Nach dem Abschiedskonzert 2011 in Stangenroth war es fast 14 Jahre lang still um die einstige Kultband Rhöner Bluat geworden. Umso größer war die Überraschung in diesem Frühjahr, als sie angekündigt hatte, ein Benefiz-Revival zugunsten der abgebrannten Kissinger Hütte zu planen. Nach dem ersten gemeinsamen Treffen, welches an Ostern bei Kaffee, Kuchen, Bier und Schnaps stattgefunden hatte, sei die Band derart zuversichtlich, dass die Wünsche der Fans erfüllt und das langersehnte Comeback wirklich Realität werden könnte. Deshalb haben sie bereits mit den Proben begonnen. Wir waren bei der Zweiten dabei.
Unverkennbarer Sound
Im kleinen Probenraum in Hohenroth geht es eng zu. Sieben Musiker und eine Musikerin testen kurz die Mikrofone, bauen gekonnt ihre Instrumente auf, spielen sich ein paar Sekunden ein. Sie legen noch zwei Kabel, bereiten ihre meist digitalen Noten und Notizen vor. Noch ein frecher Spruch aus der Ecke, ein souveräner Konter. Gelächter. „Wir fangen mit ‚Hallo Klaus‘ an“, sagt Frontmann Frank Schmitt. „Fertig?“
In die noch chaotische Gesprächswolke zählt Schlagzeuger Christian Zinn einfach ein. Eins. Zwei. Drei. Vier. Dann ist er wieder da. Endlich. Der unverkennbare Sound von Rhöner Bluat. Mit mehrstimmigem Gesang und knackigen Klängen. Mit bekannten Liedern außerhalb des Mainstreams. Es klingt fast so, als wären sie nie weg gewesen.
400 gemeinsame Auftritte
Wer meint, dass Rhöner Bluat nach der langen Pause wieder bei null beginnen müsse, der irrt. Schließlich sind alle in den letzten Jahren gereift. Vor allem musikalisch. Bei kleinen Erinnerungslücken oder musikalischen Dissonanzen tauscht man sich kurz, professionell und dennoch locker aus. „Hab ich da wirklich die zweite Stimme gesungen? Ich kann mich nicht erinnern. Soll ich noch einen Halbton höher gehen?“
Immer wieder werden dazwischen alte Anekdoten und Erinnerungen an die unzähligen Auftritte ausgepackt. Manchmal reicht nur ein Wort. Man versteht sich. „Weiter?“ Eins. Zwei. Drei. Vier. Nächstes Lied. Und so wird in beeindruckendem Tempo ein Rhöner Bluat-Hit nach dem anderen durch geprobt. Mit jedem dieser Lieder grooven sie sich immer mehr ein. Es ist spürbar, dass rund 400 gemeinsame Auftritte zu einem blinden, nicht stummen, Verständnis geführt haben und was offenbar immer noch – und mit jedem Takt – mehr zu Tage tritt.
Originalbesetzung und keine neuen Lieder
Am ursprünglichen Comeback-Credo „nur in Originalbesetzung und keine neuen Lieder“ hat sich auch nach dem ersten Treffen und der zweiten Probe nichts geändert. „Ich bin alle Sets, die wir jemals gespielt haben, durchgegangen und habe die ‘Muss-Lieder‘ markiert. Alleine das waren schon 60 Stück“, sagt Frank Schmitt, der noch Notizen und Setlisten von jedem einzelnen Auftritt feinsäuberlich in einem Ordner abgeheftet hat.
„Seit der Comeback-Nachricht hat sich wieder ein regelrechtes Rhöner Bluat-Fieber in der Region entwickelt“, sagt Gitarrist Daniel Rossmann. „Es ist unglaublich, wie oft wir jetzt wieder auf Rhöner Bluat angesprochen werden. Egal, ob privat, beruflich oder wo wir mit den anderen Bands spielen“, sagt Nicole Dippold, die Sängerin und einzige Frau der Band. „Unsere Kinder und deren Freunde haben wirklich schon die Kassettenrekorder und CD-Player entstaubt. Sie können es auch kaum erwarten, uns erstmals auf der Bühne zu sehen. Schließlich kennen sie nur die vielen Geschichten von Rhöner Bluat, haben uns aber nie live erlebt“, ergänzt Thomas Rockenzahn.
Planungen für großes Benefizkonzert 2026
Doch worauf genau freuen sich die Fans? „So viel können wir sagen: Die Planungen für ein großes Benefizkonzert im kommenden Jahr sind in vollem Gange. Da einige Punkte aber noch abschließend geklärt werden müssen, können und wollen wir noch nichts Konkretes kommunizieren. Wir wollen ja nichts falsches ausposaunen, was sich vielleicht noch zweimal ändern könnte“, sagt Frank Schmitt im Gespräch mit dieser Redaktion. Deshalb bittet die Band noch um etwas Geduld. In wenigen Wochen sollen dann die Eckpunkte so weit finalisiert sein, dass man auch guten Gewissens Datum, Veranstaltungsort und Ablauf kommunizieren könne.
Bis dahin könnten sich auch die Fans an den Vorbereitungen für das Comeback beteiligen. Denn seit dem letzten Auftritt von Rhöner Bluat ist ein Stoff-Rhönschaf, welches jahrelang als Maskottchen diente, verschollen. „Das müssten wir wieder irgendwie auftreiben“, sind sich alle einig. Die Band vermutet, dass sie es vielleicht irgendeinem Stammtisch oder Fanklub vermacht haben. Genau, weiß das keiner mehr. Im Gegensatz zu den unzähligen – skurrilen und lustigen – Anekdoten kann sich kein Bandmitglied mehr über den Verbleib des Rhönschafs erinnern.








