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Nach dem Schließungsdrama
St.-Josef-Krankenhaus: Viele kommen jetzt wieder zurück
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69 Neu- und Wiedereinstellungen gab es seit Januar am St.-Josef-Krankenhaus in Schweinfurt. Dr. Frank Wellmann, Manager des Kooperationspartners Sana Kliniken AG (vorne links), begrüßte einen Teil der Rückkehrer und Neuen gemeinsam mit (hinten von rechts) Chefarzt Dr. Wolfgang Menger und Krankenhausdirektor Norbert Jäger. // Anand Anders
Signet des Fränkischen Tags von Irene Spiegel
Schweinfurt
Schweinfurt – Erste Bilanz nach drei Monaten Zusammenarbeit mit der Sana Kliniken AG: St. Josef ist auf dem Weg zurück zu seiner Rolle als Anbieter der Grund- und Regelversorgung.

Es herrscht Aufbruchstimmung. 69 Neu- und Wiedereinstellungen gab es seit Januar im Schweinfurter St.-Josef-Krankenhaus. Viele, die im Zuge des Schließungswirrwarrs gekündigt hatten, kommen jetzt wieder zurück. „Let’s make St. Josef great again“ hat Krankenhausdirektor Norbert Jäger als Slogan ausgegeben.  

Das St. Josef mit gut 650 Beschäftigten und 272 Betten war in die Abwärtsspirale geraten, weil die Erlöserschwestern aus Würzburg, Träger des Krankenhauses, zum Jahresende 2024 die Schließung angekündigt hatten, im September dann aber aus Kostengründen von diesem Vorhaben wieder Abstand nahmen. Viel Vertrauen war dadurch verspielt worden. Etliche Beschäftigte kündigten.

Nachdem weder der Bezirk, noch Stadt und Landkreis Schweinfurt als Träger einsteigen wollten, kam Ende Januar mithilfe des früheren Krankenhausmanagers Francesco De Meo ein Managementvertrag mit der Sana Kliniken AG zustande. Der Konzern mit Sitz in Ismaning soll das Haus strategisch weiterentwickeln.

Freuen sich über den gelungenen Neustart des St.-Josef-Krankenhaus: (von links) Dr. Frank Wellmann vom Kooperationspartner Sana Kliniken AG, Krankenhausdirektor Norbert Jäger und Chefarzt Dr. Wolfgang Menger.
Freuen sich über den gelungenen Neustart des St.-Josef-Krankenhaus: (von links) Dr. Frank Wellmann vom Kooperationspartner Sana Kliniken AG, Krankenhausdirektor Norbert Jäger und Chefarzt Dr. Wolfgang Menger. // Anand Anders

Nach drei Monaten der Zusammenarbeit fällt die erste Bilanz positiv aus: „Es geht aufwärts“, sagt Dr. Frank Wellmann. Der Manager der Sana Kliniken AG freut sich vor allem über das wieder gewonnene Vertrauen der Rückkehrer. Bei einem Begrüßungsnachmittag bedankte er sich persönlich bei den „Alten und Neuen“ mit einem Willkommensgeschenk dafür, „dass sie mithelfen, dem Josefs-Krankenhaus in Schweinfurt wieder seinen angestammten Platz als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung zu verschaffen“.

In der Bevölkerung sei der Neustart des Krankenhauses noch nicht so richtig angekommen. „Aber es gibt uns noch“, verkündet Wellmann, „und zwar noch besser und größer.“ Die 69 neuen Mitarbeitenden seien dafür ein sichtbares Zeichen.

Alle Abteilungen sind in Betrieb

„Es ist, wie nach Hause kommen“, sagt Helene Zimmermann. Die 35-jährige Laborantin hatte im Zuge der Turbulenzen im vergangenen Jahr das St.-Josef-Krankenhaus verlassen. Jetzt ist sie nach Zwischenstationen in anderen Häusern der Region wieder zurückgekommen. Sie schätze die Atmosphäre des Hauses und die beruflichen Perspektiven, sagt sie. „Ich bin gerne wieder da.“

Über die positive Entwicklung des St.-Josef-Krankenhauses freut sich Chefarzt Dr. Wolfgang Menger. Er betont, dass alle Abteilungen nach wie vor in Betrieb seien und das Gros des Personals nur deshalb gegangen sei, weil die Schließung des Hauses angekündigt worden war. Das habe die Krise ausgelöst.

Krankenhausdirektor Norbert Jäger und Sana-Klinikmanager Dr. Frank Wellmann (von links) verteilen Willkommensgeschenke mit Melanie Bechmann vom Vorzimmer der Krankenhausdirektion.
Krankenhausdirektor Norbert Jäger und Sana-Klinikmanager Dr. Frank Wellmann (von links) verteilen Willkommensgeschenke mit Melanie Bechmann vom Vorzimmer der Krankenhausdirektion. // Anand Anders

Auch nach der Rücknahme des Beschlusses habe viel Unsicherheit geherrscht, verweist Krankenhausdirektor Norbert Jäger auf die damals fehlende Zukunftsperspektive. Das habe sich erst mit dem Einstieg von Sana als „starken Partner“ geändert.

Managementvertrag mit der Sana Kliniken AG läuft drei Jahre

Im Rahmen des Managementvertrags soll die Sana Kliniken AG das defizitäre katholische Krankenhaus fit für die Zukunft machen. Der Klinikkonzern bringt Expertise von Einkauf über Management bis hin zu Medizin und Pflege ein. Die Sana Kliniken AG hat nach eigenen Angaben mit 15 Klinikstandorten deutschlandweit solche Managementverträge, ohne selbst Anteile an diesen Häusern zu halten. Die Dienstleistung bietet das Unternehmen seit Mitte der 1990er-Jahre an.

Der Vertrag laufe über drei Jahre, informiert Dr. Frank Wellmann und verspricht: „Danach wird das St. Josef-Krankenhaus so gut aufgestellt sein, dass es mehrere Interessenten für eine Trägerschaft oder Kooperation geben wird.“ Denn mittelfristig will der Orden die Trägerschaft abgeben und auch kein Teil einer gemeinsamen Betreibergesellschaft sein.

 Notaufnahme bleibt erhalten

Wie sich das St.-Josef-Krankenhaus aufstellen wird, erklärt Dr. Menger: „Der Bereich, wo wir in Schweinfurt der Platzhirsch sind, den bauen wir weiter aus.“ Gemeint ist die Akutgeriatrie mit aktuell 20 Plätzen, die „mindestens“ um das Doppelte vergrößert werden soll. Bis vor einem Jahr war das St.-Josef-Krankenhaus einziger Anbieter dieser Fachrichtung in der Region. Inzwischen haben die Geomed-Landkreis-Klinik in Gerolzhofen und seit April auch das städtische Leopoldina-Krankenhaus eine Akutgeriatrie eröffnet.

Die Notaufnahme bleibt ebenfalls erhalten, unabhängig von der Aufstellung der ZNA (Zentrale Notaufnahme) am Leopoldina-Krankenhaus. „Wir haben deutlich zweistellige Patientenzahlen“, unterstreicht Dr. Menger die Daseinsberechtigung. Den Schwerpunkt und die Stärke des St.-Josef-Krankenhauses sieht er im ambulanten Bereich. Operativ und medizinisch sei das Haus auf dem neuesten Stand.

Palliativstation wird ins Haupthaus verlegt

Auch die Abgabe der Palliativstation an das Leopoldina-Krankenhaus ist vom Tisch. Die von den Erlöserschwestern vor 24 Jahren in der ehemaligen Knüpfferklinik in der Neutorstraße eingerichtete Fachabteilung für Palliativmedizin wird am St.-Josef-Krankenhaus bleiben, allerdings – wie schon einmal geplant – zum 1. August ins Haupthaus verlegt. Durch die Schließung der Geburtshilfe Ende 2023 sind im Krankenhausgebäude Räumlichkeiten frei.

Krankenhausdirektor Jäger verweist auf die kürzeren Transport- und Versorgungswege, was auch die Sicherheit für die Patientinnen und Patienten erhöhe, zum Beispiel bei einem medizinischen Notfall. „Es ist wichtig, dass alles unter einem Dach ist“, sagt Sana-Manager Dr. Frank Wellmann.

Den Neustart will man nun mit der Bevölkerung feiern. Das Krankenhaus St. Josef lädt am Samstag, 24. Mai, von 11 bis 15 Uhr zu einem Frühlingsfest in den Patientengarten ein. Es gibt musikalische Unterhaltung mit Steffi List, Jonglage, Artistik und Kunstradfahren. Die Ärzteschaft des St.-Josef-Krankenhauses bietet mehrere Gesundheitsvorträge an, unter anderem über Alterstraumatologie und Schwerhörigkeit. Praktische Reanimationsübungen zeigt Chefarzt Dr. Wolfgang Menger. Außerdem werden die Hauptgewinne aus der Retter-Tickets-Tombola gezogen, die der Verein zur Rettung des St.-Josef-Krankenhauses initiiert hatte.

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