Die einen lieben es, den anderen wird schon nach den ersten paar Runden flau im Magen. Doch Fakt ist: Ein "Breakdance"-Karussell darf auf keinem Volksfest fehlen. So auch nicht beim Freischießen: Hier ist Michael Wolf mit seinem "Breakdance" quasi fester Bestandteil des Inventars.
Einen Einblick in den Alltag der Schausteller lesen Sie hier:
Klar ist aber auch: Es braucht jede Menge Technik, damit die Besucher in den "Breakdance"-Genuss kommen können. Immerhin müssen nicht nur die Gondeln, sondern auch das Kassenhäuschen, die Lichter und das Soundsystem mit Strom versorgt werden. Und dafür braucht es jede Menge Kabel. "Wenn ich die Kabel aneinanderreihe, dürfte ich locker einen Kilometer schaffen", erklärt Michael Wolf.
"Breakdance" auf dem Freischießen in Kronach: Was muss mit Strom versorgt werden?
Dass die Kabel den Besuchern nicht auffallen, liegt an der Platzierung: Die meisten von ihnen laufen unter dem Fahrgeschäft zusammen. Und das fein säuberlich nebeneinander, damit es am Ende keinen "Kabelsalat" gibt: Auf einer Seite wird alles eingesteckt, das mit dem Soundsystem zu tun hat, und auch Licht- und Kassensystem haben einen eigenen Platz.
Und dann müssen - neben dem Motor, der die "große"Scheibe dreht - die einzelnen Gondelkreuze mit Strom versorgt werden.
Volksfest-Physik, Teil 1: Das Riesenrad
Das Riesenrad gehört zum Freischießen in Kronach dazu, keine Frage - aber welche physikalischen Größen spielen dort eine Rolle? Grundsätzlich legt ein Besucher auf dem Freischießen beim Riesenrad eine Kreisbewegung zurück. Denn die Gondeln drehen sich ja um den Mittelpunkt des Riesenrads - ein Physiker würde diesen Punkt als Drehachse bezeichnen. Der Weg der Gondeln wird als Wegstrecke bezeichnet - und die könnte errechnet werden, indem man den Radius des Riesenrads mit dem zurückgelegten Winkel multipliziert, wobei der Winkel als "Bogenmaß" angegeben werden muss. Beim Riesenrad auf dem Freischießen legt ein Besucher also - falls es sich um ein "handelsübliches" Riesenrad mit einer Höhe von 56 Metern handelt - eine Strecke von etwa 176 Metern pro Umdrehung zurück.
Weitere Berechnungen rund um das Riesenrad gibt es in diesem Video:
Heißt also, dass vor dem Freischießen-Start nicht nur das "Breakdance" selbst, sondern auch schätzungsweise ein Kilometer Kabel an Ort und Stelle sein müssen. Wie lange dauert es, bis Michael Wolf und seine Crew das Fahrgeschäft alles auf Position gebracht haben?
Unter die "Breakdance"-Haube geschaut: Durchschnittlich zwei Tage Aufbauzeit
"Das variiert von Stadt zu Stadt - einmal, weil die Gegebenheiten vor Ort jedes Mal unterschiedlich sind. Und dann kommt es auch darauf an, wie viel Personal ich zur Verfügung habe. "Im Durchschnitt arbeiten wir zwei Tage daran, unseren 'Breaker' aufzubauen", so Michael Wolf. Eine machbare Aufgabe, da zwischen den Einsätzen meistens rund fünf Tage liegen.
Volksfest-Physik, Teil 2: Das Kettenkarussell
Den Fahrtwind spüren und die Beine baumeln lassen - eine Fahrt mit dem Kettenkarussell hat schon fast etwas Meditatives. Aber wo macht die Fahrt mehr Spaß: auf den inneren oder auf den äußeren Plätzen? Auch darauf hat die Physik eine Antwort: Die Sitze haben nämlich tatsächlich eine unterschiedliche tangentiale Geschwindigkeit. Das ist deshalb so, weil die äußeren Sitze in der gleichen Zeit eine viel weitere Strecke zurücklegen müssen als die inneren Sitze - sprich, sie bewegen sich schneller. Wer also auf Nervenkitzel steht, sollte sich auf einem Kettenkarussell einen der äußeren Plätze aussuchen - und wer es ruhiger mag und entspannen möchte, ist bei den inneren Sitzen bestens aufgehoben.
Wie sich das genau berechnen lässt, können Sie in diesem Video nachsehen:
Mit dem Aufstellen des Fahrgeschäfts ist es für die Schausteller aber nicht getan. "Jeden Tag führen wir Wartungsarbeiten durch, prüfen alle Kabel und Verschleißteile", erklärt Michael Wolf.
Pro Tag investiere das Team etwa eine Stunde Arbeit. Ähnliche Arbeiten stehen im Übrigen auch dann an, wenn die Volksfestsaison für Michael Wolf und seine Crew endet. Zum "Überwintern" wird das "Breakdance" in einer Halle in der Nähe von Nürnberg untergebracht - einen "Winterschlaf" gibt es für das Fahrgeschäft allerdings ganz gewiss nicht. "Ich bin jeden Tag dort und führe Wartungsarbeiten durch", erklärt Michael Wolf.
Winterpause für Schausteller: Zwischen Wartungsarbeiten und "Fahrgeschäfte"-Tuning
Doch nicht nur das: In den Wintermonaten gibt es zudem die Möglichkeit, dem Fahrgeschäft noch das gewisse Extra zu verpassen. Denn: "Soundsystem, Lichteffekte oder andere 'Special Effects' - es gibt unzählige Möglichkeiten, ein Fahrgeschäft aufzurüsten", erklärt er. Es sei im Prinzip so wie bei einem Auto: "Da lässt sich ja auch einiges tunen."
Theoretisch sprudeln bei ihm schon die Ideen, was sich in diesem Winter am "Breakdance" so tun könnte. "In der Praxis sind mir natürlich einige Grenzen gesetzt." Und zwar? "Nun, je mehr Technik verbaut ist, desto komplizierter wird es, das Fahrgeschäft immer wieder auf - und abzubauen. Und natürlich muss auch immer abgewogen werden, ob sich eine Investition auch wirklich lohnt."
Volksfest-Physik, Teil 3: Looping-Achterbahn
Eine Looping-Achterbahn hat es auf dem Freischießen noch nicht gegeben - doch auf dem Oktoberfest oder auf dem Wiener Prater sind sie definitiv zu finden. Doch woher weiß man, wie schnell der Wagen sein muss, um die Schleife überhaupt fahren zu können? Mit welcher Geschwindigkeit der Wagen ins Looping fahren muss, ist ein Fall für die Energieerhaltung: Wenn sich der Wagen fortbewegt, dann erhält er kinetische Energie. Soll er sich auf dem höchsten Punkt des Loopings befinden, braucht er ein gewisses Energieniveau - sprich, ein Maß an potenzieller Energie. Wenn der Wagen also das Looping schaffen soll, dann muss die kinetische Energie zu Beginn des Loopings genauso hoch sein wie die potenzielle Energie, die der Wagen für den höchsten Punkt des Loopings benötigt.
So weit das Grundprinzip. Aber: Der Wagen könnte nun auch vom höchsten Punkt geradeaus nach unten fallen. Um das zu verhindern, braucht es die Zentrifugalkraft, die den Wagen am höchsten Punkt des Loopings nach außen - also, auf die Fahrbahn - drückt. Damit das Looping also reibungslos durchfahren werden kann, muss die Zentrifugalkraft höher sein als die Gewichtskraft, die den Wagen nach unten zieht. Zudem müssen Ingenieure bei der Konstruktion einer Looping-Achterbahn auch die Reibungsverluste einberechnen.
Ein Rechenbeispiel finden Sie in diesem Video:
Nun wissen wir also, welche physikalischen Grundvoraussetzungen - sprich, die Stromversorgung - vorhanden sein müssen, damit sich das Breakdance in Bewegung setzt. Doch was passiert eigentlich in den Gondeln? "Auf den Körper wirken eine Reihe von verschiedenen Kräften ein", erklärt Ralf Völkl, der unter anderem am Lehrstuhl für Fertigungstechnologie an der Friedrich-Alexander-Universität geforscht hat.
Um zu klären, welche Kräfte das genau sind, müsse man sich erst einmal anschauen, wie das "Breakdance" überhaupt funktioniert. "Da ist einmal die große Scheibe, die sich dreht - hier kommt die Fliehkraft zum Tragen", erklärt Völkl. Doch anders als beispielsweise bei einem Kettenkarussell bleibe es nicht bei dieser einen Kreisbewegung. "Zudem drehen sich auf kleinen Scheiben die einzelnen Gondeln umeinander - und dann können sich die Gondeln selbst auch noch einmal drehen."
Freischießen-Physik: Die Wissenschaft hinter der "Breakdance"-Faszination
Und was heißt das aus physikalischer Sicht für den Fahrgast? "Das heißt, mehrere Kräfte arbeiten entgegengesetzt - soll heißen, der Fahrgast wird abwechselnd durch Fliehkräfte in den Sitz gedrückt, kann aber genauso auch aus dem Sitz gehoben werden", so Völkl. Und genau das mache für viele "Breakdance"-Fans den Nervenkitzel dieses Fahrgeschäfts aus. "Wer so ein Fahrgeschäft entwirft, hat natürlich vorher ganz genau berechnet, welche Kräfte wie stark wirken."
Dass es dann doch Besucher gäbe, denen beim Fahren eher flau im Magen wird, könne er sich so erklären: "Durch die vielen Drehbewegungen und die hohe Geschwindigkeit kann der Fahrgast recht schnell die Orientierung verlieren." Das führe auch dazu, dass der Besucher die auf ihn wirkenden Kräfte viel intensiver wahrnehme.
Kronsacher Freischießen: Wann eine Fahrt ausgesetzt werden sollte
Doch abgesehen von denen, denen deshalb schnell flau im Magen wird, ist eine Fahrt auch für Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen keine gute Idee: Oftmals - wie zum Beispiel bei Achterbahnen oder Freefall-Towern - ist zu lesen, dass Menschen mit Bandscheibenproblemen von einer Fahrt abgeraten wird. Woher kommt das? "Das liegt daran, dass auf solchen Fahrten eine deutlich höhere Kraft auf den Körper wirkt als die normale Erdanziehungskraft", so Völkl.
Insbesondere bei Fahrten mit rascher Bewegungsänderung - so zum Beispiel dann, wenn ein Wagen bei der Achterbahn nach unten rauscht und dann in eine steile Kurve geht - wird der Körper einer Kraft ausgesetzt, die teilweise ein Vielfaches der Erdanziehungskraft ist. "Das wäre in etwa so, als würde jemand plötzlich deutich mehr Körpergewicht auf die Waage bringen", erklärt er. "Vor allem für Menschen, die Probleme mit der Wirbelsäule haben, birgt das natürlich Risiken."
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