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Mehr Sicherheit im Verkehr
Blitzermarathon: Kronacher Polizei zieht Bilanz
Blitzermarathon Kronach 2025
Polizeihauptmeister Felix Köppen (vorne) nimmt ein möglicherweise zu schnelles Fahrzeug ins Visier. Sein Kollege, Polizeihauptmeister Maximilian Kirsch (rechts), übernimmt mit weiteren Beamten die Fahrzeugkontrollen. // Marco Meißner
Kronach – Geschwindigkeitskontrollen der Polizei ernten oft Gegenwind in den sozialen Medien. Der Blitzermarathon in Kronach zeigt aber, dass sie Sinn machen. So viele Raser wurden in der Region erwischt.

Beim Blitzermarathon im Rahmen der europäischen Speed-Week führte die Polizei in Oberfranken Geschwindigkeitsmessungen an 74 Stellen durch. Von den über 37.000 Fahrzeugen, die die Messstellen passierten, wurden 633 wegen Übertretung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit beanstandet. Somit ging die Zahl der beanstandeten Verkehrsteilnehmer gegenüber 2024 um fast 200 zurück.

Erfreulich war die Bilanz im Landkreis Kronach. Wie Polizei-Pressesprecher Gerhard Anders auf unsere Nachfrage mitteilt, wurden nur sieben Geschwindigkeitsverstöße an den beiden Messstellen in den Bereichen Kronach und Küps registriert. Davon führten sechs zu Beanstandungen (vier Ordnungswidrigkeitsanzeigen, zwei Verwarnungen). 

Blitzermarathon Kronach 2025
Bis zu einem Kilometer weit arbeitet die Laserpistole zuverlässig. // Marco Meißner

Blick auf die oberfränkischen Ergebnisse

Den Spitzenwert der Gestoppten in Oberfranken markierte ein Audi auf der Autobahn A73 bei Gundelsheim. Er wurde mit 161 km/h bei erlaubten 100 km/h gemessen. Nach Abzug der Toleranz von 5 km/h muss er mit einem Bußgeld von 480 Euro, einem Fahrverbot von einem Monat und zwei Punkten im Fahreignungsregister rechnen. Zusätzlich zu den Rasern registrierten die eingesetzten Kräfte 160 weitere Verstöße, wie beispielsweise Fahrzeugmängel, Handy- und Gurtverstöße.

Für die oberfränkischen Mittelzentren stellt sich die Bilanz des Blitzmarathons wie folgt dar: Im Bereich Bamberg (Stadt und Landkreis Bamberg, Landkreis Forchheim) wurden 174 Geschwindigkeitsüberschreitungen registriert. Im Bereich Bayreuth (Stadt und Landkreis Bayreuth, Landkreis Kulmbach) wurden 146 Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt. Im Bereich Coburg (Stadt und Landkreis Coburg, Landkreis Kronach sowie Lichtenfels) wurden 91 Geschwindigkeitsüberschreitungen registriert. Im Bereich Hof (Stadt und Landkreis Hof, Landkreis Wunsiedel) wurden 222 Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt.


 

Das war der ursprüngliche Artikel:

Wenigstens für einen Tag hat die Vernunft im Landkreis Kronach die Oberhand behalten. Woran das liegt? Daran, dass der bayernweite Blitzermarathon am 9. April offenbar doch das Bewusstsein vieler Autofahrer dafür geschärft hat, dass mit Bleifuß zu fahren keine Kunst, aber gefährlich ist - und am Ende ein teurer Spaß werden kann. 

Polizei errichtet Messstelle in der Kronacher Blumau

Das zeigt sich jedenfalls bei der morgendliche Kontrolle in der Blumau. Um 9 Uhr richten sich die Kronacher Polizisten dort ein. Zwei Stunden lang kontrollieren sie den Verkehr. Mit der Laserpistole wird auf rund 250 Meter Entfernung die Geschwindigkeit der nahenden Fahrzeuge gemessen. Zulässig sind 80 Stundenkilometer für Autos, 60 für Lastwagen. Dabei wird vom gemessenen Ergebnis allerdings noch die „Messtoleranz“ abgezogen.

Wird denn jeder „geblitzt“, der über dieser Geschwindigkeitsgrenze liegt? Die Antwort von Polizeipressesprecher Gerhard Anders, der selbst bei der Kontrolle mitmacht, ist ein klares „Nein“. Die Polizei interessiere sich bei dieser Aktion nicht für diejenigen, die mal vier, fünf Stundenkilometer drüber sind. „Wir wollen nicht die Bagatellverstöße. Uns interessieren wirklich die Schnellfahrer.“

Gerhard Anders: „Wir sind ja nicht hier, um die Leute abzukassieren.“

Deshalb muss Anders auch Schmunzeln, als er auf die häufig auftauchenden Social-Media-Kommentar über die „Abzocke“ und das „Raubrittertum“ der Polizei angesprochen wird. Das Geld lande ja nicht in der Kasse der Polizei, sondern beim Staat, stellt er fest. Und am allerliebsten hätten es die Polizeibeamten, wenn sie niemanden rausziehen und zur Kasse bitten müssen. „Wir sind ja nicht hier, um die Leute abzukassieren. Wir wollen schauen, wer zu schnell fährt. Und wenn wir am Ende den einen oder anderen Raser abschrecken, haben wir schon etwas erreicht.“

Blitzermarathon Kronach 2025
Zu schnell oder nicht? Auch unser Redakteur durfte sich an der Messung versuchen - nur testweise, versteht sich. // Marco Meißner

Dann wäre ein wichtiges Ziel nämlich erfüllt. Durch Prävention wären die Straßen sicherer. Deshalb liegen die Beamten auch nicht versteckt auf der Lauer, sondern haben neongelbe Westen an und weithin erkennbar die Einsatzfahrzeuge geparkt. Das sorgt dafür, dass sich so mancher Fahrer schon in der Ferne den Tritt aufs Gaspedal verkneift. 

Die Situation in Kronach bleibt trotz vieler Fahrzeuge ruhig

An diesem Morgen sieht es jedenfalls danach aus, als könnte sich Anders' Wunsch von wenigen Rasern erfüllen. Nach etwa einer halben Stunde hat es noch keinen Temposünder erwischt. Dabei ist einiger Verkehr auf der Bundesstraße 85 unterwegs. Wieso wird eigentlich gerade an dieser Stelle kontrolliert? „Es ist ein Unfallschwerpunkt. Hier hat's öfter gekracht“, erklärt der Polizeibeamte. Bewusst wähle man solche Bereiche für Kontrollen aus. 

Blitzermarathon Kronach 2025
Entfernung und Tempo werden vom Messgerät festgehalten. // Marco Meißner

Dann erwischt es doch den ersten Fahrer, der zu flott unterwegs war. Ein Lastwagen aus einem Nachbarlandkreis. Er wird mit 78 „Sachen“ gemessen. Das kostet 50 Euro. Glück im Unglück: Wäre er einen Stundenkilometer schneller gefahren, hätte es eine Anzeige gegeben. 

Betätigt wird das Messgerät, dass geeicht sein muss und vorab bei Kontrollmessungen überprüft wird, an diesem Tag von Polizeihauptmeister Felix Köppen. Ist das Gerät schwierig zu bedienen? Auch hier lautet die Antwort grundsätzlich nein. Unser Reporter darf es sogar selbst ausprobieren. Allerdings stellt die Polizei natürlich höhere Ansprüche an ihre Einsatzkräfte. „Jeder, der das Gerät benutzt, muss vorher geschult werden“, erklärt Köppen. Erst dann darf im Einsatz gelasert werden. Und angesichts einer zulässigen Reichweite von bis zu 1000 Metern braucht es dabei auch mehr Fingerspitzengefühl als ein Journalist beim wackeligen Erstversuch aufbringt. 

Blitzermarathon Kronach 2025
Die Beamten stehen an der Einfahrt zur Blumau, ihr Messpunkt liegt in rund 250 Metern Entfernung. // Marco Meißner

Aber wie reagieren die ausgebremsten Raser, wenn sie heraus gewunken werden? Gibt es dann auch Stress? „Bei der Geschwindigkeitsmessung gibt es wenig Toleranz, wenig Raum für Diskussionen“, stellt Polizeihauptmeister Maximilian Kirsch fest. Bei Handykontrollen sei das oft schwieriger. Dann würden sich die Betroffenen gerne mal rausreden wollen.

Unter Umständen kann das Mess-Ergebnis sogar angeschaut werden

Wenn die Polizei möchte und die Situation zulässt, kann sie dem betroffenen Fahrer beim Geschwindigkeitsverstoß ja sogar das Messergebnis zeigen, den die Lasermesspistole speichert es bis zur nächsten Messung. Das bekommt auch der gestoppte Lastwagenfahrer zu sehen. Entsprechend ruhig und einsichtig geht er darauf zu seinem Fahrzeug und zückt seine Bankkarte für die Überweisung des Bußgeldes. Klar ist aber auch: Die Polizei muss keine Einsicht in die Messung gewähren. Denn am Ende stehen die Beamten mit ihrer Unterschrift für deren Richtigkeit ein, wie Gerhard Anders unterstreicht. 

Blitzermarathon Kronach 2025
Nicht abgezockt, sondern abgebremst: Weil die Polizisten nicht klammheimlich auf der Lauer liegen, sondern klar erkennbar sind, wird zwei Stunden lang an dieser Messstelle vernünftig und sicher gefahren. Bußgelder braucht es daher fast keine. // Marco Meißner

Von der Blumau in Kronach zur Kontrolle im Markt Küps

Zwischenzeitlich werden drei weitere Fahrzeuge angehalten. Alle keine Raser. Ein fragwürdiger Roller, ein zu langsamer Lieferwagen und ein Auto mit Anhänger, der nicht mehr verkehrstüchtig wirkt. Zumindest am Vormittag bleibt der Wunsch von Gerhard Anders also erfüllt. Die Polizeipräsenz hat für Sicherheit an einem Unfallschwerpunkt gesorgt.

Nach zwei Stunden in der Blumau geht es zur zweiten Station des Tages in den Markt Küps. Dann hoffen die Polizeibeamten auf weitere vernünftige Fahrer - am Besten über den Blitzermarathon hinaus.

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