Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt immer weiter an – auch im Landkreis Bad Kissingen. „Von allen Pflegebedürftigen werden etwa 80 Prozent der Menschen zu Hause versorgt“, weiß Cordula Kuhlmann, Leiterin der Regionalentwicklung im Landkreis Bad Kissingen.
Um die Versorgung der Menschen noch besser gewährleisten zu können und den betroffenen Personen ihren Alltag zu erleichtern, ist der Landkreis stetig auf der Suche nach neuen Konzepten. Eines davon läuft nun seit Oktober im Seniorenhaus in Euerdorf.
Welche Versorgung in Euerdorf geboten ist
Ab sofort wird in der Einrichtung der Carl von Heß Sozialstiftung ausschließlich Kurzzeit- und Verhinderungspflege mit einem Versorgungsvertrag angeboten – auch für höhere Pflegegrade. „Menschen, die eigentlich zu Hause gepflegt werden, können ab sofort also zu bestimmten Zeiten nach Haus Euerdorf kommen und dort versorgt werden“, erklärt Kuhlmann. Das Angebot richte sich vor allem an Pflegebedürftige nach einer schweren Krankheit oder einem langen Krankenhausaufenthalt, zur Überbrückung der Zeit bis zur stationären Langzeitversorgung oder der Reha, aber auch bei Krankheit oder Urlaub von Pflegenden können Bedürftige in Euerdorf unterkommen.
Martin Pfeuffer, stellvertretender Stiftungsvorsitzender der Carl von Heß Sozialstiftung, ergänzt: Die letzten zwei Jahre sei das noch etwas anders gewesen. „Versorgungsvertrag bedeutet, dass wir von den Krankenkassen anerkannt sind und abrechnen dürfen“, erklärt er. Vorher sei in Euerdorf alles eher auf privatrechtlicher Basis gelaufen, „mehr Hotelcharakter; ohne Versorgungsvertrag“.
Doch damit nicht genug: Der Stiftungsvorsitzende freut sich über noch eine weitere Sache. „Wir betreiben jetzt ein Heim, das sowieso laufen würde, können aber noch einen Bonus obendrauf setzen.“
Wieder-Fit-Konzept: Einzigartig in Deutschland
Neu sei nämlich nicht nur der Versorgungsvertrag, sondern auch die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Start des Modellprojektes „Pflege & Wohnen auf Zeit mit Mehrwert.“ „Jeder Bewohner profitiert künftig also zusätzlich noch von unserem neuen Wieder-Fit-Konzept.“
Was das heißt? Projektbegleitende Gesundheitslotsin und Sozialpädagogin Julia Ortmann erklärt: „Das Wieder-Fit-Konzept beruht auf drei Säulen.“ Die sogenannten Wieder-Fit-Angebote seien die Erste. „Ich habe verschiedene Seminarthemen entwickelt, die für ältere Menschen interessant sein könnten“, erzählt sie. Die Themen würden von geistiger Fitness, über Wasser bis hin zu Gymnastik reichen. „Die Leute bekommen hier Input von mir, wie sie sich am besten gesundheitsfördernd verhalten.“
Neu integriert sei zudem ein Physiotherapeut, der ab November zweimal pro Woche Termine im Seniorenhaus anbiete. Außerdem berate und unterstütze die Gesundheitslotsin bei allen Fragen und Problemen rund um das Thema Pflege.
Ein Case-Management unterstütze noch zusätzlich das Angebot: Die aktuelle Situation der Betroffenen wird analysiert und die Unterstützungsleistungen dem tatsächlichen Bedarf angepasst. „Man prüft beispielsweise, ob ein höherer Pflegegrad notwendig ist oder ob der Wohnraum so umgestaltet werden kann, dass er beispielsweise barrierefrei ist.“ Ortmann betont: „Mir ist es einfach wichtig, dass die Menschen etwas gelernt haben, sich besser fühlen und gut versorgt sind, wenn sie das Seniorenhaus in Euerdorf wieder verlassen.“
Nutzen dürfen das Programm allerdings nicht nur Gäste im Haus: Auch Menschen von außerhalb können bei Interesse jederzeit teilnehmen. „Bei uns ist jede und jeder herzlich willkommen“, sagt sie.
Diese Menschen dürfen das neue Angebot nutzen
Die verschiedenen Kursangebote werden auf einer Art Stundenplan festgehalten und können individuell ausgewählt werden. Pflicht ist das Programm allerdings nicht. „Wenn jemand keine Lust hat teilzunehmen, muss er auch nicht“, betont Heimleiter Jürgen Schmidbauer. Das Ziel in Euerdorf ist aber klar: „Dass die Menschen zu Hause vielleicht etwas besser klarkommen als vorher.“
Langzeitpflege werde im Seniorenhaus in Euerdorf nicht angeboten. „In unserem kleinen Haus mit maximal 20 Plätzen sind pflegebedürftige Menschen, die eine Versorgung auf Zeit benötigen, bestens aufgehoben“, sagt Schmidbauer. Der Mindestaufenthalt in Einzelzimmern beträgt eine Woche bis maximal 30 Tage. Geführt werde das familiäre Seniorenhaus mit Hotelcharakter von einem erfahrenen, kompetenten Team. „Wir pflegen und betreuen rund um die Uhr, an allen Wochentagen, für alle Pflegegrade“, ergänzt Tanja Bötsch, die sich als Pflegedienstleiterin um alle Angelegenheiten der Pflege kümmert.
Die Carl von Heß Sozialstiftung freut sich, das Gebäude nun nach der Schließung im Januar 2022 und der Wiedereröffnung im Jahr 2023 wieder mit Versorgungsvertrag und neuem Konzept betreiben zu können. „Wenn das Projekt gut läuft, hoffen wir, es in der Zukunft weiter ausrollen zu können“, sagt Kuhlmann abschließend. Die langfristige Etablierung sei ein Ziel, welches auch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention mit seiner Förderung in Höhe von rund 229.000 Euro im Rahmen von „Gute Pflege. Daheim in Bayern“ bei dem Projekt verfolge.
Für Terminvergaben, Aufnahme sowie Abrechnung sind die Verwaltungsmitarbeiterinnen des Seniorenheims Dr.-Maria-Probst in Hammelburg zuständig: Tel.09732 7886-0, verwaltung@dr-maria-probst.de.
Bei Fragen rund um das Wieder-Fit-Konzept ist Julia Ortmann, Tel. 0171 9476367 oderj.ortmann@seniorenhaus-euerdorf.de die richtige Ansprechpartnerin.
Tanja Bötsch beantwortet Fragen rund um den Aufenthalt: 09704 601 7910 oder 09704 601 7914; leitung@seniorenhaus-euerdorf.de.













