Im Jahr 1525 wurde die Nordhalbener Burg auf dem heutigen Schloßberg endgültig geschliffen. Sie war Grenzfeste und nördlichste Bastion des Hochstifts Bamberg, lange jedoch auch gemeinsamer Besitz mit den Vögten von Reuß.
Rund 400 Jahre trohnte sie auf dem Bergsporn unterhalb des heutigen Marktes Nordhalben und über dem Rodachtal. Mehrfach wurde sie zerstört und danach wieder aufgebaut. In einer Schenkungsurkunde des damaligen Bischofs Eberhardt II. an das Kloster Michelsberg von 1154 wird die „Burg im Nortwald“ erstmals erwähnt und in einem Hinweis als „Castrum Northalden“ bezeichnet. Sie diente zum Schutz der fränkischen Menschen, die das Gebiet von Bamberg aus erschlossen. Zuvor wird von einer slawischen Besiedlung der Region ausgegangen, über mögliche keltische Vorfahren ist bislang nichts bekannt. Mit der Urkunde wird also sowohl die bereits vorhandene Erschließung als auch die Existenz der Burg belegt.
Burg in Nordhalben sicherte auch den Handelsweg nach Nürnberg
Das Bauwerk diente zudem der Sicherung des wichtigen Handelswegs von Nürnberg nach Osten, der über Nordhalben führte. Daher gab es auch Gebietsansprüche und daraus entstandene Auseinandersetzungen mit den benachbarten Reußen. Das führte dazu, dass man die zuvor zerstörte Burg nach 1354 neu errichtete und mit jeweils einem Halbanteil gemeinsam besaß. Dieses komplizierte „Condominat“ dauerte von 1404 bis 1550, danach fiel Nordhalben mit seiner Burg vollständig dem Bistum Bamberg zu. So endete auch der vereinbarte, dreijährige Verwaltungswechsel mit dem jeweiligen Amtsvogt aus fürstbischöflicher oder Reußischer Herrschaft.
Dass damit ein Religionstausch der Bevölkerung einherging, wie gern kolportiert wird, könnte sich nur auf die kurze Zeit nach Einführung der Reformation im Ort ab 1543 beziehen. Nach dem „Heimfall“ an Bamberg war Nordhalben jedenfalls fortdauernd unter katholischer Herrschaft. Dennoch hatte die lutherische Lehre offenbar noch viele Anhänger im Nordhalben. Im Zuge des religiös begründeten Dreißigjährigen Krieges um 1620 siedelten diese auf den nahen Reußischen Titschenberg um und gründeten dort das heutige Thüringer Titschendorf.
Bauernaufstände hinterließen ihre Spuren
Die Brandschatzung der Burg im Mai/Juni 1525 war wohl im Zuge der damaligen Bauernaufstände erfolgt, die das ganze Land erfasst hatten. Näheres dazu ist nicht bekannt. Ein neuerlicher Wiederaufbau unterblieb offensichtlich. Bereits wenige Jahrzehnte danach wird auf Kartenmaterial nur noch eine Ruine mit einem großen viereckigen Turm dargestellt.
In der mündlichen Überlieferung entsprangen dann sagenhafte Ausschmückungen und Romantisierungen. So wird von einem „Raubritterschloss“ erzählt und von Ruinen, die noch im 19. Jahrhundert zu sehen gewesen sein sollten.
Spuren, wie Dachziegel oder Waffenspitzen, fanden sich noch in den letzten Jahrzehnten. Entsprechende Exponate befinden sich im Nordhalbener Heimatmuseum, das allerdings geschlossen wurde. Auch einstige „Gänge“, die sich im Untergrund des alten Nordhalbens befanden und als mögliche Fluchtwege bis zum Schloßberg geführt haben sollen, beflügeln bis heute die Fantasie.
Spazierwege und Fossilienfund in Nordhalben
Verlässlich ist, dass es Verbindungen der früheren Vorratskeller unter den Häuser gab, die später zugeschüttet wurden oder eingefallen sind. Eine Suchaktion im Zuge der 850-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 2004 brachte keine belegbaren Ergebnisse. Es gibt jedoch Berichte von seriösen Augenzeugen über größere unterirdische Räume, die noch vorhanden sein sollen. Es darf also weiter geforscht werden!
Der Schloßberg wurde im Zuge der Entdeckung der Natur zu Erholungszwecken um 1900 mit Spazierwegen und einem Aussichtspavillon versehen, der 1927 von einem Sturm weggerissen wurde. 1932 errichtete der Frankenwaldverein an seiner Stelle einen großen Pilz, der heute noch immer gern als Fotomotiv dient.
Das markante Gelände mit seinem Steinbruch ist in das Kataster der anerkannten Geotope Bayerns aufgenommen worden. 2010 entdeckte dort der passionierte Heimatforscher Ralf Mohr (verstorben) die Versteinerung eines Abdrucks eines rund 350 bis 400 Millionen Jahre alten Spurenfossils, das nach ihm Segmentichnus mohri benannt wurde.
Die historischen Angaben und weiteren Nachforschungsergebnisse sind der Chronik „Grenzerfahrungen Nordhalben 1154 – 2004“ entnommen, die die aus Nordhalben stammenden Brüder Harald Wunder (verstorben) und Horst Wunder (mit einem Kapitel von Harald Wunder jun.) zur 850-Jahrfeier Nordhalbens herausgegeben haben. Das fundierte Buch zur Geschichte des Orts ist noch im Rathaus erhältlich.












