Leben retten hat Vorrang! Für Dr. Benedikt Stubner, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme (ZNA) am Leopoldina-Krankenhaus, und sein Team, ist das ihr Auftrag. Trotzdem ist das nicht immer jedem Patienten klar. Wer um sein Leben kämpft, wird zuerst behandelt. Wer umgeknickt ist, kommt später dran. Eigentlich logisch.
Trotzdem müssen das Notfallmediziner wie Stubner und sein Team immer wieder erklären. Das machen sie gerne. Denn sie wollen zeigen, wie sie arbeiten, Verständnis wecken. Es gibt einen Info-Film auf der Homepage des Krankenhauses, Flyer liegen aus. In der Notaufnahme gibt es die Möglichkeit, mit einem QR-Code Infos in mehreren Sprachen abzurufen.
Farben spielen übrigens eine wichtige Rolle: Vor der Aufnahme und dem Arztkontakt steht die Ersteinschätzung durch eine speziell geschulte Pflegekraft. Danach entscheidet sich, welche von fünf Dringlichkeitsstufen zutrifft. Rot steht für akute Behandlung, orange für vorrangige Behandlung, gelb für dringliche Behandlung, grün für aufschiebbare Behandlung und blau für nicht dringende Behandlung. Rot und orange trifft übrigens auf den kleinsten Teil der Patienten zu. Die meisten fallen in die Kategorie grün und gelb.
Für 50.000 Patienten im Jahr ausgelegt
Für 50.000 Patienten im Jahr ist die 2019 in Betrieb gegangene ZNA ausgelegt. Die Zahl ist bald geknackt, meint Stubner. Jedes Jahr 20 Prozent mehr Patienten. Durchschnittlich werden unter der Woche 130 Patienten am Tag behandelt. Ende Oktober waren es heuer schon 35.816 Patienten.
Die ZNA setzt aber nicht nur auf Information. „Wir haben alle Stellschrauben angepackt, damit es noch effizienter wird“, so Stubner. „Struktur ist super wichtig.“ Die Zahl der Patienten sei gestiegen, die durchschnittliche Verweildauer und auch die Wartezeiten habe man reduzieren können. „Wir haben viel an der Ablaufsteuerung gemacht.“
Zusätzliche Rufbereitschaft für Unfallchirurgen eingeführt
Eine deutliche Verbesserung habe eine zusätzliche Rufbereitschaft für Unfallchirurgen gebracht. Damit werden vor allem am Wochenende die Kollegen im laufenden Betrieb im OP und im Schockraum entlastet. Entlastung habe aber auch eine Schnellspur, ein Fast-Track-System, gebracht. Kleine unfallchirurgische Fälle, wie Verstauchungen, könne man so schneller behandeln. Ein Team aus Arzt und Pflegekraft leitet in einem separaten Behandlungsraum die nächsten Schritte, wie Röntgen, ein.
Verbessert wurde auch die Zusammenarbeit mit der Integrierten Leitstelle, die die Notrufe und Notfallmeldungen entgegennimmt und weiterleitet. Seit 1. Juni gibt es ein Notfallkoordinatoren-Telefon. „Alle Akteure können so zeitgleich da sein.“ Außerdem könne man die Abläufe effizienter gestalten. Zum Beispiel, wenn wie kürzlich vier Schlaganfallpatienten innerhalb von sechs Minuten eingeliefert werden.
Relation
Das Team versucht aber auch, Patienten schneller auf das richtige Gleis zu bringen, wie es Dr. Stubner ausdrückt. Wenn ein Patient kommt, der seit vier Tagen einfach nur Rückenschmerzen hat, wird Kontakt mit dem MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) aufgenommen und er dorthin empfohlen.
Seit 1. April sitzt die Kassenärztliche Bereitschaftspraxis (KVB) im vierten Stock des Leopoldina. Ergibt sich bei der Ersteinschätzung in der ZNA, dass ein Patient dort besser aufgehoben wäre, bespricht das ein Arzt mit ihm. Am Eingang weist auch ein Schild auf die KVB-Praxis hin. Diese Praxen sind Anlaufstellen für Patienten mit nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen außerhalb der regulären Sprechzeiten von Haus- und Fachärzten.











