waren schwer zu finden und noch schwerer zu überzeugen gewesen, mit ihm zu kooperieren. Was also sollte er jetzt tun? Jeder Nerv in seinem Körper signalisierte ihm, dass hier die ganz große Geschichte darauf wartete, von ihm aufgedeckt und geschrieben zu werden. 

Dann formte sich allmählich ein Plan in seinem Kopf. Erst diffus, schließlich wurden die Linien klarer. Vielleicht könnte er ja jemanden in eine der Einrichtungen einschleusen? Und er wusste schon genau, wer sich dafür bestens eignen würde. Es war jemand, der quasi unsichtbar war, wie ein Statist im Hintergrund.

Klarmann spielte seit rund sechs Jahren im Neuseser Laientheater mit - mit wachsender Begeisterung. Er erinnerte sich an das Plakat, das Anfang des Jahres das neueste Stück angekündigt hatte. Er grinste und Waltraud tauchte vor seinem inneren Auge auf. Sie spielte immer die unscheinbaren Rollen. Mal war sie die Magd, mal die dritte Bäuerin oder einfach jemand, der im Hintergrund die Bühne fegte. Waltraud war Mitte 60 und wirkte so harmlos, wie eine Dose Butterkekse. Aber sie war schlau, gewitzt, hatte Ohren wie ein Luchs und sie war für jede Schandtat zu haben. Er griff zum Handy.

Ein alter Brauch - Nimmt Waltraud FKK nur auf den Arm?

Sein Anruf bei Waltraud war erfolgreich. Heute würde sie nämlich ausnahmsweise einmal zum Hause bleiben. Sie müsse noch Barbara-Zweige für Heiligabend schneiden, hatte sie ihm verkündet. Und so, als hätte sie die Fragezeichen in Klarmanns Miene bemerkt, erklärte sie: "Ich schneid a po Zweich ve mein Kerschbaam runter und stell sa nei ane Vousn. Blühn sa oh Weihnochtn, donn erschlächt mich im neue Jo des Glück." Sie gluckste und FKK wusste nicht, ob sie ihn wieder mal auf den Arm genommen hatte. Dann kam er endlich dazu, ihr mitzuteilen, dass er ein dringendes Anliegen habe, und sie lud ihn kurzerhand zum Mittagessen ein.

Lesen Sie hier Teil 2 und Teil 3 unserer Geschichte


 

 

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