Im Jahr 1797 heiratete der verwitwete Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken in Karlsruhe in zweiter Ehe die badische Prinzessin Caroline (1776 bis 1841). Als Gemahlin des Herzogs wurde sie zwei Jahre später Kurfürstin zu Pfalzbayern und schließlich mit Erhebung Bayerns zum Königreich am 1. Januar 1806 zu Bayerns erster Königin.
Doch später geriet sie weitgehend in Vergessenheit. Erst jetzt – anlässlich ihres nächstjährigen 250. Geburtstags – veröffentlichte der Historiker und Wittelsbacher-Experte Christian Sepp mit „Caroline, Bayerns erste Königin“ auf Grundlage verloren geglaubter Briefe die erste Biografie über die protestantische Monarchin.
Im Interview mit dieser Zeitung erzählte er, warum er sich als Historiker gerade für die Wittelsbacher interessiert und wie es zu dieser Biografie kam.
Christian Sepp: Historiker und Autor
Schon als Kind, aufgewachsen im Umfeld von Schloss Nymphenburg, hatte sich Christian Sepp für Geschichte interessiert. „Da lag es nahe, sich mit dem Haus Wittelsbach zu beschäftigen.“ Beim Spaziergang mit der Mutter durch die Münchner Residenz an der Ahnengalerie der Wittelsbacher entlang, „war ich immer daran interessiert, mehr über diese Persönlichkeiten zu erfahren“.
Nach Berufsjahren in der Filmbranche machte er sich 2013 als Historiker und Autor selbstständig, spezialisiert auf das Haus Wittelsbach im 19. Jahrhundert und seine Frauen.
Keine leichte Recherche zu Caroline
Seit seiner Biografie „Ludovika. Sisis Mutter und ihr Jahrhundert“ (2019) beschäftigte sich Autor Christian Sepp bereits mit deren Mutter Caroline. „Dabei ist mir aufgefallen, was für eine interessante und sympathische Persönlichkeit sie gewesen ist.
Da es bisher keine Biografie über sie gab, habe ich mich dieser Aufgabe angenommen.“ Doch die Recherche war nicht leicht. Denn obwohl zu Lebzeiten hochgeschätzt, geriet Caroline seit dem Tod ihres Mannes Maximilian I. Joseph (1825) zunehmend in Vergessenheit.
Caroline verschwand aus dem kollektiven Gedächtnis
Dafür sorgte schon frühzeitig ihr Stiefsohn Ludwig I., der „ein angespanntes Verhältnis zu seinem Vater und seiner Stiefmutter hatte“. Als junger König war er auf die Liebe und Verehrung eifersüchtig, die die verwitwete Königin in Bayern immer noch genoss, und aus Furcht vor ihrem Einfluss auf das diplomatische Corps drängte er auf die baldige Entfernung Carolines aus München.
Die späteren Jahre verlebte sie auf ihrem ungeliebten Witwensitz in Würzburg, bei ihren verheirateten Töchtern oder in der Heimat ihrer Familie im Badischen. Zudem wurden im Zweiten Weltkrieg die von Caroline gestalteten Räumlichkeiten in der Münchner Residenz zerstört und nicht wieder aufgebaut, ebenso das von ihr bewohnte Schloss Biederstein in Schwabing. Sepp: „So ist Bayerns erste Königin aus dem allgemeinen Gedächtnis weitgehend verschwunden.“
Vergessene Briefe tauchen auf
Ein anderer Grund für das bisher geringe Interesse an Bayerns erster Königin ist nach Aussage des Historikers aber wohl auch, „dass man lange angenommen hat, dass ihr gesamter Nachlass 1945 in Dresden ein Opfer der Flammen geworden ist. Aber das stimmt nicht.“
Ein vergessener, in Kartons verpackter Teil mit Carolines über 500 Briefen an König Max I. befand sich auf Schloss Tegernsee. Nachdem dieser erst vor einigen Jahren in das geheime Hausarchiv – das Zentralarchiv des Hauses Wittelsbach – gebracht worden war, konnte sich Christian Sepp als erster Historiker mit diesem Schatz beschäftigen.
„Ich habe nun erstmals diese Briefe gelesen, aus dem Französischen übersetzt und ausgewertet. Sie geben einen sehr unverstellten Einblick in das Leben und Fühlen von Bayerns erster Königin“ und bilden nun die Grundlage für Sepps umfassende Biografie.
Eine bemerkenswerte Frau
Ergänzt durch weitere Familienbriefe, unter anderem aus Archiven in Wien und Darmstadt, sowie erstmals gezeigten eigenhändigen Zeichnungen Carolines, eröffnet das im November veröffentlichte Buch einen faszinierenden Blick „auf das Leben und Wirken einer bemerkenswerten Frau, deren Bedeutung für die bayerische Geschichte bisher weitgehend im Verborgenen lag“.
So scheute sich Caroline nicht, sich selbst Napoleon entgegenzustellen. Dieser versuchte, den Widerstand der bayerischen Königin gegen das von ihm angestrebte Bündnis mit Wertschätzung und Geschenken zu brechen. Auch als Förderin der Kunst machte sich Caroline einen Namen.
Sie zeichnete nicht nur selbst gern und viel, sondern förderte auch vor allem junge Künstlerinnen und Künstler wie die aus Schweinfurt stammende Malerin Margarethe Geiger (1783 bis 1809), der sie in München mehrere Aufträge durch den Hof verschaffte.
370 Seiten über Carolines Lebensweg
Den faszinierenden Lebensweg Carolines von der badischen Prinzessin über die zwei Jahrzehnte als bayerische Königin (1806 bis 1825) bis zu ihrem Tod im Jahr 1841 schildert Autor Christian Sepp in seinem 370 Seiten umfassenden Taschenbuch, aufgeteilt in sieben Abschnitte.
Mit Zitaten aus Carolines Briefen, Wiedergaben ihrer Zeichnungen und zahlreichen Farbabbildungen sowie einem 20-seitigen Anhang mit Quellenhinweisen, Personenregister und Stammtafeln verschafft diese Biografie der ersten bayerischen Königin endlich den ihr gebührenden Platz in der Geschichte.
Informationen zum Buch: Christian Sepp: „Caroline. Bayerns erste Königin“, Allitera Verlag, Taschenbuch, 372 Seiten, Preis: 29,90 Euro, ISBN 978-3962334741












