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Versicherte verzweifeln
Warum die elektronische Patientenakte kaum genutzt wird
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Für die meisten Patientinnen und Patienten ist die elektronische Akte weiterhin ein Rätsel. // MIS
Signet des Fränkischen Tags von Susanne Schmitt
Würzburg
Würzburg – Die elektronische Patientenakte soll digitaler Fortschritt sein, scheitert aber an zu komplizierter Technik. Wo es hakt und wovor Ärzte in Unterfranken warnen.

Sie ist da, wird aber kaum genutzt: Die elektronische Patientenakte, kurz ePA, ist für viele Patientinnen und Patienten nach wie vor ein Rätsel. Zwar müssen Gesundheitseinrichtungen wie Praxen oder Kliniken seit Oktober 2025 neue Daten in die Akte einstellen. Aktiv genutzt werden diese Informationen allerdings von den wenigsten Versicherten. Der Grund: Die Aktivierung der Akte ist kompliziert, die Verwaltung ebenso.

Gedacht ist die ePA als digitaler Datenspeicher für Gesundheitsinformationen wie Arztbriefe, Laborwerte oder Medikamente. Sie soll Behandlungen vereinfachen und die Zettelwirtschaft in Praxen und Kliniken beenden.

Zwei Jahrzehnte lang wurde in Deutschland an der Akte gearbeitet. Seit Januar 2025 haben die Krankenkassen nun für rund 70 der insgesamt 74 Millionen gesetzlich Versicherten eine Patientenakte angelegt. Wer das nicht wollte, musste widersprechen. Getan haben das die wenigsten: Nach Angaben des Spitzenverbands der Krankenkassen liegt die Widerspruchsquote bei etwa fünf Prozent.

Verbraucherberater: Aktivierung „ist die große Hürde“

„Die Akte wurde angelegt, vielleicht auch befüllt – aber sie wird nicht aktiv genutzt“, sagt Thomas Gärtner vom Verbraucherservice Bayern in Würzburg. Skepsis gegenüber der ePA überwiege: „Viele Versicherten wissen nicht, was die Akte ihnen persönlich bringt und schrecken vor dem komplizierten Anmeldeprozess zurück.“

Denn die Akte nennt sich zwar „ePA für alle“. Aber längst nicht alle Menschen sind digital fit genug, um sie zu verstehen. „Die Aktivierung der ePA ist die große Hürde“, sagt Gärtner. „Da fehlen Unterstützungsangebote.“ Die Ombudsstellen der Krankenkassen seien schwer zu erreichen und überlastet.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von September nutzen nur etwa acht Prozent der gesetzlich Versicherten eine ePA-App aktiv. Rund 14 Prozent haben eine App heruntergeladen, ohne sie zu verwenden.

Für den Zugriff auf die Patientenakte ist eine App nötig

Grundsätzlich brauchen Versicherte die entsprechende App ihrer Krankenkasse, um auf die elektronische Patientenakte zugreifen zu können. Falls angeboten, kann man auch eine Desktop-Variante für den Computer nutzen.

Jede Krankenkasse hat eine eigene App zur Nutzung der ePA. Bei der erstmaligen Anmeldung müssen sich die Versicherten „entweder mit ihrem elektronischen Personalausweis und PIN oder ihrer elektronischen Gesundheitskarte und der dazugehörigen PIN authentifizieren“, heißt es vom Bundesgesundheitsministerium.

Verbraucherberater kritisiert: Registrierung zu umständlich

Was einfach klingt, meint einen mehrstufigen Verifizierungsprozess. Teils braucht man dafür mehrere Apps, teils muss man sich per Post- oder Video-Identifikationsverfahren ausweisen.

„Die Registrierung ist zu aufwendig“, kritisiert Verbraucherberater Thomas Gärtner. Besonders für ältere Menschen sei es sehr schwierig. Grund für den umständlichen Prozess sind den Kassen zufolge unter anderem die hohen Anforderungen an den Datenschutz.

Wer die Anmeldung geschafft hat, kann in die App Dokumente hochladen, Inhalte löschen oder verbergen sowie Behandlern den Zugriff auf die Akte erteilen oder sperren. Grundsätzlich sei die Verwaltung „nicht wesentlich komplizierter als Online-Banking“, sagt Gärtner. Mit einer zentralen Ausnahme: „Wie ich einzelnen Ärzten Zugriff erteilen oder verweigern kann, das ist kompliziert, da muss man sich einarbeiten“.

Aus Sicht des Würzburger Verbraucherberaters müssen Gesundheitsministerium und Krankenkassen nachbessern. „Es braucht eine breit angelegte Informationskampagne und die Hürden zur Aktivierung müssen reduziert werden.“ Und, sagt Gärtner: Alle Ärzte müssten die Akte verlässlich befüllen.

Hausarzt fürchtet Chaos in den Akten in einigen Jahren

Das ist eigentlich seit diesem Oktober Pflicht. Noch aber hakt es. Nicht alle Kollegen würden aktuell erhobene Befunde in die Akte stellen, bestätigt Hausarzt Joachim Lentzkow. Für den unterfränkischen Vorstandsbeauftragten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ist das unverständlich: „Das Befüllen ist einfach, bei mir funktioniert es per Drag-and-Drop“.

Allerdings werde die Akte auch von den Patienten in seiner Praxis in Goldbach (Lkr. Aschaffenburg) bislang kaum genutzt – obwohl er selbst dazu rät. „Es kann für Patienten einen Vorteil haben, weil sie ihre Diagnosen kennen und wissen, wo die Daten abgelegt sind“.

Die größte Schwäche der ePA ist nach Erfahrung des Allgemeinmediziners neben der komplizierten Anmeldung die Unübersichtlichkeit: „Man findet nichts.“ Es gebe bisher keine funktionierende Suche nach Schlagworten, sagt Lentzkow. Das dafür vorgesehene Update sei dringend nötig, sonst habe man bald „einen digitalen Stapel ungeordneter Dokumente“. Chaos sei so vorprogrammiert.

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