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Tagung der Feldgeschworenen
In Untererthal: Musik, Tradition und Gemeinschaft
Feldgeschworeren-Tagung  Untererthal
Ein stattlicher Festzug bildete den Auftakt zur Feldgeschworeren-Tagung für den Altlandkreis Hammelburg in Untererthal. // Peter Seufert
Feldgeschworeren-Tagung  Untererthal
Zusammen über ein Jahrhundert im Ehrendienst: Armin Trischler (55 Jahre) und Karl Heilmann (60 Jahre) rechts. Es gratulieren Kreisobmann Peter Hart (links) und Brigitte Meyerdierks. // Peter Seufert
Feldgeschworeren-Tagung  Untererthal
Sechs neue „Siebener“ hoben die Hand zum Eid auf ein Ehrenamt auf Lebenszeit unter der stellvertretenden Landrätin Brigitte Meyerdierks. // Peter Seufert
Feldgeschworeren-Tagung  Untererthal
Die Geehrten mit links Kreisobmann Peter Hart, rechts Brigitte Meyerdierks und Vermessungsingenieur Andreas Koch. // Peter Seufert
Feldgeschworeren-Tagung  Untererthal
Ein Festzug als Auftakt zur Feldgeschworeren-Tagung für den Altlandkreis Hammelburg in Untererthal. // Peter Seufert
Feldgeschworeren-Tagung  Untererthal
Ein Festzug als Auftakt zur Feldgeschworeren-Tagung für den Altlandkreis Hammelburg in Untererthal. // Peter Seufert
Feldgeschworeren-Tagung  Untererthal
Ein Festzug als Auftakt zur Feldgeschworeren-Tagung für den Altlandkreis Hammelburg in Untererthal. // Peter Seufert
Feldgeschworeren-Tagung  Untererthal
Ein Festzug als Auftakt zur Feldgeschworeren-Tagung für den Altlandkreis Hammelburg in Untererthal. // Peter Seufert
Signet des Fränkischen Tags von Peter Seufert
Untererthal – Der Ausfall des Organisten sorgte für eine Überraschung. Die Tagung der Feldgeschworenen bot feierliche Momente und historische Einblicke.
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Es hat schon etwas Feierliches, wenn stattlich gekleidete Siebener, am Revers ein kleiner Blumenstrauß, sich bei morgendlichen Sonnenstrahlen auf den Weg machen, um einen Festgottesdienst zu feiern. Eindrucksvoll auch der Marsch im Gleichschritt, den die Untererthaler Musikanten mit ihrem Takt vorgaben.

Traditionell wird der Zug angeführt von den sieben Ehrendamen mit dem Siebener-Zeichen, der Blaskapelle, den zahlreichen Fahnenabordnungen der Vereine und den Ehrengästen der lokalen Politik. Mit dem Einzug in die St.-Martin-Kirche begann die diesjährige Tagung der Feldgeschworenen des Altlandkreises Hammelburg, die von Kreisobmann Peter Hart geleitet wurde. Im Rahmen der Veranstaltung vereidigte die Stellvertretende Landrätin Brigitte Meyerdierks sechs neue „Steinsetzer“ und würdigte zwölf Amtsinhaber für langjährige aktive Dienstzeit.

A-cappella-Chor statt Orgelklänge

Der Gottesdienst begann mit einer Überraschung, denn der Organist fiel aus. Somit erklang ein A-cappella-Chor kräftiger Männerstimmen im Kirchenschiff mit dem Eröffnungslied „Erde singe, dass es klinge …“ Allerdings dauerte es nicht lange, und Harald Drescher sprang spontan an der Orgel ein. Als die ersten Akkorde ertönten, wurde er mit kräftigem Applaus begrüßt. Dies brachte Pfarrer Thomas Eschenbach ein Lächeln ins Gesicht und die Tatsache, dass die Kirche wegen Überfüllung eigentlich hätte geschlossen werden müssen. Parallelen dazu kennt Pfarrer Eschenbach nur vom aktuellen Katholikentag in Würzburg.

In seiner Predigt bezeichnete er die Siebener als Gemeinschaft, die zusammen und dicht hält, die die Heimat kennen, sie bewahren und sie wertschätzen, wie der Christ den Glauben. Heute, so Pfarrer Eschenbach, fühle er sich wie beim Katholikentag „dahämm“.

Vereidigung mit Handschlag

In Vertretung vom neuen Landrat Mario Götz nahm Stellvertretende Brigitte Meyerdierks die Neuvereidigung vor. In der Eidesformel verpflichteten sich sechs neue Feldgeschworene zur „gewissenhaften und unparteiischen Erfüllung der Amtspflichten, zur Verschwiegenheit und zeitlebens Bewahrung des Siebenergeheimnisses“. Ein Handschlag besiegelte diese Verpflichtung. Fehlen durfte nicht das traditionelle Gedicht über die Siebener, vorgetragen durch Linda Koch.

Nach dem Auszug aus der St.-Martin-Kirche erinnerte Peter Hart an die im letzten Jahr verstorbenen Kameraden Harry Neumann aus Euerdorf und Hubert Wehner aus Elfershausen. Zusammen mit Robert Schäfer und Alex Brandenstein legten sie einen Gedenkranz am Kircheneingang nieder. Es ertönten die Bayern- und Nationalhymne. Mit schmissiger Blasmusik zogen die rund 130 Amtsinhaber zurück zur Ertalhalle, dem Tagungsort.

Bürgermeister Armin Warmuth nannte die 228 Feldgeschworenen des Altlandkreises als nicht ersetzbar und die viel Vertrauen in der Bevölkerung verdienen. Dass die Tagung nach neunzehn Jahren wieder einmal in Untererthal abgehalten wird, fand der Hammelburger Bürgermeister gut, da hier auch der älteste Siebener, Karl Heilmann, zu Hause ist.

Blick auf die Geschichte von Untererthal

Einen Einblick in die Historie des gastgebenden Ortes gab Helmut Scholl. Untererthal ist über die Jahrhunderte das Ergebnis von Herrschaft, Besitz und Grenze, denn jede Grenze ist älter als jeder Katasterplan, und diese Spannung zwischen Dauer und Wandel ist der Schlüssel zur Siedlungsgeschichte Untererthals. Karl der Große schenkte im Jahr 777 sein Königsgut um Hammelburg dem Kloster Fulda.

Erstmals tauchte der Name „Harital“, später „Eritale“ auf. Bedeutend für Untererthal waren die Herren von Erthal als Adelige, Grundherren, Gerichtsherren, Schutzgeber und Grenzsetzer, die Anfang des zwölften Jahrhunderts eine Kirche errichten ließen. Eine Burg im Judenhof war bis zum Zerfall 1796 der Stammsitz der Erthaler. Schutzjuden übernahmen den Burgplatz, der zum Judenhof wurde. Die Brüder Hans Jörg und Christoph Heinrich teilten das väterliche Erbe, und die Familie spaltete sich in mehrere Linien auf, in eine fränkische in Elfershausen und eine fuldische in Burgerthal. Das Aussterben der Erthals wurde bedingt durch die Erbfolge. 1805 starb in Aschaffenburg der letzte Erthal.

Handel auf der einen, Zerstörung auf der anderen Seite

Da Grenzen nicht starr bleiben, durch Kriege, Reformen und Erbteilungen verändert werden, waren es die Feldgeschworenen, die für neue Ordnung sorgten. Untererthal liegt an der alten Nord-Süd-Verbindung, der Vorläuferin der heutigen Bundesstraße 27. Kaufleute brachten Handel, Durchzüge von Heeren brachten Zerstörung. Grenzen wurden neu bestimmt und zwischen Diebach, Obererthal und Hetzlos Marktsteine neu gesetzt. Nur so konnte Gemeinschaft wachsen.

Vermessungsingenieur Andreas Koch berichtete als Vertreter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung über Neuerungen beim Amt. 375 Vermessungsaufträge wurden abgearbeitet und in einer Zeit, die in Bayern bei allen Ämtern die schnellste war und deutlich unter dem Soll liegt. Die Nutzung des BayernAtlas plus ist für die Feldgeschworenen äußerst nützlich und stellt das beste digitale Kartenmaterial zur Verfügung. Mit Roland Mai und Florian Nöth hat das Amt personelle Verstärkung bekommen. Neuschulungen sollen die Kenntnisse der Siebener vertiefen, so Koch, der sich für die gute Zusammenarbeit mit den Steinsetzern bedankte.

Beitrag zum Grenzfrieden

Dass Frauen nun auch in den Reihen der Feldgeschworenen sind, findet Brigitte Meyerdierks zeitgemäß. Sie unterstrich zudem das älteste Ehrenamt als wichtiges Brauchtum mit Tradition in der Eigentumssicherung. Kompetente Helfer des Vermessungsamtes verlieren aufgrund ihrer Ortskenntnisse nicht ihre Bedeutung und tragen zum Grenzfrieden in den Ortschaften bei.

Anschließend wurden von Meyerdierks und Hart zahlreiche Altgediente mit Urkunden, Bocksbeuteln und einer Broschüre „Wie Bayern vermessen wurde“ ausgezeichnet. Protokoll und Kassenbericht sind Angelegenheit von Hans Jürgen Pfülb, der darüber referierte. Abschließend gab Kreisobmann Peter Hart noch Anregungen  weiter. So sollten Ehrungen und Neuanmeldungen zügig gemeldet werden. Grenzgänge sollen weiter auf der Agenda der einzelnen Dörfer stehen, um  die Ortsgrenzen der Bevölkerung näher zubringen.  

Ehrungen

  • 60 Jahre:  Karl Heilmann (Untererthal)
  • 55 Jahre:  Armin Trischler (Schwärzelbach)
  • 40 Jahre:  Gottlieb Hofmann (Windheim), Rudolf Kessler (Völkersleier), Hermann Gabel (Untereschenbach), Walter Hartmann (Hassenbach), Werner Reuß (Frankenbrunn)
  • 25 Jahre: Walter Schultheis (Westheim), Walter Beer (Trimberg), Albrecht Neder (Tulba), Hubert Wald (Hetzlos), Guido Schneider (Aura)
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