„Die Schlossmühle ist die verborgene Schatzkammer der Museen von Schloss Aschach. Hier lagern historische Gegenstände und Unterlagen, die man aus Platzmangel nicht zeigen kann.“ Mit dieser Ankündigung öffnete Annemarie Heuler, Trachtenberaterin des Bezirks Unterfranken, die gesicherten Türen zu den Depoträumen an der Saale, um interessierten Besuchergruppen am „Internationalen Museumstag“ einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen.
Die Anlage von Schloss Aschach mit seinen Museen ist ein Publikumsmagnet. Man erhält nicht nur Einblicke in die adelige Wohn- und Lebenskultur der gräflichen Familie von Luxburg mit ihrer Sammelleidenschaft, sondern auch in den ländlichen Alltag der Rhöner. Dazu gehört auch das authentische Klassenzimmer, das zeigt, wie früher an unterfränkischen Dorfschulen gelernt wurde.
Weniger bekannt ist die angrenzende „Schlossmühle“, die einst als Korn- und Schneidmühle diente und später zur Stromversorgung für das Schloss mit der zwischenzeitlichen Steingutmanufaktur sowie für Aschach genutzt wurde.
1300 Quadratmeter Nutzfläche
Mit historischen Informationen zum Schloss, zur gräflichen Familie und zur Schlossmühle begann der 90-minütige Rundgang über die fünf Etagen, auf deren 1300 Quadratmeter Nutzfläche alle Gegenstände fachgerecht untergebracht sind, die zuvor in Scheunen, in Privathäusern oder in anderen Depots lagerten.
Die genaue Anzahl der im Depot eingelagerten Gegenstände sei nur schwer zu beziffern, erklärte Heuler, aber rund 60.000 Objekte umfasse die ausgestellten und gelagerten Stücke. Mittlerweile seien fast alle Objekte erfasst und inventarisiert, es fehle jedoch noch deren vollständige Digitalisierung sowie die inhaltliche Auswertung der teils sehr persönlichen Fotoalben, Schriftstücke und Gebrauchsgegenstände. Noch heute werden Objekte ins Depot aufgenommen, die entweder von Privatpersonen angeboten werden, Dachbodenfunde sind oder aus anderen Lagerstätten stammen und in das Sammelkonzept von Schloss Aschach passen.
Eine Bildergalerie liefert Eindrücke vom Depot auf Schloss Aschach:
Anhand einiger Beispiele schilderte Annemarie Heuler den Weg von der Annahme der Gegenstände bis zu deren Einlagerung. Der erste Schritt sei die Reinigung, die Zustandsbeschreibung, die wissenschaftliche Erfassung und das Fotografieren. Als Schutz für bereits eingelagerte Objekte durchlaufen die neuen Gegenstände zunächst einen Quarantänebereich, um das Eindringen tierischer Schädlinge zu verhindern. Erst nach der Behandlung mit Stickstoff oder Hitze beziehungsweise Kälte und einer gewissen Quarantänezeit werden die Gegenstände im entsprechenden Depotbereich eingelagert.
Seidenpapier und säurefreier Karton
Dafür – so die Trachtenberaterin – stehen nicht nur Seidenpapier, gepufferte Archivmappen oder säurefreier Museumskarton zur Verfügung, sondern auch fahrbare und damit platzsparende Regale sowie hinterlüftbare Möglichkeiten, um die zahlreichen Bilder aufzuhängen. All dies dient dem Schutz der archivierten Gegenstände, für die auch die räumlichen Bedingungen im Gebäude stimmen müssen, das vor Hochwasser geschützt ist.
Mit einem Warmwasser-Leitungssystem wird die Temperatur der fünf Stockwerke konstant zwischen 18 und 20 Grad gehalten, und die Luftfeuchtigkeit soll bei 50 Prozent liegen – so die Expertin für unterfränkische Trachten, die im obersten Stockwerk gelagert werden. In jedem Raum stehen hierfür sogenannte Hydro-Thermo-Graphen, die Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit allerdings noch nicht digital erfassen. Ideal sei es, „wenn die Aufzeichnung nur eine gerade Linie ist“.
Zeugnisse des Lebens von vor 100 Jahren
Mit vielen Informationen und noch mehr Anschauungsmaterial führte Annemarie Heuler von Etage zu Etage, von Raum zu Raum, und die Besucher erhielten so einen Einblick in das Leben vor 100 und mehr Jahren. Mal ist es eine reich verzierte Glückwunschmappe zum Dienstjubiläum des Grafen Friedrich von Luxburg, mal sind es Möbelstücke mit ostasiatischer Symbolik und barocken Elementen, mal alte Schulwandkarten oder Schiefertafeln mit Griffel, mal Trachtenhandschuhe, an denen keine Finger sind, „damit man in der Kirche im Gesangbuch umblättern kann“.
Ihren Dank für den „Blick hinter die Kulissen“ drückten die Gäste mit interessierten Fragen und Anmerkungen sowie durch herzlichen Applaus am Ende der Führung aus.





















