Winterliche Stille liegt über der Sinnflut. Seit dem rauschenden Abschied am 30. September ist die Therme geschlossen. Zukunft ungewiss. Das heißt aber nicht, dass im Gebäudekomplex nichts geschieht, im Gegenteil. Dort herrscht noch erstaunlich viel Leben.
Dreimal pro Woche schließt Bernd Winter die Eingangstür zur Sinnflut auf – und wieder hinter sich zu. Der Mitarbeiter der Bad Brückenauer Stadtwerke hat vor der Schließung mehr als vier Jahre in der Therme gearbeitet – jetzt schaut er regelmäßig nach dem Rechten.
Technische Systeme müssen weiterlaufen
Denn auch wenn der Bade- und Bistrobetrieb seit einem Vierteljahr eingestellt ist, müssen einige technische Systeme weiterlaufen, damit der Gebäudekomplex nicht verkommt.
Die Heizung zum Beispiel. Winter schaut, dass in der großen Halle, aber auch im Sozialtrakt und den Umkleiden nie weniger als 15 Grad herrschen. Es wäre fatal, wenn sich Schimmel im Gebäude breitmachen würde. Und die Leitungen sollen auch nicht einfrieren.
Sinnflut-Inneres hermetisch abgeriegelt
Wer sich in der großen Schwimmhalle umsieht, dem fällt schnell auf: Nach außen hin ist sie hermetisch abgeriegelt. Sprich: Die „Ausgänge“ des Erlebnis- und des Mineralbeckens, die sowohl Innen- als auch Außenbereiche aufweisen, sind zugemauert. Dabei geht es weniger darum, dass die Wärme drinnen und Zugluft draußen bleibt.
Vielmehr soll etwas anderes außen vor sein – und zwar Mensch und Tier. Dass sich keine Ratten oder ähnliches Getier in der leeren Sinnflut tummeln sollen, liegt auf der Hand. Doch es besteht auch die Gefahr, dass Menschen unbefugt ins Gebäude eindringen, vielleicht dort übernachten, gar feiern. Und dabei versehentlich in die bis zu knapp vier Meter tiefen Becken fallen.
Becken mit Bauzaun gegen Absturz gesichert
Aus diesem Grund sind sie, besonders das Hauptbecken, mit einem Bauzaun abgesperrt. Wie übrigens alle Becken drinnen und draußen, die kein Wasser mehr führen (ab einem Meter Tiefe wird laut Winter eingezäunt). Lediglich die große Stahlwanne im Freibadbereich, die auch der neuen Sinnflut erhalten bleiben soll. Sie bleibt mit Wasser gefüllt und ist nur abgedeckt. Ein Sturz dorthinein wäre vermutlich auch nicht so tragisch.
Vandalen haben Fenster eingeworfen
Neben der Unfallgefahr spielt auch das Thema Vandalismus eine Rolle. In der Nacht vom 16. auf den 17. November versuchten Unbekannte laut Polizei, zwei Außenfenster des Umkleidebereichs der Sinnflut mit Basaltsteinen einzuwerfen.
Die äußere Scheibe der Doppelverglasung zerbrach. Bei weiteren Versuchen am Massageturm und am Brunnenhäuschen im Siebener-Park barsten weitere Fenster. So etwas soll sich nicht wiederholen, erst recht nicht im Innern. Die Schäden wurden repariert.
Interessenten für Rutsche Ottilie und Empfangsschiff
Letztendlich schützen die Absperrungen aber auch „offizielle Besucher“. Denn ab und an müssen neben Bernd Winter und seinen Stadtwerke-Kollegen Betriebsfremde ins Gebäude, zum Beispiel für weiterführende Reparaturen oder Kontrollen. Oder jemand holt Teile des früheren Inventars ab.
Denn das ist abzugeben. Für die Küche und die charakteristische knallrote Rutsche „Ottilie“ am Hauptbecken gab oder gibt es Interessenten; einige Pflanzen sollen auch abgeholt werden.
„Das große Schiff am Empfang ist auch noch zu haben“, sagt der neue „Herr der Sinnflut“. Nach Infos dieser Redaktion liebäugelte der Kindergarten St. Anna in Schondra mit einer Anschaffung des Holzbootes, aus dem heraus bis 30. September Eintrittskarten verkauft beziehungsweise kontrolliert wurden. Am Ende erfüllte es aber nicht die für die Einrichtung geltenden Anforderungen.
Sauna wird einmal im Monat hochgefahren
Zu Bernd Winters Aufgaben gehört es auch, die Hebeanlage für die WCs und einige Pumpen für Regenwasser regelmäßig am Laufen zu halten. Auch die Sauna wird zum großen Teil einmal im Monat hochgefahren. Da geht es um den Erhalt der Funktionalität.
Draußen schaut der Mann aus der Großgemeinde Wartmannsroth, ob etwas kaputtgegangen ist. Er kehrt Laub weg und das Hallendach ab. Zum Sommer hin wird er vermutlich Bäume und Sträucher zurückschneiden.
Termin für Abriss des Schwimmbads steht frühestens Mitte 2024 fest
Wenn die Sinnflut nicht zur großen Baustelle wird. Laut Stadtwerke-Geschäftsführer Torsten Zwingmann gibt es noch keinen Termin für den rund eine Million Euro teuren Abriss. Der hänge ab von Rahmenbedingungen wie dem städtischen Haushalt und Förderungen für den Ersatzneubau. „Ich gehe davon aus, dass wir frühestens Mitte 2024 wissen, wie es da weitergeht.“
Mindestens bis dahin kümmert sich Bernd Winter weiter liebevoll um die Sinnflut. Und vielleicht noch länger.
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